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UK Tour '75

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UK Tour '75
UK Tour '75, MLP/Point Music, 2008
Phil Lynott Vocals & Bass
Brian Robertson Guitar
Scott Gorham Guitar
Brian Downey Drums
Länge: 74 Min 55 Sek Medium: CD
1. Fighting My Way Back9. The Rocker
2. It's Only The Money10. Sha La La
3. Wild One11. Baby Drives Me Crazy
4. For Those Who Love To Live12. Me And The Boys
5. Still In Love With You13. Cowboy Song (Derby Blues)
6. Showdown14. Little Darling
7. Suicide15. Sound Check Jam
8. Rosalie

Noch eine THIN LIZZY Live-CD - nach "Live And Dangerous", "Live Life", "BBC" und auch der Lizzy-Erben Live-CD "One Night Only (Live)", und hiermit sicher nicht erschöpfend alle aufgezählt habend, die da veröffentlicht wurden. Frage: Muss das denn sein?

Über THIN LIZZY als Band und deren Musik als solches etwas zu sagen erübrigt sich hier wohl, da das HoR ja schon eine ganze Artikelserie veröffentlicht hat, die dem Leser dieser Zeilen zwecks Basicinfo ans Herz gelegt wird, sollte das überhaupt noch notwendig sein. Die eigentliche Frage also - muss ich die CD kaufen -, zumal Lizzy-Aficionados mit "Live And Dangerous" ja eh ein Rockmusik Must-Have Livealbum in ihrem Schrank haben (sollten), egal wie sehr das auch im Nachhinein noch durch Overdubs verbessert wurde.
Das UK-Tour Album wurde vor "Jailbreak" aufgenommen und enthält folglich die Highlights des frühen Lizzy-Katalogs hauptsächlich von "Nightlife" und "Fighting", allerdings ohne Whisky In The Jar, dafür mit The Rocker.
Die Band besteht zu dem Zeitpunkt aus den Maschinisten Lynott und Downey und den Drivern Gorham und Robertson, und ist an mehreren Abenden während dieser Tour aufgenommen.
Und eines ist mal klar: Ich würde mein Geld für etwas zum Fenster rauswerfen, wenn die Band nicht herausragende Versionen der Songs, die ich eh schon kenne, spielt, und/oder die Produktion ein neues Licht auf die Songs wirft, und/oder die Akteure nicht herausragend agieren. Wir sind doch nicht blöd, Mann!
Sind wir auch nicht, aber trotzdem um knapp €20 ärmer weil: Dieser Mitschnitt ist jeden Cent wert, den man dafür ausgibt. Ein paar Tassen Bier, die neue AC/DC, oder das hier? Nüchtern bleiben, AC/DC haben wir eh schon fast alles, also THIN LIZZY - denn wir lieben Rockmusik, und das hier hat alles, was gute Rockmusik ausmacht. Ein einziges Manko: Es ist zu kurz.

Im Einzelnen. Wer schon mal irgendwo eine bessere Version von Still In Love With You gehört hat, behalte sein Geld. Für mich war das in seiner emotionalen Tiefe, solistischen Leistung und Interaktion zwischen Lynott und Downey im Mittelteil eine Offenbarung. Lynott hört sich so an, als hätte er seine Liebe kurz vor Konzertbeginn verloren, das Gorham und Robertson mitgeteilt, die daraufhin die Soli so spielen, als wollten sie Lynotts Leid teilen. Und Downey setzt sich hin und unterhält sich mit ihm kopfnickenderweise - listen to the rhythm section.
Showdown - ein Hinweis auf das, was dann auf "Johnny The Fox" kommen sollte - ist ein solcher Killer vom langsamen Voodoo-Shuffle zum schnellen Ende … unglaublich. Sha La La lässt überhaupt keine Zweifel, was Lynott da mit seiner Zunge anstellen will, und was seine Lady mit der Jelly Roll machen soll - weil es hier es so direkt und scharf rüberkommt, dass dies dem Song endlich mal gerecht wird.
Suicide - don't it make you wanna boogie? Yessir!

Produziert/aufgenommen ist das wie ganze roh und direkt - und somit genauso, wie es sich gehört und wie man die Songs hören soll, von einer jungen, hungrigen Band, die nichtsdestotrotz auf der Höhe ihres Könnens selbstbewusst agiert und keinen Zweifel daran lässt, wer The Rocker ist.
Lynotts Ansagen kommen wunderbar im irischen Slang rüber - this is a luv song for all de ladies. Und wer jemals gezweifelt hat, dass "Me best friend" Downey ein ganz großer Drummer ist, höre sich mal den Mittelteil von Sha La La an. Downey gibt die Maschine: Über einer unnachgiebigen Bassdrum walzt er seine Drumrolls in die Menge - geht aus dem Weg, oder ihr werdet platt gemacht! Von wegen 'Noch so ein Montoniemonster-Langweile-Drumsolo', nicht bei Downey, Mann; ehe du dich versiehst, ist die Maschine über dich hinweggerollt, und du bekommst keine Luft mehr. Noch Fragen, bitte, du kannst dir auch Me And The Boys anhören, wenn du Zweifel hast, oder sonst einen Song. Der Mann ist das elegante Boogie-Drumroll-Monster. Rate mal, warum Lizzys Erben auf "One Night Only" mit Schwerstarbeiter Aldrige an den Drums nicht Johnny The Fox spielen!
Brian 'The Kid' Robertson und 'The Man in white Pretty Boy Floyd' Scott Gorham sind die Scharfschützen an den Gitarren - jeder Ton trifft dich ins Herz, und du kannst nix dagegen tun, und willst das auch gar nicht. Me And The Boys anhören, und genau die Qualität und auch den Unterschied im Spiel beider hören und lieben.

"Live And Dangerous" ist großes Theater, Breitwand und was nicht noch alles und unverzichtbar. "UK Tour '75" ist der eine verrückte Film, den du in diesem kleine Kino siehst und dein Leben lang nicht vergisst. Go and get it!
Dazwischen liegt irgendwo "One Night Only" - gleich mitnehmen, wenn du eh schon im Laden bist.
Hut ab, und eine Gedenkminute für Phil. We are still in luv with you, man.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 16.11.2008

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