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| Adam & Eve, InsideOut Music/SPV, 2004 |
| Roine Stolt |
Guitars, Vocals |
| Tomas Bodin |
Piano, Hammond, Synthesizer |
| Hasse Froberg |
Vocals |
| Daniel Gildenlöw |
Percussions, Vocals |
| Jonas Reingold |
Bass |
| Zoltan Csörsz |
Drums |
| Produziert von: Roine Stolt |
Länge: 76 Min 23 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Love Supreme (19:50) | 6. Adam & Eve (7:50) |
| 2. Cosmic Circus (3:00) | 7. Starlight Man (3:30) |
| 3. Babylon (2:41) | 8. Timelines (7:40) |
| 4. A Vampires View (8:50) | 9. Drivers Seat (18:22) |
| 5. Days Gone By (1:40) | 10. The Blade Of Cain (5:00) |
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Die Saison der Blumenkönige ist wieder eröffnet und wird musikalisch gebührend gewürdigt. Ob uns mit "Adam & Eve" ,so der Titel des neuen FloKi Machwerkes, der Weg ins Paradies gewiesen wird, muss jeder für sich selber entdecken. Angesichts der Tracklist mit zwei 20 Minütern erwartet man anstrengende Kost, d.h. also nichts für Retorten-Charts und One-Hit-Wonder Konsumenten.
Die schwedischen Hippiekönige des Artrocks, können ja mittlerweile auch schon auf eine ergiebige Historie zurückblicken. Als sich diese Formation vor 10 Jahren als musizierende Interessengemeinschaft zusammenschloss, war ihr recht erfolgreicher Werdegang noch gar nicht abzusehen. Dabei bildet Schöngeist und Gründungsmitglied Roine Stolt wohl das tragende Gerüst der FloKis.
Der am 5.September 1956 im schwedischen Uppsala geborene Roine wurde in seiner Jugend als anfänglicher Bassist von der Psychedelischen- und Hippie-Ära der späten Sechziger geprägt. Mit 17 übernahm er den Gitarrenjob bei der damals einflussreichsten Progband Skandinaviens, KAIPA. Mit diesen absolvierte er Dutzende Live- und TV-Auftritte bzw. veröffentlichte ein beachtliches Album.
Nach diesem Kapitel formierte er 1979 die Gruppe FANTASIA, die bis 1983 insgesamt zwei Alben einspielte. Nach unzähligen Intermezzi als Sessionmusiker, Arrangeur und Produzent, begründete er Anfang der 90er das schwedische Prog-Label Foxtrott, bei dem 1989 gleich das Debüt "The Lonely Heartbeat" vom STOLT PROJEKT, mit Pop und komplexem Rock zu Releaseehren kam.
Nach einigen Zwischenspielen mit diversen namhaften Musikern, kam es im August 1994 mit der Herausgabe des Solo-Werkes "The Flower King" zur Wiedergeburt des Progressive Rock in Schweden. Dieses Album beinhaltete schon die später typischen Trademarks, mit den in der Musik und den Texten verwobenen Hippie-Idealen. Der Zeitpunkt wird auch als Geburtsstunde der FLOWER KINGS benannt, die bis zum heutigen Tage - mit fluktuierender Besetzung - 6 Studio und 2 Liveoutputs produzierten.
Der vor Ideenreichtum nur so sprühende Workaholic hatte 2000 bis 2003 auch noch eine Liaison mit den Prog Side-Projekten TRANSATLANTIC und THE TANGENT, lies aber nebenbei auch noch einmal eine Reunion von KAIPA und dem FLYING FOOD CIRCUS (mit Hasse Bruniusson) vom Stapel (daraus resultierte jeweils ein Album. Das neue THE TANGENT Werk erscheint am 8.Oktober).
Ebenfalls von Anfang an dabei ist der Überzeugungshippie und Tastenvirtuose Tomas Bodin. Dieser wurde am 9. April 1959 in Stockholm geboren, wo er in seinen jungen Jahren ein Musikstudium absolvierte. Nach Lehrjahren als Pianist in einigen lokalen Bands, wurde er 1985 Mitglied in Roines Band STOLT. Nach diesem Abschnitt erarbeitete er Theaterproduktionen für das Staatstheater in Uppsala. Er investierte das verdiente Geld in die Erweiterung seines Equipments bzw. seines musikalischen Horizonts ,um sich intensiver mit den elektronischen Tasteninstrumenten auseinanderzusetzen. In dieser Phase machte Tomas Computerprogramme für Keyboards und unterrichtete diese sogar als Musiklehrer.
