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Jimmy Barnes

Out In The Blue & Live At The Playroom '84

Collectors' Edition Tour Pack
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Liberation Music
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Out In The Blue
Out In The Blue & Live At The Playroom '84, Edel Records/Liberation Music, 2008
Jimmy Barnes Lead & Harmony Vocals, Acoustic Guitar
Jackie Barnes Drums, Percussion, Piano, Background Vocals, Wurlitzer
Chris Haigh Bass
Jim Moginie Acoustic & Electric Guitar, Nylon String Guitar, Resonator Guitar, Piano, Keyboards, Omnichord, Rhodes
Mark Punch Electric Guitar, Slide Guitar, Baritone Guitar
Kasey Chambers Vocals (When Two Hearts Collide)
Mahalia Barnes, E.J. Barnes, Ely-May Barnes, Darren Percival, Tina Harrod & Juanita Tippins Background Vocals
Produziert von: Nash Chambers; Jimmy Barnes ("Live At The Playroom '84") Länge: 47 Min 55 Sek & 44 Min 23 Sek Medium: Do-CD
CD 1: "Out In The Blue"
1. I Can't Tell You Why7. Everything Is Changing
2. Out In The Blue8. Better Off Alone
3. You From Me9. Water Wash All Over Me
4. Blue Hotel10. I'm Surprised
5. When Two Hearts Collide11. Losing You
6. Red Light12. Forgiveness
CD 2: "Live At The Playroom '84"
1. Boys Cry Out For War7. Promise Me You'll Call
2. Paradise8. No Second Prize
3. Daylight9. A Change Is Gonna Come
4. Thickskinned10. Great Balls Of Fire
5. Vision11. Like A Rolling Stone
6. Resurrection Shuffle

Update:

Schau an, man muss nur ein wenig insistieren, schon kommt auch eine komplette Veröffentlichung in den Player des Rezensenten - und setzt Teile des weiter unten geschriebenen Textes außer Kraft. Es liegt nunmehr nämlich das gesamte Paket der "Out In The Blue - Collectors Edition" vor, also auch die bisher unerhörte zweite CD "Live At The Playroom '84". Völlig unangetastet bleibt die Meinung zur schwachen Scheibe "Out In The Blue", aber der Konzertmitschnitt vom 21. und 22.12.1984 macht die Sache zum unabdingbaren Pflichtkauf.

Um das Fazit vorwegzunehmen, die Playroom-Aufnahmen zeigen, dass die trotzdem vorzüglichen Live-Alben "Barnestorming" (1988) und auch COLD CHISELs 81er "Swingshift" letztendlich doch gehörige Zugeständnisse an das (australische) Massenpublikum waren. Wer das Glück hatte, die beiden Acts in diesen frühen Jahren live zu sehen, wird einen signifikanten Unterschied zwischen den Konserven und den Auftritten in unseren kleinen Hallen festgestellt haben. Diesen Unterschied gibt es auf "Live At The Playroom '84" nicht. Das hier ist Jimmy Barnes wie es ihn derber und authentischer sonst nicht gibt.
Letztlich knallt uns die Essenz des damaligen Studioalbums "Bodyswerve" vor den Kopf, plus ein paar ausgesuchte Coversongs. Schwerst stampfend und mit einer beinahe metallischen Gitarre explodiert gleich als Einstieg Boys Cry Out For War. Jimmy Barnes war in diesen Jahren DER Rock-Schreihals schlechthin, man fragt sich, wie laut die Band spielen musste, um diesem Untier Paroli bieten zu können. Unglaublich. Der Hochgeschwindigkeits-Rock & Roll Paradise rast gleich hinterher und man tupft dem CD-Player die ersten Schweißtropfen von der Frontplatte.
Leider ist die Bandbesetzung nicht angegeben, mutmaßlich ist es etwa die Mannschaft von "Bodyswerve", aber es hat sich eindeutig um Kraftsportler gehandelt, die dieses Pfund ins Publikum wuchteten. Es ist vollkommen klar, dass keine Band (außer AC/DC) und kein Sänger der Welt ein solches Tempo durchhalten kann, folgerichtig folgt das leicht soulige Daylight in einer verhältnismäßig moderaten Fassung. Aber trotzdem kommt die volle Kraft dieser Rock-Lokomotive zum Einsatz. Zeit zum Ausruhen ist keine, auch nicht beim von einer Mandoline verzierten Thickskinned und dem melodischen Vision. Barnes und seine Band schuften wie die Berserker und stellen sich auf eine Stufe mit den ganz großen Arbeitern der Rockgeschichte, also den erwähnten AC/DC und Leuten wie Bob Seger. Doch es kommt noch viel schlimmer.

