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Here I Stand

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Here I Stand
Here I Stand, Pläne Records, 1999
Ian Telfer Fiddle, Concertina, Rainstick, Glass Harmonica
Chopper Bass, Cello, Kantele, Harmonica, Organ, Acoustic Guitar, Percussions, Glass Harmonica
John Jones Vocals, Melodeon
Lee Drums, Percussions, Piano
Alan Prosser Guitars, Banjo, Mandolin, Fiddle, Percussions
Produziert von: Oysterband Länge: 58 Min 50 Sek Medium: CD
1. On the edge9. Someone you might have been
2. This is the voice10. Kantele
3. In your eye11. She moved on
4. Street of dreams12. And as for you
5. Ways of holding on13. Cello drop
6. A time of her own14. Jump through the fire
7. After rain15. This fire
8. I know it's mine16. A last glass

Ich bekenne mich schuldig! Ich habe diese CD beim ersten Hördurchgang völlig verkannt und zu Unrecht fast ein halbes Jahr lang mit Missachtung gestraft. Aber wie heißt es so schön: 'Man trifft sich zwei Mal im Leben', und dieses Mal kommt "Here I Stand" deutlich besser weg.

Wer den Stilwechsel, den die OYSTERBAND mit dem Vorgängeralbum "Deep Dark Ocean" vollzog, nicht mittragen konnte, der wird auch mit der aktuellen Scheibe nicht sonderlich glücklich werden. Die Zeiten von "The Shouting End Of Life", "Holy Bandits" und "Deserters" mit den bier- und rauchgetränkten, partytauglichen zum mitgrölen animierenden Uptempofolksongs ist wohl unwiderbringlich Vergangenheit.
Stattdessen dominieren nun überwiegend ruhige melancholische Klänge, die der Band ebenfalls gut zu Gesicht stehen, wie "Deep Dark Ocean" bereits eindrucksvoll bewiesen hatte.
"Here I Stand" ist jedoch wesentlich sperriger als sein Vorgänger ausgefallen und vermittelt an vielen Stellen den Eindruck, dass die Band über die krasse Richtungsänderung des letzten Albums selbst erschrocken war und nun wieder einen Schritt zurückweicht. So hat man den Balladenanteil etwas zurückgeschraubt und durch Midtemponummern ersetzt, wie man sie in Form von Cry cry, Moving on oder The Hangman's Cry schon früheren Alben her kennt. Eine weise Entscheidung, denn gerade diese Stücke überzeugen und lassen es etwas verschmerzen, dass die Band in ihren immer noch häufigen ruhigeren Momenten nie die Klasse von "Deep Dark Ocean" erreicht.

Stark, der flotte Opener On the edge, der mich etwas an den Kultklassiker Safety dance von MEN WITHOUT HATS erinnert. Überzeugend auch In your eyes, dem der Brückenschlag zwischen mystischer Atmosphäre und treibenden Rockrythmen gelingt. After rain dürfte allen Fans von RUNRIGs "The Big Wheel" Freudentränen in die Augen treiben. And as for you ist einer der Rocksongs, der sich mit jedem Hördurchgang intensiver in der Hörgängen festsetzt und irgendwann nicht mehr daraus verschwindet.
Dass Country und Bluegrass nichts anderes als die amerikanischen Nachkommen des Celtic Folk sind, wird mit This town nachdrücklich unter Beweis gestellt. Und dann ist da ja noch Jump through the fire, der härteste, cello- und gitarrenlastigste Song, der je auf einem Album der Engländer veröffentlicht wurde, voller Dynamik und düsterer Atmosphäre, der schmerzlich klar macht, was den LEVELLERS seit "Sell Out" abgeht.

"Here I Stand" ist kein musikalisches Fastfood, sondern ein Album für Folkrock-Feinschmecker, für das man sich viel Zeit nehmen muss. Auch Neueinsteigern, die die OYSTERBAND erst noch für sich entdecken wollen, empfehle ich dringenst erst einmal "Trawler" oder "The Shouting End Of Life". Beim Malt steigt man ja auch mit dem Glenfiddich ein und nicht mit dem Laphroigh.

Martin Schneider, (Impressum, Artikelliste), 01.02.2001

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