Eine Schaffensstation verschlug ihn, zusammen mit Roine und Tomas Eriksson, als Gesellschafter zu einem Musikverlag.
Neben der festen Mitgliedschaft bei den FloKis, komponierte er weiterhin Werke für verschiedene Theater in Schweden.
Sein erstes Solo Album "An Ordinary Night Of My Ordinary Life" kam 1996 zur Veröffentlichung. Trotz seiner Soloaktivitäten ist Bodin immer eine wichtige kreative Persönlichkeit im Reigen der Könige geblieben.
Neben diesen Bandbollwerk gehören zum aktuellen Line-Up noch Hasse Froberg, Zoltan Csörsz, Jonas Reingold und Neumitglied Daniel Gildenlöw.
Der am 4. Januar 1964 in Schweden geborene Hasse Froberg machte als Gitarrist schon mit zarten 15 Jahren seine ersten Erfahrungen in einigen lokalen Bands. Er musizierte ab 1983-88 bei der Heavyrock Band SPELLBOUND, die insgesamt drei Alben produzierte, eins davon speziell für den japanischen Markt. Des Weiteren war er 1993-95 bei den Hardrockern SOLID BLUE angestellt, deren Alben "Vol.II" und "Vol. III" beim schon erwähnten Foxtrott-Label erschienen.
Zum ersten Mal übernimmt er 1994 für das FloKi-Debüt einige Gesangsparts, was sich beim 1996er "Retropolis" Album fortsetzte. Hasse wurde somit ab Mai 1997 ein ständiges Bandmitglied.
Der Youngster Zoltan Csörsz wurde am 4.Juli 1976 in Ungarn geboren und bekam schon mit 25 Jahren eine Festanstellung bei den FloKis. 1986 gewann er als Schlagzeuger einen internationalen Talentwettbewerb in seiner Heimat. Als Belohnung durfte er mit namhaften ungarischen Jazzmusikern aufspielen. Er kam ebenfalls in den Genuss einer musikalischen Weiterbildung beim Jazzinstitut von Malmö, das sein exaktes Drumming nachhaltig verfeinerte. Zoltan ging im Oktober 2000 ganz nach Schweden, um mit einigen eigenen Bands wie LATIN FLAVOR oder THE FAMILY TREE Boden zu fassen. Danach arbeitete er als Studiomusiker bzw. spielte mit skandinavischen und amerikanischen Jazzern, wie James Moody, Billy Harper, Jan Lundgren u.a. zusammen.
Der heute 32-jährige Jonas Reingold wuchs in Malmö auf, wo er auch ab 1986 seine ersten Handwerksversuche als Bassist in der Lokalband WIRE startete. Neben seinem Musikstudium von 1988-1994 bewies er sich öfters als Sessionmusiker. 1995 verwirklichte Jonas sein erstes eigenes experimentelles Projekt das SWEDEN BASS ORCHESTRA, zusammengesetzt aus 5 Bassisten und einen Drummer. Es folgten diverse andere Projekte, bis er schließlich 1999 bei den Blumenkönigen landete. Er betreibt aber bis heute mit Roine's kleinem Bruder Michael Stolt das recht erfolgreiche Nebenprojekt KARMA-KANICS.
Vervollständigt wird diese Mannschaft vom Multiinstrumentalisten, Sänger, und Neuzugang seit "Unfold The Future", Daniel Gildenlöw. Dieser musizierte 1984 schon bei den schwedischen Progmetal-Protagonisten REALITY, bis er schließlich 1990 die bis heute ziemlich erfolgreichen PAIN OF SALVATION formierte. Die brachten es bisher auf 6 Outputs, das Neueste mit inbegriffen, und wehten damit frischen Wind in die Szene. Der Ausflug als Sänger zu den FLOWER KINGS wird für dieses Unterfangen sicherlich eine persönliche Bereicherung bedeuten.
Nun liegt uns das neueste Opus des schwedischen Sextetts vor und wartet darauf, dem mehr oder minder trainiertem Gehör, seine typischen Klangstrukturen von Artrock, Jazz und Klassik vorzuführen.
Schwirrende Glockenklänge lassen den Zuhörer schon im Voraus erahnen, was ihm in den folgenden knapp zwanzig Minuten aus der heimischen FloKi Musikschmiede ereilen wird.
