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Trouble's Coming Live

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Trouble's Coming Live
Trouble's Coming Live, MTM Music, 2006
Jay Johnson Vocals, Guitars
Jimmy Farrar Vocals
Dave Hlubek Guitars, Vocals
Charles Hart Bass, Vocals
Jakson "Thunderfoot" Spires Drums, Vocals
Gäste:
Mike Estes
Charlie Hargrett
Duane Roland
Greg T. Walker
Pete Geddes
Ace Allen
Mark Ray
Länge: ca. 140 Min Medium: DVD
1. Tough Situation12. Train Of Sorrow
2. Morning Dew13. Wishing Well
3. Railroad Man14. Train Train
4. Ghost Of You15. Whiskey Man
5. Run & Hide16. Bounty Hunter
6. Stump Jumpin'17. Fox Chase
7. Mississippi Queen18. Rock & Roll All Nite
8. Beatin' The Odds19. Highway Song
9. Flirtin' With DisasterExtras:
10. MotherInterviews
11. Trouble's Comin'

Ist denn diese DVD notwendig? Die Frage ist zumindest aus ästhetischer Sicht ganz schnell beantwortet. Dicke alte Männer in bedenklichen Klamotten. Uuuuh. Ums wie ein echter Southerner zu sagen: Jesus Christ, what happened to my Southern Rock & Roll?
Dem Gitarrengott sei Dank, wir sind keine echten Südstaatenmenschen und beherrschen die Kunst des... Wegschauens. Hell yeah!
Wegschauen ist bei "Trouble's Coming Live" aus mehreren Gründen zwischendurch angebracht. Nicht nur, dass Dave Hlubek - immerhin eine DER Ikonen des Southern Rock der zweiten Generation (und für mich nach wie vor ein Gitarrenheld wie höchstens 2 andere, nämlich Bruce Brookshire und Billy Moss) - hundserbärmlich aussieht, mit seinen gut 180 Kilo und dem monströsen Doppelkinn, nicht nur, dass Jimmy Farrar - der beste (nicht charismatischste!) Sänger der besten Southern-Boogie-Band aller Zeiten - in seinen zeltartigen Opa-Hosen zur Bewegungslosigkeit verdammt ist, nicht nur, dass man beim Anblick von Jakson "Thunderfoot" Spires heulen muss - weil der arme Hund am 16. März 2005 in den Rock & Roll Heaven entschwand (hoffentlich ist es nicht auch dort die Hölle). Nein, diese DVD muss sich dem verwöhnten Auge auch wegen der vielen technischen Fehler, der Wackelbilder, der sagenhaft misslungenen Schnitte, der mangels gutem Bildmaterial nötigen Überblendungen und der amateurhaften Gimmicks wie ein fieser Fremdkörper einbrennen. Dazu kommt ein Grusel-Chor aus fettleibigen Jung-Hlubeks beim Highway Song - Muscle Schools Highschool Choir... hahaha.

Warum diese DVD notwendig ist, werden die echten Southern Rock & Roll Fans jetzt lernen.
Die SOUTHERN ROCK ALLSTARS sind die einzige der vielen ähnlich gestrickten Kollaborationen alter und vergessener Ex-Stars, die wenigstens manchmal und ansatzweise Neues zustande bringen. Man mag ihre wenigen Platten mögen oder nicht, man kann ihre Versuche die Zeit zurückzudrehen als lächerlich und peinlich abtun oder nicht, man kann das hemmungslose Ausschlachten versunkener Großtaten verachten oder nicht. Man muss Jay Johnson und den anderen dankbar sein, auf diese Weise wieder einen Hauch von damals, von Dixie und von Southern Rock vermittelt zu bekommen. Das gilt auch, wenn Scharen junger Bands heute besser und optisch verträglicher sind. Man sieht einige der ganz wichtigen Musiker wieder, man hört noch mal einige der ganz wichtigen Songs. Es ist das, womit wir vor vielen Jahren aufgewachsen sind, womit wir glücklich waren und womit wir für immer ruhiggestellt werden können. Wir sind nur noch wenige und die anderen werden es nicht verstehen - es ist egal, wir verstehen die anderen schließlich auch nicht.
Natürlich ist es eine Pein, Hlubek und Farrar so sehen zu müssen und natürlich wünscht man sich das Original anstatt dieses Bandsurrogatextraktes. Aber wenn man die Augen schließt, einfach nur träumt, anstatt aufmerksam und analytisch zuzuhören, passieren magische Dinge. Glaubt es einfach.

Dave Hlubek ist inzwischen bei den SRA raus, sein Name erscheint nicht mal mehr in der History der Band auf der Webseite. Unehrenhaft entlassen. Das entsprechende Schlammschlachtinterview bei Gritz kann man abwarten. So viel zum Thema Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Verlässlichkeit desolater Rocker. Aber er spielt auf "Trouble's Coming Live" einige Gitarrenlinien und Soli, die so brennend heiß sind, dass man aufhört zu nörgeln und einfach ausrastet. Jimmy Farrar steuert ein paar Songs bei und man geht auf die Knie, selbst wenn er sich an Medlocke versucht oder die Missisippi Queen versenkt. Danny Joe Brown konnte bei dieser Nummer das Publikum mit einer Handbewegung in den Irrsinn fegen, Farrar vermasselt einen Einsatz, flirtet mit dem Desaster, shoutet aber wie Jimmy Farrar... den man von früher kennt - Beatin' the odds! "Thunderfoot" trommelt zu seinen eigenen Klassikern wie ein Berserker und es gibt kein Halten mehr. Selbst der ungeliebte Jay Johnson überzeugt am Mikro und der Gitarre wie nie vorher auf einer Studioplatte. Scheiß auf die miserable Bildqualität und den teilweise Bootleg-unwürdigen Sound. Das hier ist das Echte, Wahre, Herzzerreißende. Diese Männer müssen überhaupt nicht in diesen miesen kleinen Clubs spielen, sie könnten jedes Footballstadion füllen und immer noch Trillionen Platten verkaufen. Sie wollen nur nicht. Sie sind nicht fett und abgefuckt, keine drittklassige Coverband (ihrerselbst und anderer), nicht kaputt und tot schon gar nicht. Niemals!

Man sieht Shorty Medlocke auf einem Bild, beim Intro zu Railroad Man, und freut sich. Man sieht irgendwann Duane Roland und freut sich genauso. Greg T. Walker sitzt beim Interview und sieht göttlich aus und man freut sich wieder. Es ist traurig, schaurig, desillusionierend, wunderschön.
Wir gedenken BLACKFOOT, MOLLY HATCHET, LYNYRD SKYNYRD und all den anderen, die der liebe Gott niemals beschützt hat, weil es ihn nicht gibt. Die Allergrößten wart Ihr und bleibt Ihr allemal!

. Format: DVD 9; 4:3 Vollbild
. Sprachen: Englisch
. Sound: PCM Stereo
. Codefree
. Extras: Interviews

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.07.2006

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