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Power To The People

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Power To The People
Power To The People, Phoenix Records, 2005
Lord Bishop Vocals & Guitars
Wez Rocks Drums
"The Star" Bass
Länge: 54 Min 23 Sek Medium: CD
1. Are You Ready8. Last Train Home
2. Animals9. Forget About The Outside
3. Chemicals10. Eliminate Your Demons
4. Genocide11. Universal Peace Jam
5. Love12. Everyone Thats Cool Is Dead
6. Certificate Of Peace13. The Truth
7. Mars By 202014. Drugs

Rock & Roll ist sehr bürgerlich geworden. Man könnte auch sagen, dass Rock & Roll heute spießig ist. Alles so scheußlich etabliert und normal, selbst Mutter Beimer erschrickt nicht mehr beim Anblick der STONES. Schade das, denn Mutter Beimer hat eh schon so einen geschreckten Gesichtsausdruck, dass ein gepflegter Gegenschock vielleicht doch noch ne coole Alte aus ihr machen würde. Sogar Bohlen freut sich, dass in seiner Superstar-Volksverdummung "endlich ein Rocker dabei ist". Dabei handelt es sich natürlich nur um einen verirrten Jüngling, der mit Hetfield-Frisur und albernsten Posen irgendwelchen Mist grölt (schief und falsch noch dazu, aber die Jury findet ihn "auch als Person furchtbar beeindruckend"). Da freut man sich doch, wenn plötzlich echter "Sex Rock" aus New York daherkommt und das verfettete Volk durchrüttelt.
In der Tat, Lord Bishop nennt sich einen Sex-Rocker. Hm, ist dafür nicht James Brown zuständig (gewesen)? Egal, Sex und Rock'n'Roll kann man nie genug haben, nehmen wir Lord Helmchen, sorry, Bishop also als neues Rockschwein in unser kleines Herzchen auf und hoffen auf ein Anti-Spießer Manifest in Tonform.

Optisch nimmt man den Lord als eher retro gekleideten Streetfighter aus der Bronx wahr, der in einem Seventies-Krimi mit Kojak auf jeden Fall der schwer verdächtige und von schönen Nutten umschwirrte Dealer gewesen wäre. Akustisch kommt zuerst eine Beleidigung Richtung Bush. Michael Moore für Streetpunks sozusagen. Das ist nicht besonders einfallsreich und im Grunde schon wieder politisch korrekt, genau wie die Indianer-Genozid-Anklage in Genocide und der Tierschützersong Animals. Not shocking at all! Genau wie die ausgiebige Verwendung diverser Fucks in der Folge. Selbst Mutti sagt das heutzutage und hätten sie Moik nicht in Rente geschickt, er hätte wohl alsbald Margot Fuckin' Hellwig in seiner Show begrüßt. Ne ne, das regt nicht auf.
Mich persönlich nervt eher der reichlich unreflektierte Umgang mit diversen Drogenthemen. Ich meine, da singt er schon Everyone Thats Cool Is Dead und zählt ein Dutzend prominente Junk-Tote der letzten 50 Jahre auf, gibt aber auf dem Rest der Platte eine handvoll schwer missverständliche - um nicht zu sagen eindeutige - Statements zu seinem persönlichen Umgang mit Drogen der härteren Art ab. Vielleicht freut er sich auch deswegen so kindlich über den Hidden Track Wild Thing, der heftig und in klassischem Hendrix-Garagensound am Ende nochmal richtig fetzt. Honey, auch Jimi ging an dem Zeug zugrunde!

Man muss wissen, dass Lord Bishop seit Jahren ständig in Europa und extensiv auch in D-Land tourt. Mir ist er bisher noch nicht persönlich begegnet, was eine wirklich faire Beurteilung erschwert. Auch keines der bisherigen Alben fand den Weg zu mir, also ist nur eine Momentaufnahme möglich. Und die fällt... begeistert aus. Nicht wegen dem Sex, den Drugs, den Klamotten, sondern wegen der Musik auf der CD. Das rockt!
Die Assoziationsmöglichkeiten: MOTHER'S FINEST für den Funk auf "Power To The People" (nicht für den Sex, bewahre!), RED HOT CHILI PEPPERS wegen dem modernen Krach, oben genannte James Brown und Jimi Hendrix als generelle Inspirationsquellen, THE JAM und THE CLASH wegen dem Streetpunk, Lenny Kravitz in seinen wenigen guten Momenten und Jim Morrison, weil ich ihn liebe und Bishop ihm manchmal durchaus ähnelt.
Das macht in Summe schon verdammt Spaß und der Lord kann auch Gitarre spielen und singen. Die Songs selbst sind zwischen heftig rockend/funkend und eindringlich gepredigt (Universal Peace Jam, deswegen auch der Vergleich mit den DOORS), und lassen eigentlich keinen Zweifel an der Streetcreditibility des zwei Meter großen Kerls zu. Zwischendurch dreht er immer mal wieder schön psychedelisch ab (Mars By 2020), lässt den Guitarhero raus (Last Train Home), oder rockt einfach unkompliziert wie früher mal die BLACK CROWES (Are You Ready). Hach ja, der Sex kommt auch nicht zu kurz: "Take your clothes of, hmmm, that's funky..." (Eliminate Your Dreams, das ansonsten an einen gewissen Hit der SPIN DOCTORS erinnert).

"Power To The People" ist musikalisch ein hundertprozentiger Tipp. Einige Fragezeichen bleiben allerdings bezüglich der Person Lord Bishop und der manchmal all zu plakativen Darstellungsform offen. Komm her, kleiner großer Lord, und wisch sie weg!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 06.01.2006

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