Der zweite Teil der CD gehört überwiegend den Coversongs. Die Namen klingen gar nicht so spektakulär: ASHTON, GARDNER & DYKE, Sam Cooke, Jerry Lee Lewis und Bob Dylan. Aber was dann passiert, schießt "Live At The Playroom '84" in die gehobenen Ränge der klassischen Live-Alben. Also zwischen diejenigen Platten, die Rockfans bis heute in Verzückung versetzen, weil die Protagonisten nicht nur alles fürs Publikum geben, sondern sich an ihrem Treiben selbst so berauschen, dass legendäre Ergebnisse dabei entstehen. Auf solchen Werken sind es meist Kleinigkeiten, die den endgültigen Funken überspringen lassen, hier ist es der Drummer, der wenig subtil aber um so kraftvoller den Resurrection Shuffle anschiebt und dann mit ihm wie ein Viererbob zu Tale donnert. Es ist eine nicht zu beschreibende Gewaltleistung, die die Band mit diesem Oldie von Tony Ashton vollbringt, Hard Rock aus dem Lehrbuch, eine Boogie-Detonation. Das heimische Abspielgerät hängt mittlerweile mitsamt Lautsprechern in den Seilen wie ein angeknockter Boxer und überlebt nur, weil die nächsten drei Runden in gemäßigtem Tempo ablaufen und als Anlauf für den finalen Gong dienen.
Great Balls Of Fire und Like A Rolling Stone hat man wohl nur von einem anderen Musiker in ähnlich intensiven Fassungen gehört: Johnny Winter. Was hier als vergleichsweise harmlose Rock'n'Roll-Spielerei beginnt, endet in einem atemlosen Shuffle (nur der Zuhörer ist atemlos, Barnes zerbrüllt den Uluru, aka Ayers Rock), der als Referenz für alle zukünftigen Versuche junger Rocker dienen muss. Nebenbei gibt es in Like A Rolling Stone noch eine wundervolle Gitarre und das reine Gänsehauterlebnis.

"Live At The Playroom '84" ist großes Entertainment, große Rockmusik, großes Vergnügen für alle, die schwitzende Kerle nicht eklig finden. Darauf ein großes Bier!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.09.2008

Schon mal den Zahnabdruck eines Musikrezensenten im Schreibtisch gesehen? Da, guckt her.
Und das kam so: Als vor einem Jahr die CD "Out In The Blue" - natürlich nicht in Deutschland - veröffentlicht wurde, bemühte der inzwischen zahnlose Rezensent den Mailorder seines Vertrauens, um das Lebenszeichen des von einer Herzoperation genesenen Jimmy Barnes zeitnah in der Sammlung zu haben. Natürlich wohl wissend, dass die Scheibe irgendwann auch regulär bei uns veröffentlicht werden würde, aber sei's drum. Oft lief "Out In The Blue" in den folgenden Monaten nicht, irgendwie fehlte dem Teil der Biss (sic), den manche frühere Barnes-CD hatte. Manche! Der stromlose Unsinn und all die überschmalzten Balladen auf vielen seiner letzten Platten hatten doch ein wenig an der Reputation der australischen Kreisch-Legende gekratzt. Das Soul-Intermezzo hatte jedoch Klasse, live gab es sowieso nie Grund zur Klage, und deswegen hoffte man eben auf "Out In The Blue", sogar zum Importpreis.
Nun ja, jetzt ist es soweit, die CD erscheint endlich auch in Europa offiziell. Sogar als "Special Edition" mit einer Bonus-CD. Jimmy Barnes live, kurz nach der Trennung von COLD CHISEL im Jahr 1984. Kriegt man da nicht ganz lange Zähne?
Dumm nur, dass die Plattenfirma genau diese Bonus-CD nicht zur Begutachtung herausgibt und weder Rezensent noch Leser erfahren werden, wie geil "Live At The Playroom '84" wirklich ist. Oder handelt es sich um eine völlig minderwertige Aufnahme, für die sich Edel Records schämt? Geht man also davon aus, dass das Stimmvieh eh kauft?
Festzustellen ist auf jeden Fall, dass man die meisten Nummern dieser nicht vorhandenen Bonus-CD von Liveplatten wie "For The Working Class Man", "Barnestorming Live" oder "Raw" kennen dürfte, allerdings eben nicht in Versionen aus dem Jahr 1984, als Jimmy gerade mal 28 war und von Sauferei und anderen Giften noch relativ unbeschadet die halbe Welt ohne Mikrophon bebrüllen konnte. Reden wir an dieser Stelle eben nur (schlecht) von "Out In The Blue" als solches.

