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| Black Rock, Provogue Records, 2010 |
| Joe Bonamassa |
Guitars & Vocals |
| Anton Fig & Bogie Bowles |
Drums & Percussion |
| Carmine Rojas |
Bass |
| Rick Melick |
Keyboards |
| Gäste: |
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| B.B. King |
Vocals & Guitar (Night Life) |
| Manolis Karadinis |
Bouzouki |
| Thanasis Vasilopoulos |
Clarino |
| Lee Thornburg |
Brass & Arrangements |
| David Woodford |
Saxophone |
| Produziert von: Kevin Shirley |
Länge: 53 Min 49 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Steal Your Heart Away | 8. Night Life |
| 2. I Know A Place | 9. Wandering Earth |
| 3. When The Fire Hits The Sea | 10. Look Over Yonders Wall |
| 4. Quarryman's Lament | 11. Athens To Athens |
| 5. Spanish Boots | 12. Blue And Evil |
| 6. Bird On A Wire | 13. Baby You Gotta Change Your Mind |
| 7. Three Times A Fool | |
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Bonamassa im Halbjahresrhythmus kann anstrengend sein, aber wenigstens sich selbst macht er immer wieder glücklich. "Live From The Royal Albert Hall" im letzten Herbst war sein persönliches Karrieregipfelchen (wegen der Royal Albert Hall und dem Auftritt von Clapton), "The Ballad Of John Henry" und davor "Sloe Gin" brachten ihn in Punkto Selbstverwirklichung etliche Schritte weiter, und diesmal hat er sich B.B. King mitsamt einer seiner 16 Lucilles als Gast kommen lassen. Jeder setzt sich seine Glanzlichter selbst, es bleibt allerdings die Frage, was sich unser 33jähriger Held als nächstes einfallen lässt. Vielleicht ein Solo mit einem 1970 von Jimmy Page eigenhändig bei einer schwarzen Messe rückwärts und auf dem Kopf stehend gespielten Geigenbogen? Am besten etwas von Paganini, dem Teufelsgeiger, im Blues-Stil von Robert Johnson, dem Seelenverkäufer. Egal, jetzt erst mal "Black Rock".
Aufgenommen auf einer der Inseln der Santorin-Inselgruppe in der Ägäis in einem Studio namens Black Rock, eingespielt von der zuletzt aktiven Live-Band, produziert wieder von Kevin Shirley, der diesmal noch einen Schuss LED ZEPPELIN mehr ins Spiel brachte, was ihm Bonamassa mit seiner Songauswahl aber auch nicht besonders schwer machte. Speziell der Eröffnungssong Steal Your Heart Away und später Blue And Evil winken mit mehr als einem Zaunpfahl nach dem Luftschiff. Blue And Evil, eine Eigenkomposition, hat eine Ladung Kashmir-Gewölle und im Mittelteil ein wunderbares Solo im Page-Stil zu dessen allerbesten Zeiten zu bieten, Steal Your Heart Away von Bobby Parker, den Clapton und Page verehren und der auf der DVD "Blues At Montreux 2004" von Carlos Santana protegiert wurde, wurde angeblich sogar von Robert Plant für dieses Album vorgeschlagen. Ja, Joe Bonamassa ist in den Köpfen der ganz Großen angekommen. Dass die allesamt schon reichlich ergraut sind… nun ja.
