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Rob Orlemans & Half Past Midnight

Live In Chicago

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Live In Chicago
Live In Chicago, Savage Music, 2002
Rob Orlemans Guitar, Vocals
Piet Tromp Bass
Yuri Yeryomin Drums
Gäste:
Jake Dawson Guitar, Vocals (Got My Mojo Working, How Blue Can You Get & Hoochie Coochie Man)
Tommy McCracken Vocals (How Blue Can You Get & Hoochie Coochie Man)
John Kattke "Brother John" Hammond B3 (Mean Green)
Michael Beck Vocals (The Harley Song), Backing Vocals (Got My Mojo Working & Hoochie Coochie Man)
Produziert von: Rob Orlemans & Michael Beck Länge: 68 Min 24 Sek Medium: CD
1. Going Down7. The Devil Told Me
2. Love Me8. Strange Things
3. Give That Thang To Me9. Buzzin' King Bee
4. Indian Machine10. The Harley Song
5. Got My Mojo Working11. Mean Green
6. How Blue Can You Get12. Hoochie Coochie Man

Im Booklet steht "More than 68 minutes of pure Blues-Rock, Blues or whatever...". Gut, dann schaun wir mal, was das whatever ist.

Rob Orlemans ist Holländer und Linkshänder und Chef des HALF PAST MIDNIGHT Trios. Das eine ist nicht zwingend Folge des anderen! Auch Nicht-Holländer können Linkshänder sein. Aber Linkshänder und Trio macht schon etwas mehr Sinn. Da gab es bekanntlich mal einen bekannten Gitarristen aus Seattle. Mijnheer Orlemans ist von diesem Johnny Allen H. nicht ganz unbeeinflusst (nicht umsonst war das Trio lange Zeit Begleitung von Curtis Knight - von dem dann auch Strange Things gespielt wird). Aber wenn man die CD durch hat, dann hat man noch viel mehr gehört. Zum Beispiel einen russischen Drummer namens Yuri Yeryomin.
Es wäre albern, die Musik dieses Trios als sensationell neuen Rock zu verkaufen. Ist es nicht. We talk about Blues & Rock. Nicht mehr und nicht weniger. Wer also auf Namen wie Thorogood, Vaughan, Katon, Gibbons, Hill, Beard, Dixon oder Gallagher kann, der ist mit "Live In Chicago" bestens bedient. Die übrigen Leser... na ja, es gibt auch noch andere gute Musik. Wahrscheinlich.

Der Holländer hat also seine Platte tatsächlich in Chicago aufgenommen. Da kommt nicht jeder hin, das heißt schon mal was. Das Coverbild mit der qualmenden Gitarre ist übrigens bezeichnend. Rob legt nämlich wirklich los, dass man jeden Moment die Feuerwehr erwarten muss.
Eine brachiale Version von Going Down eröffnet den Set. Die alte Don Nix Nummer ist inzwischen vermutlich schon millionenfach gecovert worden, aber diesmal macht das richtig Spaß. Nix muss gut von all den Tantiemen leben können.
Im Anschluss schnell einen lockeren Boogie nachgeschoben und schon ist die Stimmung perfekt. So funktioniert diese Musik überall auf der Welt. Man braucht ein paar Leute, einen Club, Bier und eine knallige Band, die das spielt, was man hören will.
Mit Indian Machine hat Rob einen mächtigen Brecher am Start. Hat man natürlich so ähnlich auch schon mal gehört (3 Texaner mit Bärten vielleicht?), aber die Nummer sägt toll dahin. Und Rob ist wirklich ein feiner Gitarrero.
Ein paar Nummern später reißt es mich beinahe vom Stuhl. Wer zum Teufel singt den Kracher The Harley Song? War LIZARDs Georg Bayer in Chicago? Ein gewisser Michael Beck (kriegt auch als "executive producer" seine Credits) hat aber haargenau die gleiche Röhre. Verblüffend.

Rob Orlemans baut einige Gäste in den Set ein. Jake Dawson, eine lokale Blues-Größe aus Chicago, dürfte der bekannteste sein. Mit denen wird anständig dahingebluest. Keine Unfassbarkeiten selbstverständlich, aber genau das Futter, aus dem tolle Rock & Roll-Abende gemacht sind. Wenn's sein muss, dann holt Rob eben auch mal den Stevie Ray aus sich heraus und shuffelt Nummern wie The Devil Told Me.
Mir persönlich liegt bekanntlich die Rock'n'Boogie-Abteilung am nächsten. Und von der Sorte haben HALF PAST MIDNIGHT einige Exemplare zur Auswahl. Knackige Rocker wie Buzzin' King Bee, die oben genannten Indian Machine und The Harley Song, Love Me und so weiter. Aber auch die Bluesfraktion wird ausgiebig - und vor allem handwerklich perfekt - bedient.
Enden MUSS so ein Auftritt selbstredend mit einem Klassiker wie zum Beispiel Hoochie Coochie Man. Diesen alten Sack lassen Rob & Kumpels dann so richtig durch die Boxen rauschen. Willie Dixon ist jetzt 11 Jahre tot, aber seine Songs werden bis zum Untergang der Welt für beste Stimmung sorgen.

Klasse Platte, von einer Band die nichts Neues macht, das Alte aber dafür überzeugend.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.02.2003

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