|
|
| Live From Classic T Stage, Warner Music Vision/Classic Pictures, 2005/2006 |
| Dan McCafferty |
Lead Vocals |
| Jimmy Murrison |
Lead Guitar |
| Pete Agnew |
Bass |
| Lee Agnew |
Drums |
| Produziert von: Lyn Beardsdall |
Länge: ca. 119 Min |
Medium: DVD |
|
 |  |
| 1. Hit The Fan | 12. Shanghai'd In Shanghai |
| 2. Open Up Woman | 13. Cocaine |
| 3. Miss Misery | 14. Turn On Your Receiver |
| 4. Razamanaz | 15. Changin' Times |
| 5. Kentucky Fried Blues | 16. Hair Of The Dog |
| 6. This Month's Messiah | 17. Love Hurts |
| 7. Sunshine | 18. Night Woman |
| 8. Bad Bad Boy | 19. This Flight Tonight |
| 9. Love Leads To Madness | Special Features: |
| 10. My White Bicycle | On the road with Nazareth (Interviews etc.) |
| 11. Heart's Grown Cold | Germany 2005 (Film von Dagmar Heinrich-Hoppen) |
 |
Möge bitte jemand plausibel erklären, warum NAZARETH, immerhin neben HEEP und den Erstligisten PURPLE die letzten überlebenden britischen Bühnentiere der Siebziger, zur Aufnahme einer Live-DVD in ein menschenleeres Studio gegangen sind. Wer hatte diese blödsinnige Idee? Wir wollen schwitzende junge Menschen mit fliegenden Haaren und vollen Bierbechern sehen, nun ja, im Falle einer solchen Band begnügen wir uns auch mit dem ganz normalen Veteranenpublikum in einem mittelgroßen Club - die schwitzen von ganz alleine. Völlig absurd sowas. Am allerblödesten müssen sich die alten Recken selbst gefühlt haben, denn so gehirntot sind McCafferty, Agnew, Murrison und Agnew Jr. trotz den 120 Jahren der beiden erstgenannten nun wirklich nicht, als dass ihnen sowas Spaß machen könnte. Dan McCafferty starrt entsprechend ratlos in sein Mikrophon, klatscht bei Love Leads To Madness ein wenig und wundert sich augenscheinlich, wo denn die Hände vor der Bühne bleiben, Pee Agnew grinst wenigstens in die Kamera und Jimmy Murrison versteckt sich konsequent hinter einem Haarvorhang. So viel zur Stageperformance...
Einen Vorteil hat diese Aufnahmesituation natürlich: Es sind außer zwei, drei kleinen Wacklern an der Gitarre keine Spielfehler auf dem Endprodukt. Muaaah, als ob das bei solchen Kalibern irgendeine Rolle spielte. Der zweite Vorteil könnte sein, dass die Band sich die Songs hier selbst aussuchen konnte und nicht vom Pulikum zu Dream On und anderen hunderttausendmal gespielten Hits gedrängt wurde.
Aber mal weg vom kastrierten Live-Feeling, hin zu den 19 Songs auf dieser DVD: Was für eine Setlist (es ist nämlich keine dröge Best-Of-Abnudelei!), was für eine Hard Rock Band. So groß und mächtig kommen heute nur noch ganz wenige Classic Rocker daher. Das liegt, noch vor McCafferty, vor allem am Bass Pete Agnews, der den Songs, so alt und bekannt sie auch sein mögen, genau den gewaltigen Druck den sie brauchen verpasst. Im Grunde so simpel wie seit Urzeiten, aber immer flink und trickreich bollert Agnew sogar Cocaine zu einem richtiggehenden Funky-Groover und bringt die Heavy-Boogies erst richtig zum Stampfen ... damit die Meute so richtig abgeht. Ähhh.
McCafferty, klar, der Mann ist ein Phänomen. Was soll man darüber noch sagen? Und seine Gimmicks mit dem Dudelsack sind halt einfach auch klasse. Dazu sind die Statements im anhängenden Interview so sinnentleert wie witzig und seine Falten nähern sich deutlich denen eines Keith Richards.
Jimmy Murrison macht den gewohnt lässigen Job an der Gitarre, unterscheidet sich spieltechnisch markant vom Ur-Gitarristen Manny Charlton, ist aber natürlich "ausgebildeter" und wechselt mühelos vom Primitiv-Riffer zum Slide-Heizer zum Soloartisten mit Eddie Van Halen-Hintergrund. Davon abgesehen ist er nun auch schon 12 Jahre dabei. Lee Agnew ist bekanntlich erst seit sieben Jahren in der Band, hat sich aber gesichtstechnisch trotz seiner erst 35 Jahre dem Rest perfekt angepasst. Und schön drummen kann er natürlich auch. NAZARETH sind immer noch eine Band, der man vollsten Respekt zollen muss.
Sehr vergnüglich sind die Interviewsequenzen mit Agnew und McCafferty. Die ironische Distanz zu ihrem Lebensweg ("sogar der Weihnachtsmann ist jünger als wir"), die klare Bekenntnis zum Rock & Roll ("ich könnte auch Hüte verkaufen"), der herrliche Schottenhumor ("meine Frau sagte vor einigen Jahren, dass ihr der Name Nazareth noch nie gefallen hat, na, danke für die Information, aber es ist jetzt wohl zu spät uns umzubennen") reichen zwar nicht für einen Dogma-Film von Lars von Trier, zeigen aber die sympathischen Schlachtrösser wie sie sind. Wie viele junge Bands können heute dagegen anstinken und werden so lange durchhalten?
Der zweite Teil der "Special Features" besteht aus kleinen Interviewschnipseln und Backstageszenen aus Deutschland vom letzten Jahr. Trotz der Wackelbilder nett anzuschauen. Vor allem sieht man Dan auf der Bühne und damit den Unterschied zwischen seiner Publikumsdarstellung und dem angestrengten Nicht-Posing im Konzertteil ohne Fans.
Eine bizarre DVD mit phantastischer Musik und perfektem Sound (im Hauptteil). Vom ersten Ton an knallen NAZARETH als ob die ganz große Zeit nie vergangen wäre. Spätestens bei Razamanaz liegt jeder flach und vergisst die krude Atmosphäre.
Bildformat: NTSC 16:9/4:3
Regionencode: 2, 3, 4, 5
Ton: DD 5.1, DTS 5.1, DD
Untertitel: Englisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn: 
|