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| Garcia Plays Dylan, Rhino Records, 2005 |
| Jerry Garcia |
Vocals, Guitar |
| Merl Saunders |
Organ |
| Bill Vitt |
Drums |
| John Kahn |
Bass |
| Nicky Hopkins |
Piano |
| Ron Tutt |
Drums |
| Martin Fierro |
Sax |
| Keith Godchaux |
Piano, Background Vocals |
| Buzz Buchanan |
Drums |
| Melvin Seals |
Keyboards |
| David Kemper |
Drums |
| Jackie LaBranch & Gloria Jones |
Vocals |
| Ozzie Ahlers |
Keyboards |
| Johnny DeFoncesca |
Drums |
| Bob Weir |
Guitar |
| Brent Mydland |
Keyboards |
| Phil Lesh |
Bass |
| Mickey Hart & Bill Kreutzmann |
Drums |
| Vince Welnick |
Keyboards |
| Produziert von: Blair Jackson & Peter McQuaid |
Länge: 148 Min 11 Sek |
Medium: Do-CD |
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| CD 1: | |
| 1. It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry [Garcia-Saunders] | 5. Knockin' On Heaven's Door [Jerry Garcia Band] |
| 2. Tough Mama [Jerry Garcia Band] | 6. Simple Twist Of Fate [Jerry Garcia Band] |
| 3. Positively 4th Street [Jerry Garcia Band] | 7. I Shall Be Released [Jerry Garcia Band] |
| 4. The Wicked Messenger [Legion Of Mary] | |
| CD 2: | |
| 1. When I Paint My Masterpiece [Jerry Garcia Band] | 5. Señor (Tales of Yankee Power) [Jerry Garcia Band] |
| 2. She Belongs To Me [Grateful Dead] | 6. Visions Of Johanna [Grateful Dead] |
| 3. Forever Young [Jerry Garcia Band] | 7. The Mighty Quinn (Quinn The Eskimo) [Grateful Dead] |
| 4. Tangled Up In Blue [Jerry Garcia Band] | 8. It's All Over Now, Baby Blue [Grateful Dead] |
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Dass Jerry Garcia ein riesiger Fan von Bob Dylan war und über die Jahrzehnte unzählige seiner Songs nachgespielt hat ist bekannt. Dass Garcia und GRATEFUL DEAD auch verschiedentlich mit Dylan zusammengearbeitet haben, woraus zum Beispiel 1989 die erschreckend langweilige LP "Dylan & The Dead" hervorging, ist ebenfalls kein Geheimnis. Jeder weiß auch, dass seit dem Tod Garcias und dem Ende von GRATEFUL DEAD eine wahre Veröffentlichungsflut von bisher kaum bekanntem bzw. bisher unveröffentlichtem Material über die Deadheads hereinbricht und sich vor allem die Firma Rhino dabei größtmögliche Mühe gibt, die Fans in Punkto Soundqualität (mit CDs, die zumeist im HDCD Format einen perfekten Klang garantieren) und Aufmachung zu befriedigen.
Dennoch bleibt zunehmend ein etwas mulmiger Beigeschmack, denn die Masse der Releases ist kaum mehr zu bewältigen - außer vielleicht, man ist 100%-Fan und braucht grundsätzlich alles aus dem Hause Garcia & Kollegen. Diese Menschen besitzen sicherlich bereits die Compilation "Postcards Of The Hanging: The Grateful Dead Perform The Songs Of Bob Dylan", die Arista vor ein paar Jahren auf den Markt warf. Waren dort größtenteils Aufnahmen aus den mittleren und späten Achtzigern enthalten, bekommt der geneigte Konsument nun Liveaufnahmen aus den Jahren 1973 bis 1995, und das nicht nur von GRATEFUL DEAD, sondern auch, beinahe die gesamte Karriere Garcias umspannend, von GARCIA AND SAUNDERS, der JERRY GARCIA BAND und LEGION OF MARY. Wenn man der Plattenfirma glaubt, sind alle Aufnahmen bisher nicht offiziell auf Tonträger erhältlich gewesen. Nun gut.
Die hier gecoverten Nummern stammen allesamt aus den frühen Tagen Dylans bis 1975, "neuestes" Werk ist das unspektakuläre Señor (Tales of Yankee Power) von der 78er "Street Legal" LP. Möglicherweise belegt das auch Garcias Meinung über die von Dylan später komponierten Songs - schließlich ist nicht nur Dylans Spätwerk viel diskutiert, auch Garcia hatte ab den 80ern gewisse kreative Engpässe.
Über Dylans Qualitäten als Musiker braucht man nicht zu diskutieren. Er ist und bleibt ein lausiger Sänger und Gitarrist. Als Songwriter ist er natürlich der vermutlich wichtigste Mensch des letzten Jahrhunderts.
Über Garcias musikalische Fähigkeiten kann man streiten. Manche halten ihn für einen Gitarrengott, meine persönliche Meinung weicht davon massiv ab. Kaum einer schafft es, ein Solo zu 98% korrekt und bisweilen mitreißend zu spielen und dann doch noch mit einem eklatanten "Hund" zu versauen und dennoch selbst den bekifftesten Hippie zum Luftgitarrespielen zu bringen. Singen hat er ohnehin nie gelernt, sein latenter Hang zu falschen Tönen würde bei jedem anderen für Belustigung sorgen. Dennoch, Jerry Garcia kann den Zuhörer noch so quälen, seine einzigartige Hingabe an den gerade gespielten Song - und natürlich seine hervorragenden Mitspieler in jeder seiner Bands - lassen zurecht fast immer diese Magie auf den Zuhörer überspringen, die für den immerwährenden Kult um ihn gesorgt hat. Die Interpretationen auf "Garcia Plays Dylan" unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht im Geringsten von seinen sonstigen Liveplatten - eventuell wird gerade deshalb mancher Studiooutput Jerrys kontrovers diskutiert, weil eben die Nichtperfektion des Liveauftritts fehlt.