Der YES-mäßig intonierte Einstieg von Love Supreme arbeitet mit einer grazilen Rhythmussection mit dem pumpenden Bass, die nur von den Gesangslinien von Hasse Froberg, die dem Vibrato eines Phil Mogg (UFO) verdammt nahe kommen, durchbrochen werden. Im weiteren Verlauf des Tracks kristallisieren sich immer mehr jazzige Versatzstücke heraus, Merkmale die man von einer Stolt'schen Komposition erwartet. Dieser weiß wieder mit seiner zunächst verhaltenen präzisen Saitenarbeit zu begeistern, welche sich im Mittelteil in kosmischere Gefilde, von Ethnoeinflüssen untermauert, entfalten.
Dieser Zustand endet geradewegs im Spirit von Heart Of The Sunrise, mit der eindeutigen Anlehnung an diese YES-Ära. Das Ganze wird von den dafür nötigen Zutaten, wie einem akustischen Part, einer majestätischen Orgel und den ins Bewusstsein treffenden Bass-Pedals untermalt. Nach vermehrten spacigen Soundambitionen, gewinnt die orgastische Gitarre wieder die Oberhand, immer begleitet von Orgelkaskaden und unglaublichen Bassbreaks. Dieser ständige Spagat zwischen straightem Rock und komplexem jazzigen Prog entspannt sich erst in einem gewohnt ruhigen Gesangspart. Zum Songende hin steigert sich dieser zu elegischen, fast schon kathedral anmutenden Backgroundchören.
Die Saitenhexerei von Meister Stolt, wie auch der zugehörige FloKi Stilmix, nehmen den Zuhörer unweigerlich gefangen. Die Spannung entlädt sich in einem urtypischen bombastischen Finale, bis sich nach 19 Minuten der gelungene Einstiegsepos auflöst.
Das folgende Cosmic Circus ist ein kurzer und bündiger Rocksong mit einer musikalisch positiven Botschaft. Überwiegend akustisch, mit mächtigen Mellotronteilen, bekommt man hierbei schon radiokompatible Ware geboten. Dieser Trend scheint sich in der letzten Zeit auf dem Progsektor immer mehr durchzusetzen, d.h. den Konsumenten nicht durchweg mit anstrengendem Songwriting zu überlasten, sondern zwischendurch für leichtere, eingängigere Kost zu sorgen.
Nach einer sphärischen Bridge ergießen sich flächige Keyboards, immer im Einklang mit den Bass- und Drum-Lines, in den Instrumentaltrack Babylon. Dieses kurze Zwischenspiel lebt und verkörpert ganz besonders die Aura der Mittsiebziger Phase von GENESIS.
Eine düstere, bedrohliche Stimmung verbreitet anfänglich das folgende Vampires View, es entpuppt sich aber bald als einer der wohl innovativsten Kompositionen des bisherigen FloKi Schaffens. Mit dem Charakter eines Gruselmusicals, basiert dieser Song auf Anne Rice's Novelle "Confession Of A Vampire", bei den Cineasten bekannt als "Interview mit einem Vampir". Herr Gildenlöw bringt hierbei völlig neue Nuancen mit seinen herausragenden Gesangsspielereien zur Geltung, dabei erweckt er immer öfters Assoziationen an einen Peter Hamill. Dramatische Elemente wie Flöte, anschwellendes Mellotron bzw. traumhafte Orgelausbrüche, sind im Mittelteil präsent und erinnern mit ihrer Intonierung an Alan Parsons' musikalischer Gestaltung der Geschichten von Edgar Alan Poe.
Die Schlusssequenz löst sich dann mit einem ergiebigen Pianospiel im anschließenden Days Gone By auf und lässt den Zuhörer erst einmal durchatmen.
Nach einem kurzen Keys-Intro begibt sich die Stoltsche Mannschaft auf eine musikalische Zeitreise in die Ära der 70er Hardrockbands. Die treibende Gitarre zeigt all zu offensichtliche Reminiszenzen an DEEP PURPLE und Konsorten. Dementsprechend ist auch der Gesang recht kompatibel ausgefallen. Das bestechende Gitarrensolo im Mittelteil liefert sich mit den Synthies ein ständiges Duell. Aber auch die klassische Hammondorgel kommt zu ihrem Recht, wobei sich dieser Teil quasi in Solodarbietungen der Protagonisten auflöst. Nach diesen orgastischen Ausbrüchen findet der Track vorwiegend akustisch verhalten, mit fast schon akrobatisch anmutenden Vocals, einschließlich einem engelhaften Background, den überraschenden Abschluss.
