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Here We Are

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Unser Disclaimer
Here We Are
Here We Are, A-Minor Records, 2008
Michael Voss Lead Vocals, Guitars, Mandolin, Hammond Organ, Piano
Jürgen Breforth Acoustic & Electric Guitars
Roland Bergmann Bass & Backing Vocals
Gäste:
Mark Schulman Drums
Don Airey Keyboards (Where The Wind Blows)
Jan Löchel Guitars & Backing Vocals (Here We Are)
Martin Huch Pedal Steel (All Of My Heart)
Pearl Lead Vocals (Stop One Minute)
und andere
Länge: 56 Min 12 Sek Medium: CD
1. Caravan8. How Deep
2. Where The Wind Blows9. Don't Talk It Over
3. Here We Are10. All Of My Heart
4. Higher And Higher11. Mad Gone Blind
5. Down To Babylon12. Keep You Alive
6. Love Walks Lonely13. High In Wheels
7. Stop One Minute14. Say Goodbye To Hollywood

Nach dem Comeback-Album "Night Of White Rock", der Akustik-EP "In White" und der letzten Studioscheibe "White Sands" melden sich MAD MAX pünktlich zum 25. Geburtstag wieder zurück. Gefeiert werden 25 Jahre Plattenvertrag, denn den ersten unterschrieb man 1983 beim holländischen Label Roadrunner. Wie es sich für einen Geburtstag gehört, gönnt man sich dann auch mal selbst etwas, was im Fall der Münsteraner ein neues Logo ist. Weg das Kreuz und die gezackte Schrift, man hält es mit 25 Jahren einfacher, aber auch leider nicht mehr so auffallend. Das aber nur am Rande.

Wie es sich für eine zünftige Party gehört, haben Michael Voss, Jürgen Breforth und Roland Bergmann einen Haufen alter Freunde eingeladen, um es ordentlich krachen zu lassen. Zu der Geburtstagsfeier hat der Gastgeber aber nicht eingeladen und alles selbst gezahlt, nein, die Gäste wurden gebeten selbst etwas mitzubringen, um somit zum Gelingen der Feier beizutragen. Was daraus entstand, ist nicht nur eine echt druckvolle Scheibe, sondern eine ebenso abwechslungsreiche wie interessante Veröffentlichung. Mischen wir uns unauffällig unter die Gäste und schauen, was jeder Einzelne zum Gelingen beigetragen hat.
Als erstes treffen wir auf Joe Lynn Turner, der schon bei RAINBOW und DEEP PURPLE die Stimme erschallen ließ. Für den Song Caravan hat er die Musik beigesteuert, die amtlich nach vorne rockt und klarstellt, dass Vossi und seine Mannen nicht zum alten Eisen gehören. Das rockt, groovt und peitscht nach vorne. Die optimale Startnummer.
Wen erblicke ich als nächstes? Ah, Don Airey, den Tastenmann in Diensten von DEEP PURPLE. Nicht nur, dass er die Musik zu Where The Wind Blows beigesteuert hat, nein, er lässt den Wind aus seiner Orgel selbst wehen und greift in die Tasten. Herauskommt eine schöne AOR-Nummer, die sich für die nächste Fahrt auf der Autobahn eignet.
Der nächste Gast ist einigen wahrscheinlich nicht so bekannt, aber gehört zum engeren Freundeskreis von MAD MAX. Jan Löchel, der die letzte Scheibe der H-BLOCKX coproduziert hat und außerdem als Texter für die Jungs von REAMONN tätig ist. Für Here We Are - der ersten Single-Auskopplung - spendiert er die Musik und Teile vom Text. Eine solide Rocknummer, die von Jan Löchel auch an der Gitarre mitbegleitet wird.
Der große Blonde, der als nächstes an uns vorbeiläuft, ist kein Geringerer als Michael Schenker, der dem Geburtstagskind zu Higher And Higher eine Stryper-mäßige Melodie verpasst. Rockt cool nach vorne.
Mit Jeff Scott Soto (Ex-JOURNEY) begrüßen wir einen, der sich in Down To Babylon scheinbar selbst ein Geschenk gemacht hat. Musikalisch lässt er den Song ziemlich nach vorne abgehen, was man in dieser Art und Weise eher nicht von ihm gedacht hätte. Klasse Nummer mit einprägsamem Riff.
Der nächste ist ein alter Bekannter der Münsteraner und kommt nicht wirklich überraschend zur Party. Oz Fox von den schwarz-gelb gestreiften WhiteMetallern STRYPER hat sich für Love Walks Lonely ein paar nette Gitarrenriffs aus den Saiten geschüttelt und zur Verfügung gestellt. Textlich ein eindeutiges Statement MAD MAXs, dass man weiterhin mit dem großen und einen Gott lebt. Hätte auch von STRYPER selbst kommen können.

