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Mary Chapin Carpenter

Time* Sex* Love*

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Time* Sex* Love*
Time* Sex* Love*, Sony Music, 2001
Mary Chapin Carpenter Vocals
John Jennings Guitar
Duke Levine Guitar
Glenn Worf Bass
Dave Mattacks Drums
Steve Nathan Keyboards
Jon Caroll Keyboards
Produziert von: Mary Chapin Carpenter, John Jennings & Blake Chauncey Länge: 73 Min 25 Sek Medium: CD
1. Whenever You're Ready8. This Is Me Leaving You
2. Simple Life9. Someone Else's Prayer
3. Swept Away10. The Dreaming Road
4. Slave To The Beauty11. Alone But Not Lonely
5. Maybe World12. The Long Way Home
6. What Was It Like13. In The Name Of Love
7. King Of Love14. Late For Your Life

Vor vielen Jahren wurde von einem RWE-Fan im Essener Georg-Melches-Stadion ein Plakat aufgehangen, auf dem stand: "Drei Dinge braucht der Mann: Sex, BAP und RWE!". Es war die Zeit, als noch ein Jürgen Röber die Richtung nach oben vorgab, als ein Ollie Grein mit seinen Haken dafür sorgte, dass den Schalker Spielern die Beine, nicht wie heute, vom Feiern wackelten, und sie statt nach Berlin zum Auskurieren ihres (Muskel-) Katers aufs Trainingsgelände zum Strafexerzieren befördert wurden, was wiederum einem Rot-Weiss-Essen-Nahestehenden eine höchstmögliche Ausschüttung von Glückshormonen bescherte.
Man sieht also, es gibt Dinge - meine Ehefrau möge es mir verzeihen - also BAP mag ich wirklich nicht..., auf die man dann sogar gerne verzichten könnte.

Was hat dies alles mit Mary Chapin Carpenter zu tun, fragt sich da natürlich der geläuterte Country-Musik-Fan. Im Prinzip nichts, außer dass die Lady ihr neues Werk auch mit drei Schlagworten ins Rennen wirft und schon wieder dieses merkwürdige Wort mit den drei Buchstaben auftaucht.
Ja, bei den Amis war schon immer Gleiches noch ein bisschen anders...
Zu bestätigen scheint ihre Gewichtung allerdings der Kommentar einer PTA aus Dortmund: "Hier gehen zur Zeit so viele Viagra-Vorbestellungen und -Packungen über den Ladentisch, dass die ganze Stadt 24 Stunden unter Strom stehen müsste...".
Ja, was soll man in Dortmund nach dem Stop der Essener (Fußball-) Entwicklungshilfe auch anderes tun, könnte man jetzt gehässig fragen, aber wie wär es denn mal vielleicht zur Abwechslung mit toller New-Country-Musik? Zum Beispiel mit dieser CD!

Meine erste Begegnung mit Mary Chapin Carpenter kam durch ihr Stück Shut up and kiss me zustande, eine Honky-Tonk-Nummer, die ich im Radio hörte und die mir durch Mark und Bein ging, und noch heute zu meinen Lieblings-New-Countrystücken zählt. Kurze Zeit später lag die zugehörige CD "Stones In The Road" bei mir im Player. Das Gesamtergebnis war jedoch relativ ernüchternd. Zwei, drei ganz nette Stücke inclusive des oben angeführten Liedes, der Rest eher langweiliges Geheule. Zwischenzeitliche Videos in der TV-Sendung "Country Roads" hauten mich auch nicht sonderlich vom Hocker, so dass erst mal eine längere Funkstille herrschte. Nun also das neue Album von Mary.
Der Beipackzettel beschreibt die CD als sehr philosophisches und persönliches Werk (in der Tat hat Mary alle Songs selbst geschrieben), der kommerzielle Aspekt sollte diesmal außen vor bleiben. Die Beschreibung ist äußerst treffend.
Nach gutem Auftakt, sofort mit dem besten Stück der CD Whenever you're ready, und einigen Aufhorchern wie Slave to the beauty, This is me leaving you, The long way home und In the name of love, die aber eher die Funktion eines Wachmachers erfüllen, ist das Werk von überlangen, poetischen, teilweise melancholisch bis zu introvertierten Passagen durchzogen.
Die CD ist mir, ehrlich gesagt, besonders im Mittelteil zu ruhig geraten. Ich bevorzuge da eher die etwas modernern und peppigeren Stücke wie zum Beispiel von LACE, SHE-DAISY, KINLEYS oder Alecia Elliot.

