HoR Logo kl CD-Review: Logo Slade

Sladest

Logo Home-of-Rock

Link Homepage:
Offizielle Slade Homepage
Link MySpace:
Slade @ MySpace.com
Link Plattenfirma:
Salvo / Union Square Music Ltd.
Link Kaufen:
www.amazon.de
Mehr Info:
All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Sladest
Sladest, Salvo / Union Square Music Ltd., 2011
Noddy Holder Vocals, Rhythm Guitar
Dave Hill Lead Guitar
Jim Lea Bass, Violin
Don Powell Drums
Produziert von: Chas Chandler Länge: 57 Min 49 Sek Medium: CD
1. Cum On Feel The Noize (13)10. Wild Winds Are Blowin' (1)
2. Look Wot You Dun (7)11. Know Who You Are (2)
3. Gudbuy T' Jane (10)12. Get Down And Get With It (Get Down With It) (5)
4. One Way Hotel (4)13. Look At Last Nite (11)
5. Skweeze Me, Pleeze Me (14)14. Mama Weer All Crazee Now (9)
6. Pouk Hill (3)15. Hear Me Calling (studio version, previously unreleased)
7. The Shape Of Things To Come16. My Friend Stan (previously unreleased)
8. Take Me Bak 'Ome (8)17. My Town (previously unreleased)
9. Coz I Luv You (6)18. Kill 'Em At The Hot Club Tonite (previously unreleased)

Tja, diese remasterte Wiederveöffentlichung einer SLADE Best Of Sammlung, aus heutiger Sicht betrachtet, nimmt einen Wunder so wie ein Schrottplatz einen Wunder nimmt - das waren mal Autos? Oder aber wie eine Oldtimer Museum - wie, so toll sah damals ein (insert name) aus? So hörten sich damals Hits an? Ach schau mal, solche Musik machte SLADE auch?

1973 waren schon zehn Monate seit SLADES letzter Platte - "Slayed" - verstrichen - eine Ewigkeit im Pop Biz der Tage. Zeit für ein Lebenszeichen - aber wie, bei dem heavy touring ? Also - eine Best Of war angesagt, und da viele der Songs damals nur als Single erschienen und bald dem Knister-Knaster der Vinylabnutzung auf dem Telefunken Spitznadel Plattenfräser anheim fielen, machte so etwa sogar Sinn. Heute gibt es Gott sei Dank die CD, und das Remastern, und das Aufpeppen von alten Platten, und so liegt uns eine remasterte CD mit vier zusätzlichen Titeln vor.

SLADE sah ich zum ersten Mal im Fernsehen in Ilja Richters oft unsagbar peinlicher DISCO. Es gab diese Sendung, und es gab den Beatclub. DISCO war Pop, schneller Verbrauch, eigentlich Schrott - da traten Schlagerfuzzis auf. Beatclub war the real thing, da traten gute Musiker auf, anspruchsvolle Bands, Neuerer.
SLADE trat in DISCO auf. SLADE war die Band mit den falsche geschriebenen Tracknamen, laut, proll, und nach 30 Sekunden war klar - das war der ganze Song, ab jetzt wird er Dir gnadenlos für knapp drei Minuten in die Birne gehämmert. Coz I Luv You war es denn dann auch damals, da standen Jungs in Plateausohlenschuhen, der Sänger hatte so einen komischen hohen, verspiegelten Hut auf, und überhaupt - laut, proll, Pop. Wegwerf.

Und so war und ist dann bis heute meine Einstellung zu SLADE. Manche Jungs, etwa NAZARETH, konnten sich ja im Laufe der Zeit aus der urspürnglich eher abwertenden Beurteilung zu "Rockklassikern" hocharbeiten, andere, wie SMOKIE und eben SLADE IMHO nicht. Und ehrlich gesagt, die Tracks nach Coz … auf der Track List waren auch und vor allem aus heutiger Sicht stellenweise alle ziemlicher Schrott. Noddie gröhlte - Markenzeichen - ins Mikro, der Sound war total übersteuert und verzerrt, Feinheiten des Songwritings Null.
Der Witz ist - es gab Ausnahmen; etwa das über einem Pianoriff angelegte Look Wot You Dun mit BEATLES Anmutung und typische englischen Phrasierungen der Zeit damals Gudbuy T'Jane, das sich nicht nur auf Laut'n'Roll'n'Stampf verließ, desgleichen das majestätisch melodisch dahinrollende Look At Last Night. Die sind wirklich besser, obgleich in ihrer Wirkung aufs Publikum nicht minder gering - Jane kam auf Platz zwei in der UK Hitparade.

Völlig überflüssig das erstmals veröffentlichte TYA Remake Hear Me Calling - das haut aber so was von gar nicht hin und zeigt SLADE's Grenzen auf. Spannend die früheren Songs bis zur Geburt der Hitmaschine Holder/Lea (die Nummer hinter den Songs bezieht sich auf die chronologische Folge der Songs). Pouk Hill ist eine kleine, traurige Ballade, wunderbar verschachtelt und wirklich gut geschrieben. Die letzten drei Songs sind ebenfalls kleine Popperlen. Kill 'Em At The Hot Club Tonite zeigt Noddie's Wortwitz und geht sogar in Musical/Swing Richtung.

Und so ist das Paradoxon hier, dass die Band bessere Songs schreiben konnte, aber mit dem Partypop erst richtig bekannt wurde. Letztlich ist das natürlich des feingeistigen Kritikers Gejammer - mehrere Top Ten Hits hintereinander; Songs, die nach zweimaligem Hören im Kopf sind, partytaugliche Alltime Greats - schreib das erst mal.
Und das darzustellen ist der Verdienst dieser Zusammenstellung, die übrigens sehr schön aufgemacht ist, mit einem sehr informativen Booklet und einem Gatefold Cover mit schönfärberischen Fotos der Band Boys (die sich darüber übrigens sehr amüsierten) daherkommt. Ob man überhaupt eine SLADE CD in seiner Sammlung braucht? Naja, deshalb heißt es doch so, oder? Heavy Rotation ist sicher beim Nicht-Ur-SLADE-Fan nicht angesagt; der allerdings bekommt eine alle Fähigkeiten seiner Lieblingsband darstellende, auch auf die leiseren Facetten eingehende Zusammenstellung - nur an dem ursprünglich protzigen Mix der Hits, der ja auch auf den lausigen Plattenspielern der damaligen Zeit funktionieren musste und das auch tat - an dem kann man auch mittels Remaster nichts ändern.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 25.09.2011


 
© Home of Rock 2001 & ff., Impressum & Kontakt