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Rat Attack

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Rat Attack
Rat Attack, Mausoleum Records, 2005
Stephen Pearcy Vocals
George Lynch Guitar
Tracii Guns Guitar
Erik Ferentinos Guitar
Mark Zavon Guitar
Matt Thorne Bass
Troy Johnson Bass
Todd Roberson Drums
Länge: 56 Min 38 Sek Medium: CD
1. Round And Round10. Lovin' You's A Dirty Job
2. You Think You're Tough11. Slip Of The Lip
3. U Got It12. Body Talk
4. Sweet Cheater13. I'm Insane
5. Lack Of Communication14. Dr. Rock
6. Lay It Down15. Ratt Madness
7. You're In Love16. Drivin' On E
8. Back For More17. Top Secret
9. Wanted Man

Was soll man zu sowas sagen? In Amerika erschien diese CD ehrlicherweise gleich als "Greatest Hits" Compilation, bei uns versuchen Mausoleum Records dem Teil den Anstrich einer neuen Scheibe zu geben. Sozusagen halb neu ist sie auch, allerdings gefüllt mit alten bis uralten Songs. Herr Pearcy hat schlichterdings seine gefühlten greatest Hits mit aktueller Bandbesetzung plus namhaften Gastgitarristen neu eingespielt.
Wer's grad nicht parat hat, Stephen Pearcy war Sänger der Spandexhosenkapelle RATT und hat vor 20 Jahren eineinhalb Dutzend Millionen Platten mit denen verkauft. Nicht schlecht für ne Hairmetal-Band und eigentlich müsste man meinen, die Kohle reicht für den Rest des Lebens. Aber ganz aufgeben will er anscheinend doch nicht, machte nach dem unrühmlichen Ende von RATT bei diversen "Tribute to" Geschichten mit und hat in diesem Jahr neben seiner Solo-CD "Fueler" also noch diese "Tribute to myself" Angelegenheit eingetrommelt und spricht von "sound for the 21st century".

Natürlich ist dieser Sound fürs 21. Jahrhundert ein alter Hut. Im Grunde klingen die Neueinspielungen von Round And Round, Wanted Man, You're In Love, Lay It Down (welche die tatsächlichen Billboard-Hits der Band waren) und all den anderen Kamellen ganz genau wie damals. Modernisiert hat Pearcy gar nichts. Die Gitarren werden logischerweise nicht mehr von Warren DeMartini und dem 2002 verstorbenen Robbin Crosby bedient, dafür abwechselnd von Tracii Guns (das ist der von den L.A. GUNS), George Lynch (DOKKEN, LYNCH MOB, Lynch/Pilson), Erik Ferentinos und Mark Zavon (beide offensichtlich aus der momentanen Band).
Pearcy selbst zieht sich heute ganz gern mal eine Kopfsocke übers Haar, klingt ansonsten aber wie früher. Mit einem Unterschied: So richtig überzeugt scheint er in manchen Momenten nicht mehr von seinem Tun zu sein. Oder warum erscheinen einem Songs wie Back For More so leidenschaftslos dahergesungen? Dass er nicht der größte aller Shouter ist, weiß man eh seit Ewigkeiten, aber ein wenig mehr Enthusiasmus hätte ich mir gewünscht - wenn er denn schon zurück für mehr ist. Mehr was eigentlich?

Nichtsdestotrotz sind Nummern wie Lovin' You's A Dirty Job, Body Talk, Slip Of The Lip oder U Got It natürlich astreiner 80er-Hardrock, da gibt es kein Vertun, RATT waren schon immer eine der besseren Bands des Poser-Genres und glücklicherweise nie so aufdringlich wie beispielsweise MÖTLEY CRÜE. Na ja, mit dieser "Rat Attack" versucht er halt ein wenig, den verloren gegangenen Glam ins Hier und Jetzt hinüberzuretten. Da darf natürlich auch das Model (bzw. ihr Knackepo) auf dem Innencover nicht fehlen.
Der wichtigste Punkt dieser CD sind allerdings die vier Nummern der RATT Vorgängertruppe MICKEY RATT. Von denen gab es wohl nur eine EP im Jahr 1980 und die ist hier, ebenfalls neu eingespielt, vertreten. Dr. Rock, Ratt Madness und Drivin' On E sind ganz vorzügliche Partykracher, nur Top Secret scheint mir etwas zeitgeistig verhunzt zu sein. Pearcy hat für diese Songs sogar den ehemaligen Bassisten und Juan Croucier Vorgänger Matt Thorne wieder aktiviert.

"Rat Attack" braucht der RATT-Alleshaber nicht zwangsläufig zu besitzen, kann er aber. Eine Welle wird Pearcy damit nicht auslösen, braves Handwerk wird allerdings allemal geboten und nervig ist diese Retro-CD überhaupt nicht. Da gibt es deutlich üblere Kandidaten.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.11.2005

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