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Boost

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Boost
Boost, Blow Till Midnight Records/BOB Media/Soulfood, 2012
Patrick Pfau Vocals, Acoustic Guitars
Malte Triebsch Electric-, Acoustic- & Slide Guitars, Dobro
Ulrich Bichmann Bass
Dominique "Gaga" Ehlers Drums, Percussion
Gäste:
Chris Kramer Harp
Tobias Cosler Keyboards, Piano
Recording, Mix & Mastering von:
Martin Meinschäfer
Länge: 54 Min 55 Sek Medium: CD
1. Damned To Ride8. Unforeseen Emotion
2. Dark Town9. Hot'n'Nasty
3. Catch Us All10. Turn Around
4. Rise Of Anger11. Steamroller
5. Come On Home12. Message From The Gods Of Rock'n'Roll
6. Best Friends13. Going Nowhere
7. Surrounding Blues14. Gone Gone Gone

Bluesrock ist längst ein schwieriges Thema geworden. Klar, in den Clubs funktioniert der Rhythm'n'Booze nach wie vor, es gibt ja auch kaum eine effektivere Musik für Seele, Bauch und Beine als einen zünftig rockenden Boogie, aber auf den Tonträgern erlebt man viel zu oft holprige, schlecht produzierte, zigtausendmal gehörte oder völlig verkopfte Darbietungen, die sich in ihrer Einfallslosigkeit gegenseitig überbieten und den über Jahrzehnte mit dieser Musik grau gewordenen Hörer bestenfalls zum Griff zu den Originalen im Plattenschrank animiert.
Wir haben hier im letzten Jahrzehnt über unzählige Genre-Bands berichtet, allerdings auch viele wegen Unwichtigkeit weggelassen. Bei HOT'N'NASTY geht das nicht, denn die Nordrheinwestfalen spielen mit ihrem zweiten bzw. dritten Album (das erste war wohl mehr oder weniger ein Demo) endgültig in der Qualifikation zur Champions League mit - und kommen spieltechnisch gesehen sicher weiter als die Fußballer des BVB kürzlich.

"Boost" lässt bezüglich des Bandnamens endlich die Hosen runter, natürlich hat man sich von HUMBLE PIEs Hot'n'Nasty inspirieren lassen, die einzige Coverversion des Albums ist eben jener Klassiker aus dem Jahr 1972. JEDE Band auf diesem Planeten geht ein großes Risiko ein, wenn sie ausgerechnet eine Großtat von Steve Marriott in ihr Repertoire aufnimmt. Wer den kleinen Brüllwürfel jemals in Hochform live gesehen hat weiß, dass es keinen Sänger gibt, der gleichzeitig so viel Blues, Soul und funky Hard Rock in die Welt brüllen kann wie er, es gilt dementsprechend für jeden Nachahmer: Don't try this at home! Zu seinem - und unserem - Glück hält sich Patrick Pfau an diese Regel und macht nicht mehr als sonst auch, nämlich seine mächtige Stimme genau so einsetzen wie er es besser kann als gefühlte 99% seiner Mikrophonkollegen. Den Rest erledigen die durch einen Leslie gejagte Orgel und die dreieinhalb Minuten beinhart swingende Band. Hebe der den Finger, der sich gegen so viel Rock & Roll erwehren könnte.
Die dreizehn Eigenkompositionen auf "Boost" arbeiten sich durch so gut wie alle Facetten des Bluesrock, vom dröhnenden Biker-Monument Damned To Ride über leichtfüßigen Southern-Boogie (Catch Us All) zu Chicago-, Delta-, epischem Slow-, frischem Slide- oder Country-Blues (Steamroller), zwischendurch wird man auch mal in den Funk'n'Soul-Schwitzkasten genommen - und riecht hinterher auch so. Bei Message From The Gods Of Rock'n'Roll gibt es kein Rauchverbot und nur gehaltvolle Getränke zum schwarz dampfenden Rhythmus mit seinem geschickt eingebauten ZZ TOP Mittelteil. Und noch etwas wird spätestens bei der Botschaft der Götter klar: dieser Pfau klingt verdammt nach einem gewissen Elmer Gantry. You know, das ist der erst kürzlich wieder zum Vorschein gekommene Riese von STRETCH. Zum Beweis höre man den Surrounding Blues, der aber sowas von "stretchig" dahin slidet, dass es eine Pracht ist. Bei HOT'N'NASTY wird nicht mehr gekleckert, "Boost" ist ein ausgewachsener aber keinesfalls roher Klotz geworden.

Im Zusammenhang mit dieser Sorte Musik klingt es komisch, aber "Boost" ist sexy. Die Gründe dafür sind vielfältig, da ist die Klasse und Routine der Band zu nennen, die Qualität der eigenen Songs und das Gelingen von Hot'n'Nasty, der unaufdringliche Einbau der Gastmusiker Tobias Cosler (Tasten) und 'Crazy' Chris Kramer (Harmonika), und nicht zuletzt ist die großartige Produktion schuld am Endergebnis. Es ist ein doofes Modewort, aber diese CD ist "vintage", allerdings ohne altmodisch zu sein, sie ist druckvoll, transparent, warm und eben nicht auf MP3-Format gequetscht, wie so viele neuzeitliche Produktionen. Man hört eine BAND, nicht irgendwelche selbstverliebten Solisten.
HOT'N'NASTY ist seit längerer Zeit die erste Band aus dem Bluesrock-Bereich, die vom Obernörgler des 'Home of Rock' die Höchstnote bekommt. Und jetzt: Schrei, Sänger, spiel mir ein Solo, Guitarman!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.01.2012


 
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