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Steve Morse

Major Impacts 2

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Major Impacts 2
Major Impacts 2, Magna Carta Records, 2004
Steve Morse Guitars, Keyboard, various extraneous instruments
Dave LaRue Bass
Van Romaine Drums, Percussion
Produziert von: Steve Morse Länge: 50 Min 36 Sek Medium: CD
1. Wooden Music8. Abracadab
2. Where Are You?9. Tri County Barn Dance
3. Errol Smith10. Air On A 6 String
4. Cool Wind, Green Hills11. Motor City Spirit
5. Organically Grown12. Ghost Of The Bayou
6. 12 Strings On Carnaby St.13. Leonard's Best
7. Zig Zags

Es gibt Platten, bei denen man nach 3 Sekunden weiß, dass man sie mag. Meistens liegt das am Sound, der einem sofort ins Ohr geht. Dann spielt die Musik eigentlich nur noch die zweite Geige, denn das was man hört gefällt einem ja schon rein intuitiv, ganz ohne Stillimitierung.
Natürlich gibt es Grenzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir jemals eine Death Metal- oder Wolle Petry-CD zur Nase steht. Da kann der subjektiv gefühlte Sound so gut sein wie er will.
Um es kurz zu machen, Steve Morse schafft es binnen weniger Sekunden, den Hörer in eine andere Welt zu transportieren. Auch wenn er dies macht, in dem er hemmungslos, und ohne es irgendwie verleugnen zu wollen, 13 Songs schreibt, die bei ganz großen Vorbildern abgekupfert sind. Was sollte er auch verleugnen, schließlich heißt die CD "Major Impacts", also ist es Blödsinn von Abkupferei zu reden. Ein Steve Morse hat so etwas überhaupt nicht nötig und deswegen macht ihn diese CD nur noch sympathischer. Denn eines ist der Gitarrenheld Morse bei aller eigenen Fertigkeit und Genialität geblieben: Fan. Und auf diesem zweiten Teil seiner "Major Impact"-Serie zeigt er wieder, von was und wem er beeinflusst wurde und wer ihm - dem großen Musiker - imponiert.

Taktisch geschickt startet die CD mit einem wundervollen halbakustischem Stück, das er Crosby, Stills Nash & Young gewidmet hat. Wärmer kann Musik kaum rüberkommen. Völlig relaxte Akustische, unaufdringliche Percussion, traumhafte Klänge einfach. Darüber legt Morse eine E-Gitarre, die sofort an Brian May erinnert. Und: Er schreibt das auch noch direkt in seine eigenen Linernotes.
Ich bin ein großer Fan von Brian May und nicht viele Musiker erhalten meine Erlaubnis, ihn zu "kopieren". Steve Morse macht es und kriegt von mir einen Blumenstrauß dafür.

Von wem ist wohl ein Song wie Where Are You inspiriert? Hilft es, wenn ich sage, dass man nur den Bandnamen anstatt dem "Where" im Titel einsetzen muss? Oder Erroll Smith. Ein kleines Wortspiel in diesem Fall und Landsleute mit etwas abwegigen Dialekten sollten sofort darauf kommen (ich denke an Franken, Sachsen, Schwaben, Friesen etc. - ich bin ja Bayer und hab Stunden gebraucht um das Rätsel zu lösen - wir wachsen schließlich mit einem rollenden "th" auf...). Davon abgesehen bezeichnet Steve Joes Solo auf W.T.W. als "extra appeal". Na, dämmert's?

Es ist natürlich nicht alles Gold was morst (ein Wortspiel auch für die o.g. ethnischen Minderheiten). Wenn Steve zu einer Improvisation über EMERSON, LAKE & PALMER ansetzt, treten bei mir sofort nervöse Zuckungen auf. ELP gingen bei mir noch nie und bei diesem Ausrutscher verfängt er sich auch direkt in technischem Gedudel a la Satriani oder Vai. Gleiches gilt für den Einfluss GENESIS.
Dafür lässt er zwischendurch einen wunderbaren keltischen Folksong raus, einen Cajun-Dancefloor-Füller (also einer der den Dancefloor füllt und nicht die CD) oder einen Bluegrass, der auch von den OUTLAWS sein könnte - wenn sie denn noch existieren würden.

Vielleicht sollte sich Billy Gibbons anhören, wie seine Gitarre klingen könnte, wenn er endlich seine Schrottplatzmentalität ablegen würde. Texas-Boogie kann nämlich schön schräg und schön geil gleichzeitig sein. Genau wie Bach, Johann Sebastian seines Zeichens, und schlichtweg der Ur-Rock & Roller.

Man darf nicht verkennen, dass Morse mit voller Studiotechnik arbeitet. Es wird over-gedubt und gesampelt (uhuhuh, man spricht deutsch) was das Zeug hält. Trotzdem schafft es die Band - es ist angesichts der Gesamtleistung wirklich eine Band - eine ungemein organische Einheit zu bilden. Keine Brüche, keine Probleme bei den Stilwechseln des Meisters, knallhart bei Bedarf, völlig zurückhaltend wenn gewünscht. Toller Sound.

Mein persönliches Highlight ist Motor City Spirit. Morse zitiert darin DEEP PURPLE, Ted Nugent und einen meiner absoluten Lieblingsgitarristen, Randy California von SPIRIT. Im Cover erfährt man nebenbei, dass Randy irgendwann bei PURPLE als Aushilfsgitarrist tätig war und es freut mich wirklich, dass Steve Randy als großartigen Musiker wahrnimmt und nicht, wie viele Kritiker, als Hendrix-Epigonen, der er eigentlich nie war.
Und noch einen Tribute haut Morse raus. Leonard's Best nennt er es. Für wen? Sag ich nicht! Es rockt und groovt jedenfalls gewaltig südlich von Eden.

Auch wenn mir, als ollem Hardrocker, manchmal der allerletzte Punch fehlt, Steve Morse hat mit "Major Impacts 2" ein überragendes Tribute-Album hingelegt. Alle, wirklich alle, zweit- und drittklassigen Kapellen können es sich künftig sparen, Songs ihrer Helden zu imitieren. Mr. Morse kann es in jedem Fall besser. Und das auch noch mit Herz.
Weltklasse!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.02.2004

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