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| Over The Border, Blue Rose Records, 2006 |
| Dave Kincaid |
Lead & Backing Vocals, Guitars, Mandolin |
| Ernie Mendillo |
Bass & Vocals |
| Frank Funaro |
Drums |
| Andy Burton |
Hammond Organ |
| Jerry O'Sullivan |
Uilleann Pipes & Whistle |
| Gäste: |
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| Dennis Diken |
Drums (She's The One & He's Waiting) |
| Simon Kirke |
Drums (The Only Love I Can Get) |
| Produziert von: Dave Kincaid |
Länge: 44 Min 16 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Over The Border | 6. Dino's Song |
| 2. Walking Home | 7. Merrily Kissed The Quaker / The New York Volunteer |
| 3. The Only Love I Can Get | 8. He's Waiting |
| 4. She's The One | 9. Let It Go |
| 5. The Triangle Fire | 10. Guantanamera |
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Ob in den Redaktionen der Zeitgeister wohl gerade die Messer gewetzt werden? Gut möglich angesichts des Comebacks einer zwanzig Jahre alten Band, die seit immerhin acht Jahren keine Studioplatte mehr veröffentlicht hat und schon lange lieber als Einfluss junger Kapellen denn als wichtige aktive Kreativwerkstatt genannt wird. Die Tourneen der letzten Jahre wurden zwar von den Fans bejubelt, die Kritiker lehnten jedoch oftmals leicht gelangweilt an den Tresen. Was Wunder, immerhin sind Dave Kincaid, Ernie Mendillo und ihre wechselnden Begleiter nicht wirklich this years model. Sieht man dazu noch in der Tracklist der CD als Schlusstitel Guantanamera, könnte man beinahe in Melancholie verfallen und diese Wiederkehr in die Schublade "überflüssig & altbacken" abschieben. Sollte man nicht machen, denn nach den 10 Songs hat Hörer Schweiß und Tränen im Gesicht, letztere spätestens eben bei diesem Straßenmusiker-Standard Guantanamera, das auch das abgehärtetste Seelchen anfassen sollte. Das hier sind THE BRANDOS und nicht die Trillionen Peinlichkeitsartisten, die sich an dem Gassenhauer schon vergriffen haben!
Aber der Reihe nach. Erstens sind die BRANDOS mit "Over The Border" endlich dort gelandet, wo sie qua Musikstil ohnehin hingehören, nämlich bei Blue Rose Records, zweitens sind Dave Kincaid einmal mehr einige Songs gelungen, die ohne Umschweife in die Bestenliste der Fans gelangen werden und drittens zelebriert die Band nach wie vor diese wundervolle Musik, die man wahlweise als Roots-, Classic- oder einfach Rock-Rock bezeichnen kann. Melodien, Schönklang und Drive stehen im Vordergrund und der alte Herr Rock & Roll kommt nicht zu kurz. (Irish) Folk auch nicht, Moderne und Tradition kommen miteinander klar und Mr. Kincaid stößt niemanden vor den Kopf, erfüllt lieber die Erwartungen auch des kritischsten Fans.
An dieser Stelle ein Einblick in meine normale Arbeitsweise. Zwei, dreimal wird eine neue CD sozusagen "kalt" gehört, d.h., Infoblatt, Booklet etc. spielen zuerst keine Rolle. Die Scheibe läuft, während ich Kaffee, Bier oder Wasser (in die Blumen) einfülle, manchmal stelle ich dann jede Tätigkeit ein und fußwippe oder fingertrommle vor mich hin, manchmal gehe ich auch duschen und höre mir den Krempel nur von weitem durch den zugehörigen Vorhang an. Und ganz manchmal läuft eine CD 10, 12 Durchgänge hintereinander und alles andere muss warten. "Over The Border" ist so ein seltenes Stück.