Starlight Man kommt mit seinem von BAD COMPANY geklonten Intro zunächst rockig einher, bevor sich der kurze Track in einen beschwingten Popsong verwandelt.
Warum sollte man einer Artrockband nicht auch einmal einen Airplay-tauglichen Song zuerkennen? Oder gibt es festgeschriebene Regeln!
Das folgende Timelines lässt mit seinem schrägen Intro Progmässig wieder einiges erhoffen. Nach diesen verschachtelten Instrumentalausbrüchen macht sich beim Hörer recht bald Ernüchterung breit. Der Bluesrhythmus, begleitet von einem luftigen Mellotron, und die rauchigen Vocals werden nur noch vom süßlichen Refrain getoppt. Das obligatorische Gitarrensolo hätte auch auf einem beliebigen TOTO-Album seinen Platz gefunden. Danach lebt der Song von einer sehr relaxten Atmosphäre, die nur beim Outro noch einmal in eine wahre Kakophonie verfällt.
Der zweite Longsong auf diesem Album, Drivers Seat, kann danach mit seiner Melange aus klassischem Artrock und den für die FloKis typischen Jazzimprovisationen wieder Boden gut machen.
Nach dem elegischen Intro, mit Übergewicht an Mellotron und Hammondanteilen, bekommt das Teil aber postum Ohrwurmqualitäten, was nicht zuletzt der zuckersüßen, anbiedernden Gitarrenmelodie zuzuschreiben ist. Der ausdrucksvolle Gesang von Herrn Froberg kommt für meine Auffassung etwas zu gepresst und affektiert herüber, passt sich aber den variablen Progrhythmen gut an. Die geschickt eingearbeiteten Saiteninterpretationen bzw. kurzen Soli, die bisweilen sogar einen leichten karibischen Touch bekommen, lösen sich im komplexen Mittelteil auf. Versiert dargebotene Versatzstücke aus Perkussion bzw. Schlagzeug, mit der starken Tendenz zu den Jazzpionieren WEATHER REPORT, wird sehr bald von einer sphärischen, fast schon blumigen Atmosphäre abgelöst. Die übertriebene Gesangsakrobatik, der groovende Grundtenor mit dem bluesigen Touch und die sich immer wieder aufbäumenden Gitarrensoli spielen sich ins Ohr und bilden eine eigene Welt voller Details.
Nach dem akustischen Ausklang dieses 19 Minuten Brockens bekommt man zum Abschluss des Albums noch ein begnadetes klassisches Instrumentalteil dargeboten. The Blade Of Cain vermengt noch einmal alle Tugenden des britischen Artrocks: Ausreichend Mellotron, die Grundstrukturen sehr sophisticated und das Ganze mit dem nötigen Hauch von Pathos angereichert.
Die FLOWER KINGS haben wieder ein sehr experimentelles, abwechslungsreiches und mutiges Album an den Start gebracht. Sie verleugnen dabei in keinster Weise ihre musikalischen Vorbilder und Erzieher aus den 70ern und zeigen vehement klare Reminiszenzen an deren Schaffen auf. Das manchmal etwas magistral anmutende Organ von Herrn Gildenlöw bringt, wie ich finde, sehr interessante Farbtupfer in das Werk. Ansonsten sind die Protagonisten immer dann wirklich gut, wenn Mastermind Stolt selbst einmal das Mikro in die Hand nimmt.
Das zunächst kitschig und dumm anmutende Coverartwork ist eine Ölmalerei vom spanischen Künstler Ciruelo Cabral, der auch gleichzeitig ein großer Fan der Band ist und schon ein paar Steve Vai CD-Sleeves gestaltete. Das Gemälde soll eine verbindende Brücke zwischen der Vergangenheit, Gegenwart oder der Zukunft darstellen. Bildlich in Szene gesetzt durch einen Neandertaler "Adam" und der engelsgleichen "Eve", die beide durch eine Kette in den Ohrlöchern verbunden sind. Bei der Betrachtung wird damit auf die Fantasie der Käufer gesetzt.
Es ist, last not least, ein klassisches FloKi Album, wie es die beinharten Fans lieben, aber der Rest in der Luft zerreißen wird. Entweder man begibt sich in diese Obsession oder man lässt stillschweigend die Finger davon.
Was bleibt, ist ein zeitloser Beitrag zum großen Pool der anspruchsvollen Rockmusik!
Rock'n Roll will never die!
Für Angela
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