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John Mayall And The Bluesbreakers

In The Palace Of The King

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In The Palace Of The King
In The Palace Of The King, Eagle Records, 2007
John Mayall Vocals, Piano, Harmonica, Lead Guitar (Now I've Got A Woman)
Buddy Whittington Lead & Rhythm Guitars, Backing Vocals, Lead Vocals (Big Legged Woman)
Joe Yuele Drums, Percussion & Cowbell
Hank van Sickle Bass, Upright Bass & Tambourine
Tom Canning Organ, Electric Piano
Gäste:
Lon Price Saxophone
Lee Thornburg Trumpet & Trombone
Michael Aarvold Rhythm Guitar (Palace Of The King)
Robben Ford Lead Guitar (Cannonball Shuffle)
Red Holloway Tenor Saxophone (King Of The Kings)
Produziert von: J. Mayall, B. Whittington, J. Yuele, H. v. Sickle & Michael Aarvold Länge: 59 Min 40 Sek Medium: CD
1. You Know That You Love Me8. Now I've Got A Woman
2. Going Down9. I Love You More Every Day
3. Some Other Day, Some Other Time10. Help Me Through The Day
4. Palace Of The King11. Cannonball Shuffle
5. I'd Rather Be Blind12. You've Got Me Licked
6. Time To Go13. King Of The Kings
7. Big Legged Woman14. Living On The Highway

Wie viel Masochismus muss man in sich haben, um John Mayalls (!) 2007er (!!) Album mit dem Namen "In The Palace Of The King" (!!!) zu besprechen? Bitte, wer sich an einen innovativen John Mayall zurückerinnern kann, muss entweder meine Oma oder Johannes Heesters sein. Oma ist 10 Jahre jünger als Heesters, hat sich aber wie dieser auch nie wirklich für Blues interessiert. Muss ich nun bloß wegen Enkelgeneration etc. leiden? Darf ich nicht einfach den Ende der Siebziger bis ca. 1982 (ähnlich wie die ebenfalls kommerziell längst abgestiegenen CANNED HEAT) ziemlich frisch aber banal rockenden Mayall in Erinnerung behalten und mir jedes weitere böse Wort fürderhin ersparen?
Nein, denn "In The Palace Of The King" erfüllt keinen einzigen Anspruch des Zynikers.
Wie macht der alte Mann das? Oma fragen. Oder Heesters. Aber der hat ja jüngst aufgehört zu rauchen, will sich wohl noch ein paar gesunde Jahrzehnte verschaffen. Oma trinkt wenigstens immer noch regelmäßig ihren Schnaps und ein kleines Bier zum Schnitzel. Und, verdammt, diese CD klingt auch nach Schnitzel paniert mit Bratkartoffeln und nicht nach Schonkost für die ganz zahnlosen Blueser.

Empfänger der CD ist Freddie King. Das ist gut, denn Albert und B.B. wurde längst genug gehuldigt. Freddie King starb 1976 mit nur 42 Jahren und hinterließ neben seinen Gitarrenklassikern DIE Frage überhaupt: Wie wäre es weitergegangen? Stellt man sich natürlich bei allen prominenten Toten, aber das ist müßig, denn die meisten hatte ihre Meisterwerke ante mortem bereits abgeliefert, danach wäre vermutlich größtenteils Selbstplagiat gekommen. Bei King war es ähnlich, auch wenn er Anfang der Siebziger via Label- und Kollegenhilfe durch Leon Russell und Eric Clapton noch mal einen gehörigen Popularitätsschub erfuhr. Russell nahm King 1970 für sein Label unter Vertrag und veröffentlichte zwei Studio- und eine Live-LP mit einem gehörigen Schuss Leon-Input, wogegen King als Songwriter kaum mehr in Erscheinung trat. Mayall versammelt immerhin 6 Songs aus dieser Phase Kings Karriere auf seiner CD. Man kann ihm nicht unbedingt verdenken, dass er dabei auf Gassenhauer wie Don Nix' Going Down oder Russels Help Me Through The Day zurückgreift, das Leben ist auch für einen britischen Rentner teuer. Allerdings lässt einen der Gedanke an den x-ten lahmarschigen Aufguss solcher Lieder schaudern. Dazu später.
Fünf weitere Songs stammen aus früheren Zeiten, zwei hat Mayall neu geschrieben - Time To Go ist seiner mit 100 Jahren verstorbenen Mutter gewidmet - und einer, der Cannonball Shuffle, stammt von Robben Ford und war bereits auf dessen 2003er Album "Keep On Running" erstmalig erschienen - übrigens mit John Mayall als Gast.
Beachtet man, dass Freddie King selbst nur zwei Mal als Autor in Erscheinung tritt, ist das Thema "Coveralbum" vom Tisch. Bleibt nur noch diese Angst vor altersstarrer Blues-Pampe.

