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Liquid Groove Mojo

Cradle To The Grave

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Cradle To The Grave
Cradle To The Grave, Miracle Records, 2005
Joe Pitts Guitar & Vocals
Darrell Davis Guitar & Vocals
Al Hagood Bass
Bryan Blankenship Drums & Percussion
Länge: 48 Min 30 Sek Medium: CD
1. Long Walk6. Time Is Running Out
2. High Price7. Sunshine
3. Hello Goodbye8. Back To Memphis
4. Cradle To The Grave9. If Heartaches Were Nickels
5. Storm Warning10. Aces High/Deuces Low

Man kann sagen was man will, aber adulte Rockfans nehmen einer (optisch) gestandenen Band eher eine gewisse Qualität ab, als einer Horde Pudelmützenträger. Und gestanden sind die vier Männer von LIQUID GROOVE MOJO ohne jeden Zweifel. Man könnte sagen, gewichtsmäßig schauen sie eher nach 6 denn 4 aus und das Haar wird auch schon schütter. Beste Voraussetzung also für eine kritische Betrachtung im innovativsten Musikmagazin westlich des Ganges.
Und schwupps, schon sind die Herren aus Arkansas unten durch. Noch weniger Innovation als bei einem Blues wie Storm Warning geht nämlich nicht. Das Teil hat drei Phasen: 1. Neugierde und Erkennen des Vorbildes ZZ TOP. 2. Warten auf die Steigerung. 3. Sanftes Einschlafen mit grinsender Miene. Es gibt also schlimmere Dinge auf dieser Welt, aber grundsätzlich müssten solche Blues-Plattheiten heute nicht mehr sein. Von diesem Kaliber sind ein, zwei weitere auf "Cradle To The Grave" vertreten und dafür muss man schon einen ausgesprochenen Magen haben. Aber die Männer aus der Provinz haben zu ihrem Glück viel mehr auf der Pfanne!

Vom Muster GOV'T MULE/ALLMAN BROTHERS entfernen sich LGM zwar grundsätzlich quasi nie, dennoch gelang ihnen mit "Cradle To The Grave" eine ausgesprochen schöne Southern-Jam-Bluesrock-Scheibe unter weitgehender Vermeidung all zu ausgelatschter Pfade.
Instrumental kann man sich an den beiden Gitarristen Joe Pitts und Darrell Davis erfreuen, kaum sinnlose Selbstbeweihräucherungssoli, dafür einige hervorragende Slide-Intermezzi (selbstverständlich im Geiste der o.g. Vorbilder), passabler Gesang, der allerdings auf Dauer doch etwas gleichförmig wirkt, und entspannt-druckvolle Rhythmusarbeit von Bass und Schlagzeug. Wenn so packend dahingedampft wird wie zum Beispiel im Titelsong, dem funkigen Rocker Time Is Running Out oder Long Walk, hört man ganz sicher eine der besten der vielen in den letzten zwei, drei Jahren erschienenen CDs aus diesem Genre.

Dass wir es mit erfahrenen Musikern zu tun haben, ist unschwer zu erkennen - ich möchte wetten, dass aus der Vergangenheit auch die eine oder andere reine Coverband im Lebenslauf der Musiker steht. Manchmal ist Routine allerdings auch ein Hemmschuh, vor allem wenn es um das erste gemeinsame Studioalbum geht, wo immer mal wieder die Leichtigkeit zu Gunsten der "Wir wollen alles in diese Produktion reingepackt haben"-Attitüde geopfert wird. So wunderbar erfrischende Ohrwürmer wie High Price und Sunshine sind ihnen leider nicht durchgehend aus der Feder geflossen - wer bei zweitgenanntem nicht an die BLACK CROWES in Bestform denkt, hat was verpasst. Bei solchen Nummern dürfen die Rechts/Links-Gitarren gerne auch etwas aufgesetzt tönen, ein Schippchen Klischee hat noch nie geschadet.

Die ganz große Euphorie, wie seinerzeit bei den japanischen Überfliegern SAVOY TRUFFLE, mag sich noch nicht einstellen. Dafür haben LIQUID GROOVE MOJO zu wenig gewagt. Aber für alle Anhänger klassischer Rockmusik mit fließenden Grenzen zwischen Blues, Jam und Southern Rock ist "Cradle To The Grave" selbstverständlich ein Muss. Schön gemacht!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.06.2005

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