Über den nächsten Gast freu selbst ich mich wie ein Schneekönig. Ken Tamplin bittet uns: Stop One Minute, um dem zu lauschen, was er gemeinsam mit Jürgen Breforth und Vossi sowohl musikalisch als auch textlich vorbereitet hat. Und noch ein Gast hat sich an diesem Geschenk beteiligt: Eine gewisse Pearl verpasst mit ihrer leicht an Anastacia erinnernden Stimme dem Song im Duett mit Vossi die richtigen Noten. Nach den ganzen Abgehsongs der erste, der etwas das Tempo bremst und sehr in den Popbereich abwandert. Das dachte sich scheinbar auch Bernie Torme, der mal für den Prince Of Darkness die sechs Saiten gezupft hat und zieht in How Deep das Tempo wieder ein wenig an. Gemeinsam mit Jürgen und Michael Voss hat er an diesem Midtempo-Rocker gebastelt.
Dass die Metalkoryphäe aus meiner Nachbarstadt Bochum auf der Party auftaucht, war klar. Axel Rudi Pell hält es aber mit Bescheidenheit und bittet musikalisch und textlich: Don't Talk It All Over, was man aber getrost tun darf, denn die Nummer treibt wieder schön AOR-mäßig nach vorne. Klasse Rocker.
Na, da bin ich aber gespannt, was Flitzefinger Wolf Hoffmann und seine Frau uns zur Feier mitgebracht haben. Als erstes: Martin Huch an der Pedal Steel. Das scheint interessant zu werden: Speed Metal mit Pedal Steel (welch luschtiges Wortspiel). Aber zur großen Überraschung lauschen wir einer Ballade mit leichten Country-Anleihen, die auch durchaus auf einem Robbie Williams-Album hätte Platz finden können. Schöne und überraschende Abwechslung nach den ganzen rockigen Nummern.
Den nächsten Gast kennt man besser als Frontmann der Karlsruher Powerrocker PINK CREAM 69. David Readman hat mit Mad Gone Blind eine schöne Uptempo-Nummer geschenkt, die erstaunlicherweise gar nicht nach seiner Stammband klingt.
Oh, ich glaube, jetzt wird's heftig, denn immerhin erblicke ich Sascha Gerstner, den aktuellen Saitenhexer von HELLOWEEN. Aber Keep You Alive entpuppt sich als ein astreiner Hardrock-Riffrocker, der musikalisch weit entfernt von den Hanseaten ist, aber bestens zu den Münsteranern passt. Perfekt!
Den letzten Gast entdecke ich neben Jürgen Breforth stehend: Mark Storace, den alten Sangesknaben von KROKUS. Gemeinsam basteln die beiden an High On Wheels und zollen damit ihrer Liebe zu einer altehrwürdigen amerikanischen Motorradmarke Tribut. Im besten Southern-Hardrock neigt sich damit die Party dem Ende entgegen. Das letzte Geschenk macht Michael Voss seinen Mannen selbst. Mit Say Goodbye To Hollywood verabschiedet er die Gäste mit einer fantastischen Ballade in die Nacht.

Fazit: Klasse Album, klasse Arbeit, klasse Produktion - in der Verfassung sollte es für die nächsten 25 Jahre MAD MAX reichen. Für mich das Beste, was ich bisher von den Münsteranern gehört habe. "Here We Are" ist somit nicht nur ein Albumtitel, sondern ein Statement einer Band geworden, die es noch mal wissen will. Schade, dass man dieses Mal mit den christlichen Statements etwas arg hinterm Berg hält.
Und einen vermisse ich: Axel Kruse, der sich zeitmäßig voll und ganz auf JADED HEART konzentrieren möchte und somit für diese Aufnahmen schon nicht mehr zur Verfügung stand. So hat man sich für dieses Album Mark Schulman hinter die Kessel gesetzt, der auch bei PINK als Drummer fungiert. Damit es auf der anstehenden Tour mit Axel Rudi Pell aber keinen leeren Drum-Hocker gibt, konnte man Jos Zoomer - auch kein Unbekannter - davon überzeugen, in den Tourbus zu steigen. Immerhin ist das der Drummer der holländischen Hardrocklegende VANDENBERG.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 25.10.2008

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