Ja, liebe Mary, "time is a great gift, sex is a great equalizer, love is a great mystery", hört sich alles sehr schön an und mag auch hier und da mal stimmen, viele deiner Songs sind aber "great tranquilizers". Ob ihr Lachanfall im recht diffusen elfminütigen Abschlussstück ein Indiz dafür war, dass einige ihrer Musiker kurz eingenickt waren?
Mein Tipp wäre: Auch wenn Mary Chapin Carpenter sicherlich alles erreicht hat und ihr Erfolg, Talent und Reputation unbestritten sind, sollte sie sich mal einiger 'Fremd-Songwriter' kombiniert mit dem Fingerspitzengefühl eines Tim McGraw bedienen, um etwas mehr Leben in die Bude zu bringen.

Ach übrigens, vielleicht bleibt noch zu klären, was aus dem anfangs erwähnten RWE-Fan geworden ist. Man soll ihn zuletzt in einer Dortmunder Apotheke gesehen haben...

Daniel Daus, (Artikelliste), 15.06.2001

Ich bin im Home of Rock (und anderswo) nicht bekannt als großer Fan, Liebhaber oder Kenner von ruhiger, country- und/oder folklastiger Singer-/Songwriter-Musik. Und mir steht, rein fußballerisch gesehen, Unterhaching näher als RWE. Die sind zwar abgestiegen, aber das mit Anstand und Würde. Und im übrigen bin ich sowieso FCB-Freund. Die spielen, wie jeder weiß, in einer ganz anderen Liga.
Trotzdem habe ich mir "Time* Sex* Love*" von Mary Chapin Carpenter angehört. Einerseits inspiriert von Daniels Worten, und andererseits, weil ich mir einige Soundfiles im Internet angehört habe und mir die ganz gut gefallen haben.

Nun, "Time* Sex* Love*" ist sicher nicht eines meiner All-Time-Faves-Alben, aber ich mag diese CD. Es ist ein ruhiges, sehr privates, introvertiertes, möglicherweise autobiographisches und vor allem angenehmes Werk geworden. Einziger Nachteil: Mit fast 74 Minuten Laufzeit ist die Platte zu lang. Durch die gehäufte Ansammlung von ruhigen Stücken eignet sie sich ganz sicher nicht als Partyscheibe. Ich würde mir (natürlich) schon einige knackige Nummern wünschen. Diese Platte fordert Konzentration und Langmut.
Der erste Eindruck bei Whenever You're Ready trügt. Da geht es nämlich etwas flotter zugange. Allerdings stören mich die m.E. deplacierten Choruseinlagen (Nanana-schubidu...).
Der überwiegende Rest ist, wie gesagt, ruhig, aber sehr emotional, einfach, aber teilweise wirklich wunderschön instrumentiert. Und vor allem: Mary Chapin Carpenter hängt sich nicht an den - schon lange vorbeigerasten - New Country-Zug. Es ist Musik abseits der ausgetrampelten Nashville-Einheitsbrei-Pfade. Mary hat eine Stimme, die man wiedererkennt. Ganz im Gegensatz zu den vielen New Country-Sängerinnen, die man im Leben nicht auseinanderhalten kann.

Ohne jeden Widerspruch erkenne ich an, dass die Platte nicht jedem gefallen kann (ich bin ja von mir selbst überrascht). Aber eines ist sicher: In ihrem Genre ist Mary Chapin Carpenter eine herausragende Persönlichkeit. Wenn nun ab und an noch eine Gitarre ordentlich heulen würde...
Müßte ich die CD einstufen, ich würde sagen: "Tolle CD um am Sonntagmorgen auf dem Balkon zu frühstücken". Oder: "Tolle CD um seine persönlichen Depressionen zu reflektieren". Oder einfach: "Hast Du genug von Motörhead? Tun Dir die Ohren vom letzten Metal-Konzert weh? Kannst Du die üblichen Country-Jodler nicht mehr hören? Leg einfach 'Time* Sex* Love*' auf und alles wird gut."

Noch eine Anmerkung zum Thema "Fremdkomponisten". Eine zweite solche Platte sollte sie nicht machen. Das wäre zuviel des Guten. Aber für diese CD wären aussenstehende Songwriter nicht gut gewesen. Dazu ist sie zu persönlich.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.06.2001

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