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The Newz

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The Newz
The Newz, Edel Records, 2008
Dan McCafferty Lead Vocals
Pete Agnew Bass
Jimmy Murrison Guitars
Lee Agnew Drums
Produziert von: Yann Rouiller Länge: 74 Min 22 Sek Medium: CD
1. Goin' Loco8. Road Trip
2. Day At The Beach9. Gloria
3. Liar10. Keep On Travellin'
4. See Me11. Loggin' On
5. Enough Love12. The Gathering
6. Warning13. Dying Breed
7. Mean Streets

URGENT NEWS:

It has been brought to our attention that there is currently another band trying to pass itself off as Nazareth. The band comprises of Manuel Charlton and three of his American friends.

So steht es auf der Homepage der Schotten zu lesen, und, hahaha, irgendwie ist es bezeichnend für dieses armselige Business, dass sogar Institutionen wie NAZARETH Opfer solcher kleinen Sauereien werden. Aber wenn's halt nicht zu mehr als einer schlappen Kopie reicht…
Der gute Manny Charlton hat seit seinem Ausstieg 1989 (er selbst bezeichnet es als Rausschmiss) in der Tat nichts weltbewegendes mehr zuwege gebracht, seine CDs fanden sich zurecht regelmäßig auf dem Ramschtisch wieder und live hat man ihn ohnehin nicht mehr gesichtet, also scheint die Aktion mit dem Namen seiner früheren Band eher der Verzweiflung zu entspringen und Dan McCafferty könnte eigentlich sagen: Was juckt es den Baum, wenn sich die Sau an ihm schabt. Eine Richtigstellung schadet trotzdem nicht, also sei es verkündet. Schade ist es nur um Charltons Band, die vermutlich aus anständigen Jungs besteht und sich ihren Namen mit diesem Theater auf Kaninchenzüchtervereinsniveau auf alle Zeiten ruiniert.

Die andere Nachricht ist, dass NAZARETH mit "The Newz" nach 10 Jahren wieder ein Studioalbum auf dem Markt haben. Ist diese Nachricht tatsächlich "urgent"?
"No Jive" 1991, "Move Me" 1994 und "Boogaloo" 1998 waren die - wenigstens in den beiden letzten Fällen sehr starken - kreativen Outputs in den letzten zwei Jahrzehnten. Nicht eben viel für eine Band, die in ihren Glanztagen mindestens ein Album pro Jahr produzierte. Live waren sie hingegen immer präsent, oft mit den Altersgenossen von URIAH HEEP, doch irgendwann verblasst auch der letzte Ruhm der alten Nummern und es braucht Nachschub auf Tonträger, vor allem, wenn es den 40. Geburtstag der Band zu feiern gibt. Happy birthday, aber:
Bitte erkläre jemand, warum McCafferty, Agnew & Agnew sowie Murrison dazu auf die produzierende Hilfe eines 28jährigen Schweizers namens Yann Rouiller zurückgreifen mussten. Der hat nämlich genau den Kardinalfehler so vieler heutiger Produktionen begangen: Das Ding ist zu laut, in Grenzbereiche hochgezogen, die keinen Zwischenton, keine leise Stelle mehr zulassen. Mensch, Naz können so hart oder soft rocken wie sie wollen, aber man muss ihnen den Raum zum Atmen lassen, sonst verkommen die geilsten Fetzer und die schönsten Balladen zur immer gleich dröhnenden Massenware. Und genau diese Massenware haben die edlen Herren songwriterisch auch diesmal nicht geliefert, ganz im Gegenteil, auf "The Newz" finden sich mindestens so viele Klassesongs wie auf den von der Öffentlichkeit verschmähten oben genannten Alben. Es klingt nur einfach viel zu konturlos aufgrund der, sorry, lieblosen Produktion. Wenn Jimmy Murrison am Ende des übermächtig stampfenden Keep On Travellin' zum klassischen Angus-Boogie-Riffing ansetzt, möchte man das bitteschön hören, anstatt zwischen dem Wust der zig Terrabytes komprimierter Daten das Good-Time-Feeling nur zu erahnen. Von der Slide dazwischen abgesehen. Nein, so funktioniert Moderne nicht.

Dabei beginnt alles so schön. Goin' Loco ist heavy, funky und lässt Lee Agnew erstmals Platz für gezielten Einsatz der Double-Bass (wenn sie denn echt ist). Dazu passt McCaffertys Jahrtausend-Unstimme wie Faust aufs Auge.
Der Refrain und der Backgroundgesang von Day At The Beach sind für den Eimer, ansonsten groovt das Ding wunderbar - hätten wir das Jahr 1981. Heute sind Granaten wie Liar gefragt. Böser gestimmte Gitarren hat man bei NAZARETH nie gehört, Jimmy M. ist nach 14 Jahren endgültig im Songwriting angekommen. Bravo. Und der alte Dan thront über allen Metal-Attacken und bleibt er selbst - wie er schreit und kreischt. Mainz, wie es angeblich singt und lacht, ist ungleich peinlicher.
"The Newz" ist eine gelungene Mischung aus straightem Naz-Rock, gelungenen Naz-Balladen und Naz-untypischen Sounds. Man bedenke, Agnew Sen. und McCafferty sind 61 Jahre alt und haben mehr als zwei Drittel ihres Lebens als weitgehend ziemlich opulent bezahlte Musiker verbracht, da muss man den Hut angesichts so vieler guter neuer Ideen ziehen. Und auch den einen oder anderen Missgriff auf "The Newz" verzeihen, denn spätestens mit einem Knaller wie Road Trip ist alles wieder okay. Der obskure "Hidden Track" nach Dying Breed ist bestimmt ein Scherz, oder? Bands wie NAZARETH werden nämlich nie aussterben.

Wen NAZARETH in den letzten 25, 30 oder 35 Jahren begleitet hat, kommt um "The Newz" nicht herum. Junge Menschen sprechen Bands dieser Kategorie eh schon seit Jahren nur noch aufgrund ihrer Livepräsenz an, entsprechend wird es auch mit dieser CD sein, dass die noch für Neuigkeiten aufnahmefähigen Senioren sie lieben und die Youngsters, falls sie zufällig bei einem Konzert zugegen sind, hinterher lieber Love Hurts als Goin' Loco skandieren werden. Schade eigentlich, aber die alten Fans sind auch nicht besser.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.03.2008

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