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| The Betrayal Of The Self, Fading Ways Music/Feedback Boogie Records, 2006 |
| Neil Leyton |
Vocals, Guitar |
| The Ghosts: |
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| Micke Ghost |
Guitars, Vocals |
| Laurent Gaston |
Rhythm Guitar |
| Jan-Eric Olson |
Bass |
| Ola Eklof |
Hammond Organ |
| Tommie Riot |
Drums & Percussion |
| Gäste: |
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| Maria Petterson |
Back-Up Vocals, Harmonica |
| Johan Johanson |
12-String & Baritone Guitars |
| The Duke Of Honk |
Keyboards |
| Nicke Andersson & Dregen |
Guitar Solo (Hyperventilating) |
| Sulo |
Vocals (Done This One Before) |
| Produziert von: Neil Leyton |
Länge: 42 Min 33 Sek |
Medium: CD |
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| Side A: | Side B: |
| 1. The System Is The System Is The Problem | 8. Hyperventilating |
| 2. When A Ghost Flies Young | 9. I Just Can't Take Another Smile |
| 3. Slowdance 1974 | 10. Done This One Before |
| 4. Automatically | 11. Pleasures For Ophelia |
| 5. Flying Machine Blues | 12. Adopt-A-Terrorist |
| 6. Drop Dead Gorgeous | 13. Darkness Falls |
| 7. Alone / Together | |
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Vorwort:
Als diese Besprechung fertig war, las ich "zufällig" im Home of Rock diese Worte meines Kollegen Epi aus dem Jahr 2003. Wir haben aber auch ein unfassbar großes Archiv. Es war zu spät, ihm die aktuelle CD noch zu schicken, dem Leser sei hiermit freigestellt, ob er das nachfolgende, oder lieber den alten Text über Neil Leyton lesen will. Es kommt im Ergebnis aufs gleiche heraus. Lest einfach beides, dann ist der Einkaufszettel komplett.

Brit-Pop mit Schrammelgitarren und Garagen-Appeal wird seit einigen vielen Jahren bekanntlich wieder gerne genommen. Man sollte aber endlich mal den Begriff "Brit-Pop" klären, denn was für die einen OASIS sind, stellt für die anderen puren Betrug dar, weil sie z.B. PRIMAL SCREAM verehren. Oder eine der ca. 166 pro Jahr vom New Musical Express durchs Königreich gehypten neuen Supersensationen. Fatal nur, dass man bei denen immer den Namen ihrer einzigen Single mit dem Bandnamen verwechselt und sofort wieder vergisst. Andererseits ist es auch egal, die sind allesamt so schnell verschwunden wie sie aufgetaucht sind.
Die Dummheit dabei ist, dass all die Plattenfirmen-, Promo- und Schreiberlingsmenschen vergessen, dass der Ursprung allen guten Übels drei und vier Jahrzehnte zurückliegt - und damals hatten manche Bands noch echte Hits, echte Songs und echte Attitüde. Das sei hiermit den meisten britischen Neuzeitkapellen, inklusive OASIS, per se abgesprochen.
These: Ernstzunehmender Rock mit Pop-Faktor wurde im UK ausschließlich bis 1979 gemacht. "London Calling" von THE CLASH und "Low Budget" von den KINKS waren die unbeabsichtigten Endpunkte einer langen Reihe großartiger Songs und Bands. Danach kam aus England nur noch Plastikschrott oder/und Plagiat. Die paar löblichen Ausnahmen mögen verzeihen, die aufgebrachten Fans irgendwelcher Möchtegern-Sternchen dürfen schimpfen; Robbie Williams ist außer Konkurrenz.
Doch dann kommt ein portugiesischer Kanadier mit prominenter Skandinavien-Connection (s.u.) und stellt die Popwelt auf den Kopf. Selbstverständlich nicht in kommerzieller Hinsicht, aber wenigstens musikalisch. Und selbstverständlich nicht von heute auf morgen, dieser Typ hat schon 6 Soloplatten, diverse EPs und ein paar frühere Bands auf dem Buckel. Außerdem ist er verschroben genug, eine vollkommen unentzifferbare Homepage zu betreiben, um den interessierten Kunden vollends in den Wahnsinn treiben kann. Unnötig zu sagen, dass er die CD in A- und B-Seite aufteilt.
Nach den ersten Hördurchgängen fragt man sich, ob Neil Leyton alle Latten am Zaun hat. Einen derartigen Parforceritt durch den Gitarren-Pop-Schrebergarten hat man selten gehört. So viel Diebstahl selten erlebt. So viel Frische lang vermisst. Gibt es gute Musik tatsächlich nur noch im Indie-Bereich?
