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Mouth Of Clay

Colors Of Utopia,
A New Beginning &
What Have You Got To Loose?

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Colors Of Utopia
A New Beginning
What Have You Got To Loose?
Colors Of Utopia, A New Beginning & What Have You Got To Loose?, Eigenvertrieb, 2000, 2001 & 2002
Hawkan Englund Lead Guitar, Slide Guitar, Lap Steel Guitar
Jocke Eriksson Vocals, Guitar
Hawk Brunnkvist Drums ("Colors Of Utopia" & "A New Beginning")
Olle Drums ("What Have You Got To Loose?")
Jugge Lindhult Bass
Produziert von: Mouth Of Clay Länge: 33 Min 19 Sek, 53 Min 55 Sek & 60 Min 29 Sek Medium: CD
Colors Of Utopia
1. Above The Ground4. Crown Of Burden
2. Darkened Sun5. To Many Trails
3. Morning Tide6. M.O.C.
A New Beginning
1. Mountain High8. A New Beginning
2. Get In Line9. Hard Land
3. Healer10. Gone
4. Erica11. Colors Of Utopia
5. The Gods Have Fun12. Down Below
6. The Sinners Lullaby13. Modern Times
7. Shine
What Have You Got To Loose?
1. Made Of Lead7. Overflow
2. Cutting My Loss8. An Eye In Each Corner
3. Hear The Coming9. Morning Flight
4. Burned10. Rush
5. Perfect World11. Eleven Seas
6. With Your Bones

Warum muss man jedem neuen Trend hinterher jagen? Warum wird man als Freund traditioneller Klänge als ewig Gestriger beschimpft? Warum werden Bands trotz enormer Kreativität und großem Output nicht wahrgenommen? Warum wird dauernd ein Revival der, ach so tollen, 80er Jahre propagiert (dem Jahrzehnt mit dem erwiesenermaßen miesesten musikalischen Innovationsgrad)?

Ok, ich erzähle jetzt mal, wie ich zur Rockmusik kam. Es war ca. 1973, der große Bruder eines Freundes hatte ein musikalisches Sendungsbewusstsein. Er besaß eine Tonbandmaschine und überspielte mir DEEP PURPLE "In Rock", URIAH HEEP "Look At Yourself", BLACK SABBATH "Paranoid" und STATUS QUO "Hello" auf 2 BASF C90 Kassetten. Das war's dann für mich.

30 Jahre und Tausende Kassetten, LPs und CDs später, sitze ich hier und frage mich, ob ich irgend etwas dazugelernt habe oder ob ich in meiner Entwicklung spätestens im Jahr 1979 stehen geblieben bin. Klare Antwort: Es ist mir egal.
Es gab damals wie heute tolle Musik und es ist vollkommen wurst, ob die Einflüsse aus den 60ern, 70ern oder dem Jahr 2028 kommen. Es muss mir gefallen und dann ist gut. Gerüchteweise gab es mal einen Heavy Metal Musiker namens Wagner, der soll unfassbar gut gewesen sein. Leider ist der Mann bereits im Jahr 1883 verstorben.

In der Stadt Sala, irgendwo in Mittelschweden, westlich von Uppsala, hat sich vor gut 2 Jahren die Band MOUTH OF CLAY zusammengefunden und macht seither Rockmusik, die ganz eindeutig ihre Wurzeln bei den großen Rockbands früherer Tage hat. Die Band hat bereits kurz nach ihrer Gründung, besser gesagt nach 2 Übungseinheiten, das erste Demo eingespielt. Volle 4 Spuren standen zur Verfügung und ein ganzes Wochenende. Ergebnis: 6 Songs oder 33 Minuten, zusammengefasst unter dem Namen "Colours Of Utopia".