Man kann es kurz machen. Der einzige Vorwurf an diese CD kann nur sein, dass die Produktion technologiebedingt zu modern ist. Es fehlt einfach die Tiefe analoger Großtaten. Aber das kann man John Mayall nun a.) wirklich nicht ankreiden und b.) haben sich all diese Männer lange genug mit Aufnahmetechnik aus der Spätsteinzeit abgequält. Lassen wir ihnen also ihr digitales Spielzeug. Andererseits könnte man auf einer Vinylplatte vermutlich manches (vor allem Percussion-) Detail niemals so (klinisch) sauber hören.
Wie die BLUESBREAKERS aber agieren, steht in einem eklatanten Widerspruch zu den langweiligen 08/15 Bühnendarbietungen der letzten Jahre. Speziell Gitarrist Buddy Whittington und Bassist Hank van Sickle klingen plötzlich wie ausgetauscht. Dass Joe Yuele ein großartiger Rhythmiker und Tom Canning ein Hammond-Könner ist, weiß ohnehin jeder.
Mayall singt wie immer, vielleicht eine Winzigkeit dünner als früher, seine Beiträge an der Gitarre sind minimal, die Harmonica und das Piano stehen im einfach näher. Und er zeigt in vielen Teilen dieser CD echte Leidenschaft. Also etwas, das etlichen seiner CDs der letzten Jahre fehlte.
Sahnehäubchen auf "In The Palace Of The King" sind die Bläser Lon Price und Lee Thornburg, beide seit Jahrzehnten auf ungezählten Blues-, Jazz-, Country- und Rock-Alben vertreten. Ihre Beiträge bewegen sich zwischen expressiv untermalend und messerscharf prägend auf Weltklasseniveau.
Ausgebuffte und abgewichste Profis allerorten. Aber die Songs?

Wie kann man einer Frau sagen, dass man der absolut beste Kerl auf Erden für sie ist? You Know That You Love Me! Großer Swing, überragende Gitarrenlicks, Pustefix-Gebläse.
Druckvoller als diese Version von Going Down kann man sich einen Song mit John Mayall nicht vorstellen. Whittington übertrifft sich selbst und Mayall hämmert aufs Piano ein, als ob er es verschrotten wollte. Big shot!
Palace Of The King wurde 1971 von Don Nix, Leon Russell und Donald "Duck" Dunn für "Getting Ready." geschrieben. Es gibt ein Cover von Popa Chubby (empfehlenswert), eines von STONE THE CROWS mit Maggie Bell (großartig) und dieses. Im Ranking steht die Neuauflage hinter dem nicht zu übertreffenden Original und der verschwitzten Version der unglücklichen STONE THE CROWS. Aber es dampft noch immer so gewaltig, dass man vergisst, dass es die BLUESBREAKERS sind. Wieder ist Whittington neben den Bläsern der Bringer.
Russells I'd Rather Go Blind veredelt Mayall höchstselbst mit einer feinen Harp.
Einen Abzug in der B-Note gibt es für Big Legged Woman. Mit 4 Minuten ist dieser herrliche Blues-Jam viel zu kurz. Whittington darf singen, was er auch anständig erledigt, aber das Zusammenspiel der Band ist der eigentliche Höhepunkt.
Ein klasse Shuffle: I Love You More Every Day. Dies gilt nur bedingt für Robben Fords lange Zeit blutleeren Cannonball Shuffle, bei dem erst ein hochklassiges Solo für Stimmung sorgen kann. Ford war, ist und bleibt einfach viel zu clean für echte Emotionen.
Ein schönes Honky-Tonk Denkmal setzt Mayall King mit King Of The Kings. Dazu bläst ein weiterer Gast eine sensationelle Tenor-Kanne. Es handelt sich dabei um Red Holloway (Jahrgang 1927), der seit Urzeiten immer wieder auf maßgeblichen Bop-, Jazz- und Blues-Scheiben erscheint und den ich als Leader einer kleinen Big Band selbst live erleben konnte. Big shot #2 auf diesem Album.

John Mayall hat allen Vermutungen zum Trotz in nur 3 Tagen Studiozeit ein sehr gutes Album gemacht. Natürlich kennt man die meisten Stücke in- und auswendig, nicht zuletzt von Mayall selbst, aber so viel Leben hätte man ihm und seiner Band nicht zugetraut. Ohne Alterbonus und Heldenverehrung: Respekt, Herr Mayall!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.05.2007

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