Die beiden CDs von "Garcia Plays Dylan" sind jeweils beinahe chronologisch geordnet und erstrecken sich auf CD 1 von 1973 bis '87, mit Schwerpunkt auf der JERRY GARCIA BAND. In der war 1975 u.a. Nicky Hopkins als Keyboarder tätig und drückte mit seinem glasklaren Pianospiel Tough Mama und Positively 4th Street seinen Stempel auf. Da kann Garcia noch so "dilettieren", Hopkins führt die Band durch insgesamt 20 Minuten allerbesten Jam. Musikalisch anders, aber ähnlich virtuos, macht Merl Saunders mit seiner Orgel aus dem ursprünglichen Dreiminüter The Wicked Messenger eine fast viertelstündige Predigt. Im Zusammenspiel mit Saxophonist Martin Fierro brilliert Garcia hier unerhört und lässt eines seiner besten Dauersoli hören. Für Freunde handelsüblicher Popsongs ist solches Liedgut unerträglich, alle anderen werden sich daran bis zur Besinnungslosigkeit berauschen.
Sehr speziell ist die nächste Viertelstunde. Knockin' On Heaven's Door in einer beinahe stehenden Fassung, sozusagen als Doom-Folk, mit Keith und Donna Godchaux (die als Sängerin durchaus fragwürdig ist) und der J.G.B. von 1976. Das Original aus dem Film "Pat Garrett & Billy The Kid" besticht natürlich durch seine unglaubliche Lässigkeit, Jerry Garcia macht daraus unglaubliche Meditationsmusik, aus der einen höchstens das leicht nervige Solo nach etwa 10 Minuten schreckt.
Dylans LP "Blood On The Tracks" wurde 1975 hoch gelobt, stößt bei mir allerdings bis heute auf Unverständnis. Das gilt auch für Simple Twist Of Fate, das sich irgendwie nicht zwischen Fisch und Fleisch, also zwischen U- und E-Musik entscheiden kann. Dylan bzw. Garcia in ungewohnter Smooth-Stimmung, ohne Biss und Drive, dazu die etwas statischen Drums von Buzz Buchanan. Das wird kein Favorit des Rezensenten mehr.
Ähnliches gilt für I Shall Be Released, das von THE BAND so einzigartig gespielt wurde, dass diese Aufnahme von 1987 zwangsläufig verblassen muss. Interessierten sei an dieser Stelle auch die Version der TOM ROBINSON BAND von 1977 empfohlen.
CD 2 dieses schicken Doppelpacks präsentiert die J.G.B. und DEAD in den Jahren 1980 bis '95. When I Paint My Masterpiece, im Original ebenfalls von THE BAND, erscheint hier 1. in der eher ungewöhnlichen Besetzung Garcia, Ahlers (Keyboards), Kahn (Bass), DeFoncesca (Drums) und 2. etwas deplaziert. Garcia versteigt sich in seinem Solo und die Keyboards klingen seltsam "modern".
Alles andere als modern ist natürlich die folgende Fassung von She Belongs To Me von GRATEFUL DEAD. Endlich kommt Bob Weir zum Einsatz und endlich auch ein Song der epochalen LP "Bringing It All Back Home" von 1965. Im Grunde hatte Dylan auf dieser Platte nur Klassiker, von Subterranean Homesick Blues über Maggie's Farm, Mr. Tambourine Man bis It's All Over Now, Baby Blue, möglicherweise ist She Belongs To Me der "schwächste" aller. Egal, hier wird zelebriert und nicht gecovert.
Tatsächlich langweilig ist allerdings Forever Young, in dem Garcia alles andere als jung klingt. Melvin Seals' ansonsten wundervolle Orgel klingt hier leider wie live aus der Aussegnungshalle und die großartigen Gloria Jones und Jackie LaBranch tragen den Song zu Grabe. Schade.
Noch mal "Blood On The Tracks", diesmal allerdings das Highlight daraus, Tangled Up In Blue. Die beiden Ladies Jones und LaBranch singen viel zu laut für Garcias Stimmchen, dafür groovt er sich auf der Gitarre toll, wenngleich ab und an stotternd ein und die Band folgt mühelos und, im Fall von Melvin Seals, Akzente setzend.
Die letzten gut 20 Minuten gehören dann wieder den GRATEFUL DEAD. Dabei kommt Visions Of Johanna vom vorletzten Konzert der Band, am 8. Juli 1995 in Chicago. Kein Meisterwerk, aber ein klassischer DEAD-Groover. Einen Monat später war Jerry Garcia tot.
Sozusagen als Zugabe gibt es dann noch The Mighty Quinn und It's All Over Now, Baby Blue.
"Garcia Plays Dylan" dokumentiert alle Schwächen Jerry Garcias, zeigt aber auch seine Stärke. Deswegen natürlich Pflicht für Musikhistoriker, Dylan- und Garcia-Fans. Ob sich der unbeleckte Hörer davon überzeugen lässt? Vielleicht wäre dafür eine weniger themenbezogene Compilation besser. Rhino haben aus diesem zusammengewürfelten Haufen Musik jedenfalls eine sehr schöne Abhandlung in wirklich bestmöglicher (= bestechender) Qualität gemacht. Dazu gibt es einen liebevollen Covertext von Blair Jackson.
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