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CD-Review:
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Neulich, im Sommer 1984, hatten wir klasse Wetter und maximalen Spaß mit ein paar deutschen Bands, die vorzugsweise mit Dialekt und lustigen Texten astreinen Fetz-Rock machten. Die RODGAU MONOTONES, BAUER, GARN & DYKE und mit Abstrichen auch die SPIDER MURPHY GANG und mit noch ein paar Abstrichen mehr TORFROCK waren volle Lotte und mit der Faust in der Tasche mit dem Rock'n'Roll-Bagger außerhalb des NDW-Sperrbezirks unterwegs. Ups, den Marius hab ich beinah vergessen. Ja ja, der war damals auch ganz gut. Der hatte Pfefferminz und wir das Bier. Mancher Leser wirft mir vor, ich sei der Vielzufrühseinmaulaufreißundvorhernichtnachdenkmann. Das ist selbstverständlich Unfug, ich denke immer nach bei der Niederschrift meiner Gedanken zu einem Tonträger. Weil diesen gedanklichen Durcheinander muss man schließlich in einigermaßen verständliches und lesbares Deutsch bringen. Jetzt hab ich gleich zwei solche Anhörscheiben hier liegen und da ist es naturgemäß doppelt schwer. Leser, wenn Dir RUDOLF ROCK & DIE SCHOCKER schon immer auf den Geist gegangen sind (Geist ist bei unseren Lesern im Überfluss vorhanden, hüstel), wenn Du Musik nicht bierernst nimmst sondern manchmal ernsthaft Wein trinkst, wenn Dir die oben angeführten Musikkapellen seinerzeit gefallen haben und Du sowieso auf Rock & Roll, Rhythm & Blues und Boogie, gern auch ein bisschen Rockabilly stehst: Please listen to THE BOOMBUSTERS! Die erste CD der drei Herrschaften ist schon 4 Jahre alt, heißt "Sapperlot" und transportiert ausschließlich Eigengewächse. Jetzt ist es so, dass der Hesse an sich ein durchaus eigenwilliges Sprachidiom pflegt. Viele lange und kurze sch's, Auslassungen und Ersetzungen eigentlich lebenswichtiger Buchstaben durch willkürlich ins Wort geworfene Einzeltöne, sogar ganze Satzbauumstellungen sind zu beobachten. Auch der Dreißigjährige Krieg hat trotz Durchmarsch vieler ausländischer Truppen (u.a. auch bayrische) keine Verbesserung gebracht, also muss der Hesse bis heute mit diesem angeborenen Lapsus leben. Interessanterweise klingt das in Verbindung mit afro-amerikanischer Folklore jedoch sehr gut, auch wenn natürlich gilt fer'n rischdische Blues sin mer net schwazz genuch (historischer Hintergrund ist wahrscheinlich die Entsendung hessischer Truppen nach Amerika während dem Unabhängigkeitskrieg 1776-1783). Musikalisch gesehen brennt auch nichts an. Man hört die langjährige Routine als Liveband, die Sicherheit im Umgang mit den Vorbildern aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren (wobei letztgenannte sich bekanntlich auch bereits in den Fifties und Sixties bedient haben - die Katze beisst sich also in den Schwanz). Großartige Soli braucht man bei dieser Musik und einem Trio natürlich nicht erwarten, aber wenn's dann mal zur Sache geht, dann sitzt jede Saite am richtigen Platz. Nur ein oder zwei Mal wird es mir ein wenig zu humpta-standard-rock'n'rollig, mein Schreibtisch ist schließlich keine Bierbank, auf die man begeistert immer bei 4 einschlägt. 2002 meinten die Boombusters, dass sie der Welt einen Querschnitt durch ihr Liverepertoire bieten müssen. Wundersamerweise ist In-A-Gadda-Da-Vida in der zwanzigminütigen Longversion nicht vertreten (Scheeerz, meine Damen und Herren). Dafür sattsam bekannte kurze, knackige Cover vom Killer, Eddy Cochran, den KINKS und etlichen anderen. Und eine sehr gelungene Adaption von Come Together (1969 überraschend #1 in den Charts, wohl der einzige Hit dieser unbekannten britischen Beatband), die gegen Ende stark an DR. FEELGOOD erinnert. Mit One After 909 ist zudem noch eine nicht zu Tode genudelte Nummer von Lennon und dem anderen vertreten. Dass die Band live Klassiker covert ist nicht verwunderlich. Dass das auch Spaß macht ist sicher. Aber ob es unbedingt auf CD muss ist Geschmackssache. Man kennt das Zeug an sich ausreichend. Dennoch gilt auch auf "Rock'n'Roll Snapshots", dass die Umsetzung einwandfrei ist, die Originale nicht zerfleddert sondern gehegt und gepflegt werden und die Stimmung konstant hoch bleibt. Zum Glück sind aber wieder drei selbstverfasste Nummern dabei und die reißen alles raus. Obwohl, Baby, Please Don't Go kommt schon sehr geil und archaisch rockend daher. She's Not There von den ZOMBIES ebenfalls, auch wenn Colin Blunstone natürlich der bessere Sänger war. "Rock'n'Roll Snapshots" ist sicher die perfekte Bewerbungsunterlage für Konzertveranstalter und ein todsicherer Tipp für jede Party. Für mich, als introvertierten und zurückgezogen lebenden Asketen, ist "Sapperlot" der knappe Sieger im Rock & Roll-, Rhythm & Blues- und Boogie-, gern auch ein bisschen Rockabilly-Reigen. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.07.2004
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