Müsste ich einen zeitgemäßen Namen für die Musik benennen, könnte man sagen Stoner Rock. Blödsinnige Schublade, es ist viel sinnvoller, wenn man die Musik als klassischen Hard Rock bezeichnet. Größtenteils im mittleren Tempo, mit sehr schönen akustischen Gitarren und vor allem mit viel Slide Gitarre, gespielt von Hawkan Englund.
Einer geht sofort ins Ohr: Sänger Jocke Eriksson. Ein Shouter im wahrsten Wortsinn. Er erinnert einmal an Ian Gillan, einmal an Glenn Hughes und öfter an Leslie West.

Feine Bandleistung. Der Sound ist ein wenig dumpf, aber im Vergleich zu manchen LPs von damals durchaus akzeptabel.

Kurze Zeit nach dem ersten Demo hatte die Band bereits 13 neue Stücke auf Lager. "A New Beginning" wurde also aufgenommen.
Deutlich verbesserter Sound und die Stärken der Band wurden noch mehr hervorgehoben.
Der Opener Mountain High sagt alles. Gitarrenwände wie das Matterhorn, Gesang den man zwischen Hindukusch und Himalaja ohne Verstärker vernimmt, Bass und Schlagzeug, die einen Tunnel durch die Alpen hämmern.

Die Band nimmt sich Zeit ihre Songs auszuspielen. Es wird nicht gehetzt und gehudelt. Wo die Gitarre psychedelisch klingen soll, klingt sie psychedelisch. Wo die Slide singen muss, wird der Flaschenhals poliert. Und wenn für Erica 12 Saiten gebraucht werden um ihr zu huldigen, werden die eben aufgezogen.
Vom Feeling her erinnert mich "A New Beginning" noch mehr an MOUNTAIN. Allerdings ohne die fatalen Dudeleien von Leslie West.

Einer meiner Lieblinge ist The Sinners Lullaby. Ein wunderbarer akustischer Song, der an LED ZEPPELIN anknüpft. Gleich anschließend wälzt dann Shine wie Lava daher. Tony Iommi könnte als Komponist dahinter stehen. Allerdings bedient der keine Slide Gitarre.
Der Titelsong wiederum lässt Gedanken an die jungen RUSH in mir hochkommen. Und immer wieder die mächtige Stimme von Jocke Eriksson.
Krönender Abschluss ist der Blues Modern Times. Johnny Winter lässt grüßen. Das schiebt und drückt und groovt.
Ein klasse Album!

Der bisher letzte Streich von MOUTH OF CLAY heißt "What Have You Got To Loose?".
Stilistisch ist keine Richtungsänderung festzustellen. Donnernder Hard Rock, etwas weniger akustische Gitarre, feister Groove. Erstmals mit dezenten Keyboard-Einsätzen. Dadurch werden die DEEP PURPLE- und URIAH HEEP-Einflüsse etwas deutlicher. Sehr gelungen sind auch die Background Vocals.

Die Band meint ernst was sie macht und sie machen es technisch und songschreiberisch sehr sehr gut.
Wenn man genau hinhört, meint man das eine oder andere mal sogar ein wenig BLACKFOOT zu hören. Overflow und Made Of Lead sind solche Beispiele.

Absolutes Highlight: Rush. Ein hart rockendes Sahnestück, angetrieben von einem Sänger, der ganz offensichtlich auf der Flucht vor der ihn verfolgenden Slidegitarre ist. So und nicht anders muss Riff-Rock klingen.

Die Band hat ein schweres Jahr hinter sich. Sänger Jocke hat die Gruppe verlassen und wurde inzwischen durch den jungen Shouter Serkan ersetzt. Schwerer wiegt, dass Drummer Olle seinen rechten Arm aufgrund einer lebensgefährlichen Infektion verloren hat.
Olle ist wieder zurück und eifert nun DEF LEPPARD Schlagwerker Rick Allen nach.

Ich weiß nicht, warum diese Band bisher nicht von einer entsprechenden Plattenfirma entdeckt wurde. Für jeden interessierten A&R muss diese Band eigentlich ein gefundenes Fressen sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2002

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