Wie gesagt, der Sound. Er schließt wie das gesamte Albumkonzept inklusive dem folkigen Quarryman's Lament, das als Fortsetzung von Story Of A Quarryman gelten darf, an "The Ballad Of John Henry" an. Nur den erfrischenden Funk von "John Henry" gibt es leider nicht mehr. Wer nicht unbedingt auf klassische ZEP-Soundwände steht, könnte ein Problem haben. Wuchtig kommt "Black Rock" daher, auch relativ heavy, nach griechischer Leichtigkeit und lauen Sommerabenden bei Wein und leckerem Fisch klingt es allerdings nicht. J.B. arbeitet seine Musik nach wie vor und gibt dem "natürlichen Flow" (zu) wenig Raum, obwohl sich diverse Songs auf "Black Rock" geradezu anbieten, die Beine baumeln zu lassen. Leonard Cohens Bird On A Wire beispielsweise. Es erklingt zwar allerlei griechisches Instrumentarium und die Akustische begleitet zauberhaft, aber des Meisters Stimme mag einfach nicht entsprechend entspannt mitswingen und die Drums donnern zu laut. B.B. King macht es auf Night Life vor, kräht sozusagen live aus dem Schaukelstuhl ein paar Verse und streut sparsame Gitarrenlicks ein. Dagegen kommt Otis Rushs Three Times A Fool beinahe wie eine Gary Moore-Holzhackernummer. Die Ruhe eines Willie Nelson, von dem Night Life stammt, fehlt Bonamassa einfach (noch), er kapriziert sich nach wie vor zu oft auf zur Schau gestellte Hochleistung, anstatt gemütlich am griechischen Wein zu nippen.
Dass er zwischendurch loslassen kann, beweist J.B. beim akustischen Athens To Athens, das mit einheimischen Musikern und Instrumenten ein hübsches Interludium bildet.
Kritik an einem Supergitarristen ist immer leicht, denn von solchen Leuten erwartet man ausschließlich Sensationen, jedoch darf man nicht vergessen, dass sich die Wunderknaben freiwillig stellen und die Heldentaten der Vorfahren überbieten wollen, also dürfen sie auch an diesen gemessen werden. Joe Bonamassa interpretiert freiwillig, hoffentlich wenigstens, den Klassiker Spanish Boots vom Rock'n'Roll-Album "Beck-Ola" der damaligen Jeff Beck Group mit Rod Stewart, Ron Wood und Nicky Hopkins. Und weil er Jeff Beck nicht kopieren will und Rod Stewart nicht kopieren kann, geht er die Nummer anders als jene an - und macht einen genialischen eigenen Song daraus. Zum Vergleich nimmt man sich das alte Vinyl und entdeckt folgenden Satz auf der Coverrückseite: "Today, with all the hard competition in the music business, it's almost impossible to come up with anything totally original. So we haven't. However, this disc was made with the accent on heavy music. So sit back and listen and try and decide if you can find a small place in your heads for it." Wohlgemerkt, die LP "Beck-Ola" entstand 1969, doch Beck hat schon damals die Hoffnungslosigkeit jeglichen Innovationswahns in der Musik erkannt. Musik ist gut, belanglos oder schlecht, neu wird sie nimmermehr. Joe Bonamassa gebührt für seine Neufassung von Spanish Boots auf jeden Fall mein persönlicher Kritikerpreis. Nur Warren Haynes hat derzeit eine vergleichbare Gabe, fremde Songs zu seinen eigenen zu machen.
Ähnliches wie für Spanish Boots gilt für I Know A Place von John Hiatts 2001er Groove-Meisterwerk "The Tiki Bar Is Open". Allerdings wird die Lässigkeit des Originals von Bonamassas und Shirleys Hang zum Heavyblues erschlagen, obwohl hier näher an der Urfassung operiert wird als bei Spanish Boots. Sonny Landreth, der bei Hiatt damals wieder tätig war, ist eben nicht nur ein Gitarrengott, er ist auch ein Gott des Feelings. Daran muss Joe noch arbeiten, auch wenn er spätestens seit "Sloe Gin" und auch auf "Black Rock" durchaus mit gefühligen Momenten aufwarten kann.
"Black Rock" ist also ein typisches Bonamassa-Album geworden, mit allen High- und Lowlights, die sämtlichen bisherigen neun Studio- und Live-Platten zu eigen waren. Ihm ist zu wünschen, dass zu seiner Kreativität und Arbeitswut (die nächste Monster-Tour läuft bereits) in den nächsten Jahren auch noch ein klein wenig Gelassenheit kommt. Dann wäre er nämlich den ganz Großen endgültig und nicht nur technisch ebenbürtig.
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