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Atlantis
Atlantis, Metal Heaven, 2008
Ronni Le Tekrø Guitars
Tony Mills Vocals
Victor Borge Bass
Diesel Dahl Drums
Länge: 48 Min 04 Sek Medium: CD
1. Hello, Hello7. The Taste Of Honey
2. Peter Sellers Blues8. Bottle Of Wine
3. Baby's Got Rhythm9. The Missing Kind
4. Tango Girl10. Love Of My Life
5. Me And Dad11. Had It, Lost It, Found It
6. Atlantis

Viele Möglichkeiten bleiben Ronni Le Tekrø nicht mehr. Eigentlich nur drei. Entweder er schmeißt seinen derzeitigen Sänger Tony Mills raus und bezeichnet "Atlantis" als bedauerlichen Betriebsunfall, der aufgrund eines nicht aufgearbeiteten Traumas aus der Kindheit passierte, oder er benennt TNT um und bekennt sich künftig zu seiner neuen musikalischen Liebe, dem Quark-Pop, und sucht sich eine neue Kundschaft, oder er macht so weiter und wird mit TNT untergehen wie einst Atlantis. In fernen Jahrhunderten werden dann Musikarchäologen Thesen über den Verbleib anstellen und behaupten, dass TNT einmal eine hoch entwickelte Heavy Metal Band waren.
Ob dem Gitarristen allerdings noch jemand einen weiteren Stilwechsel glauben wird? Zu viele hat Le Tekrø mit seinen unzähligen TNT-Inkarnationen schon zugemutet, die grausamsten Anschläge waren bisher die unsägliche Scheibe "Firefly And Live!" von 1999, auf der gar Hip-Hop und alberner Grunge untergemischt waren, und "The New Territory" aus dem letzten Jahr, bei dem das Desaster mit Mills eingeläutet wurde. "Atlantis" schlägt aber sogar das noch.

Beginnen wir beim Sänger. Der Engländer Tony Mills ist sicher ein netter Mensch, singen kann er auch, aber er tut dies auf "Atlantis" sehr ähnlich wie bei seiner früheren Band SHY, die mit ihrem Pop-Glam-Haarspray-Metal in den mittleren Achtzigern für manchen Lacher sorgte. Ein Vierteljahrhundert später nervt derlei Gequietsche nur noch, und am schlimmsten, wenn er sich wie im Opener Hello, Hello auch gleich noch an den Chören vergeht. Klingt wie THE SWEET für ganz, ganz arme. Dazu ein Gitarrensound, der durch weiß der Geier wie viele Kompressoren gejagt wurde und so künstlich wie Tütensuppe klingt. Was in aller Teufel Namen hat sich Le Tekrø dabei nur gedacht?
Die witzige Idee des Peter Sellers Blues, ein nettes Spielchen um Peter Sellers, David Niven und den Rosaroten Panther, geht völlig im unerträglichen Schmierlappenchorus unter, außerdem klingt das Schlagzeug wie matschige Tomaten, wenigstens gibt es ein halbwegs anständiges Gitarrensolo mit leicht bluesigen Tönen. Man hat von "Atlantis" tatsächlich bereits nach zwei Nummern die Nase gestrichen voll. Aber das Grauen steigert sich noch. Für Baby's Got Rhythm wurde offensichtlich ein kaputtes Keyboard mitsamt noch kaputterem Mikro verwendet, und der Rhythmus dieses Babys erinnert eher an ein hyperaktives Gör. Der Hörer leidet sofort am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.
Zu Tango Girl und seinen bemüht angeschrägten Gitarren muss man nichts weiter sagen. Auch hier wieder ein Chorus aus der ZDF-Hitparade und Geschrei aus der Zahnarztpraxis. Und immer noch ist der Höhepunkt nicht erreicht. Acht Minuten Vergangenheitsbewältigung in Me And Dad folgen. Es ist dies eine Ballade, die so steinerweichend schnulzig ist, dass man fassungslos die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Nicht einmal die allerschlimmsten AOR-Weichspüler der frühen Achtziger hätten sich so etwas getraut. Da hilft auch der ansprechende Mittelteil mit einem pathetischen aber recht schönen Solo nichts, spätestens jetzt fliegt die CD aus dem Player und bekommt erst drei Wochen später noch eine Chance.

Es geht leider im gleichen Stil weiter. Das sind keine Songs, das sind zusammengestöpselte Versatzstücke aus den hintersten Schubladen der Mainstream-History. An Taste Of Honey bleibt man kleben, darauf kann man noch nicht mal mehr ausrutschen, die Ähnlichkeiten zu CHEAP TRICK und den BEATLES sind rein zufällig und kollabieren in einem jämmerlichen ELO-Refrain. Mit Betonung auf "light" im Sinne von leicht. Ähnlich denen wird in Bottle Of Wine auch noch geklatscht und "uuuh" gekreischt, man ist auf "Stars on 45"-Niveau angekommen.

Erste Liga waren TNT nie, aber jetzt geht es der Band wie den Stuttgarter Kickers in der 3. Liga. 13 Spiele, kein Sieg, nur ein paar Unentschieden. Hier sind es zwar nur 11 Songs, aber ein Tor ist nicht dabei. Bestenfalls Peter Sellers Blues und Love Of My Life gehen als 0:0 durch, der Rest sind Klatschen für den Fan. Das war's dann wohl endgültig für TNT.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.11.2008

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