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R30

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Sanctuary Records
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R 30
R30, Sanctuary Records, 2005
Geddy Lee Vocals, Bass, Keyboards
Alex Lifeson Guitar, Vocals
Neal Peart Drums
Produziert von: Rush Länge: 250 Min 19 Sek Medium: DVD
1. R30 Overture 11. Dreamline
2. The Spirit Of The Radio12. Betwenn The Wheels
3. Force Ten13. Mystic Rhytms
4. Animate14. Der Trommler-Neal Peart Solo
5. Subdivisions15. Resist
6. Earthshine16. Heart Full Of Soul
7. Red Barchetta17. 2112 , Xanadu And Working Man Special
8. Roll The Bones18. Summertime Blues
9. The Seeker19. Crossroads
10. Tom Sawyer20. Limelight

Mein Gott, fühle ich mich alt. RUSH, die vertrackten ProgRocker aus Kanada gibt es jetzt auch schon seit über 30 Jahren. Das virtuose Trio meldete sich Ende 1973 mit seinem ersten Album (noch ohne Neal Peart) auf der internationalen Rockbühne. Die schwarze Scheibe lag alsbald auf meinem betagten Lenco Plattenspieler. Von da an ging es eigentlich Schlag auf Schlag bzw. LP auf LP.
Bei 11 habe ich mal aufgehört, meine eigene Ansammlung von RUSH Konserven zu zählen. Die zahlreichen alten Uher Variocord-Tonbandaufnahmen von obskuren Livemitschnitten haben leider inzwischen das Zeitliche gesegnet.

Jetzt erscheint mit der Doppel-DVD "R 30 - 30th Anniversary World Tour" ihre filmische Biografie.
DVD 1 zeigt die Band on Stage in Frankfurt im Jahre 2004. DVD 2 ist vollgepackt mit schnuckeligen Extras. Dazu gehören Interviews, diverse ältere Liveauftritte, Soundchecks und diverse Easter Eggs (versteckte Extras, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind).
Außerdem gibt es noch ein für DVD-Verhältnisse umfangreiches Booklet.

Das komplette Frankfurter Konzert aus dem Jahre 2004 ist auf der 1. DVD verewigt. Für eine Live-DVD ungewohnt aufwendig ist der Vorspann, der viele Coverinhalte der vergangenen Jahre in Form eines aufwendigen Trickfilms Revue passieren lässt.
Herrlich witzig ist die Band-Ansage durch die "King of Queens"-Ikone Jerry Stiller (Ben Stiller's Vater), der seine Scherze auf der Großbildwand treibt und sich als Hardcore-RUSH-Fan outet. Ein wirklich spaßiger Einsteig.
Was dann kommt, ist eine mehrstündige perfekte Rockorgie mit den typischen RUSH-Breaks. Immer wenn man meint es geht geradeaus, setzt die Band zu einem musikalischen Schlenker an. Neal Peart nutzt auf seinem riesigen Schlagzeug scheinbar jeden Zentimeter. Je älter er wird umso mehr erinnert er mich an Tom Hanks.
Gitarrist Alex Lifesons Outfit ist inzwischen an Seriösität nicht mehr zu überbieten. Er würde sich auch gut als Kundenberater bei meiner Hausbank machen. Sympathisch, ruhig, aber den Teufel im Plek. Lediglich Geddy Lee, und da sind wird auch schon beim letzten Bandmitglied angelangt, lässt immer noch den langmähnigen Rocker heraushängen. Ein Mann, zwei Welten. Mit seinem Bass spielt er die tiefsten Tonlagen , während seine unvergleichliche Micky Mouse Stimme locker ganze Glassammlungen zum Bersten bringen würde. Erstaunlicherweise hat seine Stimme über all die Jahre nichts von ihrer Hochglanzfaszination verloren. Nun gut, er verfehlt wie seit Urbeginn manchmal den einen oder anderen Ton, aber RUSH wären ohne Geddys Quäke-Organ nicht mehr RUSH.

Das Konzert beginnt mit einer Ouvertüre. Fast übergangslos werden hier einige ihrer größten Erfolge im Schnelldurchlauf durchgefrickelt. Beginnend mit dem jetzt schon historischen Finding My Way über die geniale Passage To Bangkok endet das Intro mit einer Collage aus dem 78er Meilenstein "Hemispheres". Die Keyboards und Effekte spielt Geddy wie immer mit Pedals.
Allein die ersten Takte zeigen ehrfurchtsvoll, wie unglaublich druckvoll eine dreiköpfige Kapelle die Halle bzw. das heimische Wohnzimmer zum Beben bringen kann. Das soll sich auch während der restlichen 2 Stunden nicht ändern. RUSH spielen einmal querbeet durch ihre langjährige Bandgeschichte.
Da dürfen natürlich auch meine Lieblingssongs wie Spirit of the Radio, Subdivisions, Mystic Rhythms oder Tom Sawyer nicht fehlen. Und auch bei Coversionen wie z.B. Crossroads zeigt sich die Band musikalisch von ihrer besten Seite.
Dass man ein Konzert außerdem auch sinnvoll für Hausarbeiten nutzen kann, ist auf der Bühne nicht zu übersehen. Zwei große Waschmaschinen reinigen die Wäsche der Crew. Weichspülen natürlich inklusive bei nahezu 130 Minuten Dauer des Waschprogramms.

So edel wie die Aufmachung von "R30" ist, so ist auch ihr Klang. Sowohl im PCM Stereo wie in Dolby Digital 5.1 ist der Sound vom Allerfeinsten. Während beim 5.1 Klang die frappierende Räumlichkeit begeistert, läßt der PCM Ton hinsichtlich Sauberkeit und Bassfundament keine Wünsche offen.
Das Bild der Konzert-DVD 1 ist ebenfalls überdurchschnittlich gut. Farben und Hintergründe kommen im anamorphen 16:9 Format bestens zur Geltung. Selbst über den, technisch bedingt, schwachen FBAS Ausgang wirkt das Bild strahlend und kontrastreich. Doch erst wer auf RGB oder Komponentenausgang schaltet, kann sein wahres Bildwunder erleben.


Wer das knapp 130-minütige Livespektakel überstanden hat, den erwarten noch über 2 Stunden Extras auf der DVD 2.
Neben gut einem Dutzend Studio- und Livevideos gibt es auch zahlreiche Interviews mit den Musikern zwischen 1979 und 2002. Wer RUSH bis dato nicht kannte, wird nach dem Sichten der zahlreichen Specials zu einem echten RUSH-Kenner.

Von den Überraschungseiern habe ich dato nur eines entdeckt. Es versteckt sich im Titelmenü unten rechts im verschwommenen Bild. Beim anwählen mit der Fernbedienung oder der Maus öffnet sich unter den Interviews noch die Zeile: "RUSH HITS ST. JOHNS". Eine Dokumentation über demonstrierende Rush-Fans. Leute, sucht die noch versteckten Eier und teilt sie uns mit.

Fazit: Nicht kleckern sondern klotzen. Das ist die Devise der drei Kanadier. Das DVD-Doppelpack ist prall gefüllt mit geiler Musik und haufenweise leckeren Extras. Das alles wird, bis auf einige historische Videoclips und Interviews, in perfekter Ton- und Bildqualität präsentiert.

Ton: Dolby Digital 5.1 & PCM Stereo
Bild - DVD 1: 16:9 anamorph
DVD 2: 4:3
Codefree - abspielbar auf allen DVD-Playern

Joachim Domrath (Impressum, Artikelliste), 04.12.2005

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