Wo sich zuerst Verblüffung ob der augenfälligen Ähnlichkeiten mit den (frühen) OUTLAWS um Hughie Thomasson (zuletzt LYNYRD SKYNYRD) im eröffnenden Titelsong einstellt, versucht man gleich darauf flugs den Refrain mitzusingen, verstummt aber sofort wieder ehrfurchtsvoll angesichts der vollendeten Gesangsarrangements auf der CD. Dazu spielt Kincaid eine traumhafte Gitarre - ganz im Thomasson-Stratocaster-Style. Auch Walking Home beeindruckt mit wunderbaren Vocals, aber beim dritten Song, The Only Love I Can Get, passiert unvorhergesehenes. Beinahe moderne, leicht funkig-verschleppte Sounds erklingen, Kincaid erinnert etwas an einen nicht meckernden Roger Chapman und ... ja, dieses Schlagzeug ist der Hammer. Obengenannte Arbeitsweise aufgegeben und im Booklet nachgeschaut, prompt trommelt hier Simon Kirke, das Kraftwerk von BAD COMPANY und der nicht ganz unerheblichen Vorgängerband FREE. Köstlich.
Nächste Assoziation: JETHRO TULL bzw. Ian Anderson im wunderschönen Epos The Triangle Fire. Wo der allerdings längst im kreativen Ruhestand ist, malen die BRANDOS eine lange Reise von Irland nach New York in sich langsam aufbauende Töne. Ein Klassiker.
Noch traditioneller kommt The New York Volunteer mit seinen Dudelsäcken und dem klassischen Shanty-Gesang. Unterlegt wird das allerdings von einer arglistigen Gitarre und es stört niemals eine alkoholselige Lust am Grölen, wie es beispielsweise die POGUES zu oft praktizieren.
THE BRANDOS werden immer mit CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL in Verbindung gebracht. Natürlich sind Fogerty & Co. nennenswerter Einfluss für nahezu jede Rockband dieser Coleur, bewiesenermaßen auch für Kincaid, auf "Over The Border" ist jedoch allenfalls ein Hauch von CCR zu spüren. Die CD klingt viel zu sehr nach Heute, als dass man ernsthaft einen solchen Retrovergleich anstellen könnte.
Bei aller Freude über die CD sollte man aber nicht unterschlagen, dass einige Songs etwas deplaziert wirken. Erfreulicherweise betrifft dies eigentlich nur die beiden Fremdkompositionen Dino's Song und He's Waiting. Ersteres von Dino Valente (nicht Valenti, wie im Cover angegeben), dem Hippie-Drogenopfer von QUICKSILVER MESSENGER SERVICE, zweites von der längst vergessenen Sixties-Band THE SONICS (der Songwriter hieß Gerry und nicht Jerry Roslie - wir bemerken doch fast jeden Fehler...). Dazu kann man eventuell noch Kincaids Surf-Song She's The One zählen, der irgendwie nicht an die Authentizität eines Dick Dale heranreicht. Aber das ist sicher Geschmackssache. Die restlichen sieben Nummern sind allerbestes Rock-Entertainment und bezeugen die ungebrochene Kreativität der BRANDOS. Ein paar Minuten mehr hätten es allerdings sein können.
Das Jahr ist fast vorbei und nur wenige etablierte Bands konnten mit Neuerscheinungen überzeugen (aber das ist bekanntlich seit Jahren so), THE BRANDOS haben es geschafft. Big shot. Frauen, tut Euren Männern diese Konzerte an:
07.12.2006, Tuttlingen, Rittergarten
09.12.2006, Beverungen, Stadthalle
11.12.2006, Ulm, Roxy
12.12.2006, München, Ampere Muffatwerk
13.12.2006, Stuttgart, Theaterhaus
14.12.2006, Aschaffenburg, Colos-Saal
16.12.2006, Lorsch, Musiktheater Rex
17.12.2006, B-Nidrum, Twilight Café
19.12.2006, Bonn, Harmonie
20.12.2006, NL-Tilburg, 013
21.12.2006, NL-Dinxperloo, Achterhoek Arena
22.12.2006, NL-Helmond, Plato
23.12.2006, NL-Hardenberg, Podium
26.12.2006, Hannover, Bluesgarage
27.12.2006, Berlin, FritzClub im Postbahnhof
28.12.2006, Bremen, Modernes
29.12.2006, Hamburg, Knust
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