Leyton ist von jeglichem musikalischen Pioniergeist freizusprechen, hat aber seine Nische nicht nur er- und gefunden, sondern so gut ausgefüllt, dass der Erwerb weiterer Best Of Alben diverser lange ergrauter Stil-Ikonen künftig verzichtbar ist. Auf dieser neuen CD "The Betrayal Of The Self" hat er nicht nur großartige Songs, sondern auch großartige Unterstützer versammelt, dazu später, jedoch ist ein Großteil seines Outputs im eigenen Mistbeet gewachsen. Und er scheint offenbar gerne zu polemisieren und polarisieren. Das Bush-Regime bezeichnet er als Faschismus und dem britischen Königshaus widmet er einen Link auf seiner Homepage mit dem Titel "imperialistic". Ja doch, das kommt gut und unterscheidet sich wohltuend von der üblichen Leck-mich-am-Arsch-iss-mir-doch-wurst Argumentation mancher unnötigerweise von den Medien befragter Hipster.
Endlich also zur Musik. Ein Duett gibt es, Leyton und Sulo (siehe unten) krähen Ronnie Lanes Done This One Before. Bewegend und ehrlich. Hoppla, da ist man ja schon mittendrin in den Wurzeln des britischen Pop.
Schon fertig? Nein, unser Anarchist hat natürlich eine wesentlich größere Bandbreite zur Verfügung. Mit seinem hohen Stimmchen huldigt er zunächst dem instabilen Begriff "Power Pop", also nichts anderem als gitarrenbetriebenem Rock & Roll mit Ohrwurmfähigkeit. Da klingt er zum Anfang von Slowdance 1974 schon mal so gepuderzuckert wie Brian Ferry, biegt aber rechtzeitig in die Marc Bolan-Ecke ab, um am Schluss wie Freddie Mercury zu schmonzetten, nur damit ganz am Schluss ein tolles Gitarren-Outro den Bogen zum Rock & Roll spannt. Das ist ein spannender Film.
Den Politik-Lautsprecher gibt er im wavigen Automatically, und dann folgt die Mick Jagger-Phase. Sagen wir mal, hmmm, späte Siebziger bis mittlere Achtziger. Wo der zu dieser Zeit allerdings schon lange keinen Anspruch an eine mögliche Revolution mehr hatte, lässt Leyton die Worte zünden und die Gitarren sägen.
Ein Schritt zurück in die Gegenwart: Drop Dead Gorgeous kommt von der spannenden U.S.-Band POST STARDOM DEPRESSION. Die passen überaus gut ins Bild dieser CD, denn Leyton schafft genau wie P.S.D. den Spagat zwischen vorgestern und 5 nach 12. Ein schwerer Hammond-Rhythm-Rocker, bewusst affektiert vom Glam-Rock-Leyton zelebriert.
Unbedingt erwähnenswert ist, dass Leyton ein Faible für David Bowie hat. Immer wieder meint man an Zeiten von beispielsweise "Low", "Station To Station" oder natürlich Ziggy erinnert zu werden. Sehr geschickt gemacht.
Nach dem desperaten Alone/Together ist Hyperventilating natürlich ein Fetz-Schmankerl. Die Herren Andersson und Dregen (s.u.) bieten ein veritables Gitarrenspektakel und der soeben besungene Prince Valium hat auch im folgenden I Just Can't Take Another Smile keine Chance. Bester Stoff für Roots-Rocker. Hier ist man wirklich sehr verwurzelt.
Auch wenn man kurzzeitig Dylan oder Petty nölen zu hören glaubt, Leyton kriegt immer die Kurve zurück zum fröhlichen Pub-Punk-Pop. Auch wenn er subversiv Adopt A Terrorist jubelt und dazu ein tadelloses Politstatement abliefert.
Der Mann wandelt konsequent zwischen euphorischem Los! und Suizid. Das aber mit jeder Menge Spaß und Einfallsreichtum.
Zum Schluss noch zu den auf der CD vertretenen Namen. Die Begleitband heißt THE GHOSTS, eine schwedische Band mit einem Gitarristen namens Micke Ghost, der aber mit der Namensgebung der GHOSTS nichts zu tun hatte. Ah ja. Dann wären da noch Sulo und The Duke of Honk von den DIAMOND DOGS, Nicke Andersson (HELLACOPTERS) und Dregen (BACKYARD BABIES; s.a. Tyla). Ist das stark? Die Platte übrigens auch.
P.S.: Wer sich über den seltsamen CD-Titel wundert, kann bei Arno Gruen nachlesen. Dieser in der Schweiz lebende Schriftsteller und Psychoanalytiker schrieb 1984 das Buch "Der Verrat am Selbst - Die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau". Eieiei. Die Suche nach dem Buch "Die Angst des Mannes vor einem leeren Bierkasten" verlief im Sande...
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