Grundsätzlich ein bedenkliches Zeichen ist, wenn auf einer CD die Hitsingle direkt an den Anfang gestellt wird. I Can't Tell You Why ist natürlich keine schlechte Single, aber eben ein Song für die vermeintlichen Massen. Barnes kräht halbwegs verhalten einen Mainstream-Song, der einen nicht quält, aber künstlerisch völliges Mittelmaß darstellt. Mag ja sein, dass der Meister auf dieser Platte seine Biographie aufarbeitet und introspektiv reflektiert, aber muss es denn gleich so pathetisch sein? Manches klingt synthetisch, anderes schwülstig, im schlimmsten Fall kommt beides zusammen und Barnes müht sich mit der zugemischten Kasey Chambers durch When Two Hearts Collide, das an die schlimmsten Duette der Rock- und Popgeschichte locker heranreicht. Was für eine Freude, wenn endlich in Red Light ein paar Gitarren und die Orgel richtig anschieben. Wäre nicht der versülzte Chorus, die Nummer ginge als wirklich lässiges Teil durch.
Souliger Gesang dann in Everything Is Changing, doch der Song ist bis auf ein twangendes Gitarrensolo eine dröge Ballade, eines Kalibers wie Barnes nicht würdig, schon gar nicht mit den erschreckend langweiligen Background Vocals. Better Off Alone mutet infantil an, Water Wash All Over Me ist mit dem windelweichen Rhodes Piano, den Instantgeigen und den Las-Vegas-Chören eine Zumutung - und man bezweifelt ernsthaft, ob die kurze Aufnahmedauer von nur acht Tagen eine gute Idee war. Es klingt einfach nicht gut, meist aufgesetzt und künstlich, am Anspruch eines Barnes-Fans komplett vorbei. Die rohe Fassung von I'm Surprised beweist, dass es auch anders geht, man freut sich über die rudimentäre Gitarre zur ansprechenden Slide. Rock & Roll ist das nicht, aber eine schöne Roots-Ballade.
Die beiden letzten Nummern ziehen die Wurst auch nicht mehr vom Teller, nerven aber immerhin nicht, trotz ihrer beschaulichen Art.

Ganz klar, "Out In The Blue" ist Jimmy Barnes' langweiligstes Soloalbum neben den Unplugged-Geschichten und dem kürzlich (in Australien) erschienen "Live At The Sydney Opera House" mit seinen orchestralen Interpretationen.
Wir verstehen durchaus, dass einem Volkshelden im popmusikalisch übersichtlichen Australien irgendwann kaum mehr etwa anderes übrig bleibt, als neue Wege zu beschreiten, aber gar so dick auftragen und erwachsen tun müsste man auch nicht. Immerhin kommt Jimmy demnächst wieder auf Deutschlandtour und wird hier ganz sicher nicht Süßholz raspeln. Womit wir wieder bei der "Special Edition" von "Out In The Blue" wären, denn die zweite CD besteht wie gesagt aus einem Liveauftritt von 1984 und verkörpert mutmaßlich genau das, wofür wir Jimmy Barnes lieben: Rock & Roll.
Der Rezensent nuckelt derweil an der Schnabeltasse und sitzt leise weinend an seinem "Desk of Pain".

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.09.2008

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