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Hang Loose

Radical Scavenger & Straightaway Live

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Radical Scavenger
Straightaway Live
Radical Scavenger & Straightaway Live, IMA, 1995 & 2000
Roger Vocals, Guitar
Mexx Guitars, Vocals
Tony Keyboards, Vocals
Dany Bass, Vocals
Pädu Drums, Vocals
Gäste auf "Radical Scavenger": Rick Lane, M.G. Grace, Steve Miller, Silvio Domedi
Produziert von: Pädu Ziswiler & Mexx Wührmann Länge: 43 Min 32 Sek & 68 Min 23 Sek Medium: CD
Radical Scavenger:
1. Summertime Shuffle8. Don't Wanna Get Along
2. Two Pretenders9. Angel To Me
3. Have A Drink On Me10. See Me Burn
4. Radical Scavengers11. Substitute
5. Come Alive12. Shoreline
6. You13. Every Young Mans Dream
7. Music
Straightaway Live:
1. Intro10. Real Wild One
2. Work11. Come Alive
3. One Nite12. Drift Away
4. Summertime Shuffle13. Music
5. Miss 'Em At All14. Sandy Beach
6. All Of It Hurts15. Radical Scavenger
7. Got Me All Over16. Lola
8. Have A Drink On Me17. I Wanna Thank You
9. To The Top18. Prayers

Rock & Roll aus der Schweiz ist ein Spezialfall. Kaum jemand nimmt die Eidgenossen auf der Rock-Landkarte wirklich ernst. Klar, ein paar Bands haben es immerhin zu ein bisschen internationalem Erfolg gebracht. KROKUS waren sogar mal ganz knapp vor dem ganz dicken Durchbruch. Lange her. Und GOTTHARD machen mittlerweile seit 10 Jahren immer wieder einen neuen Versuch. Aber sonst? Jaja, SHAKRA krautern noch rum.
Ein paar Insider-Bands gibt es noch. Ein paar Veröffentlichungen für Spezialisten (PAGANINI, Vic Vergat, STEVE WHITNEY BAND). Und dann ist Schluß. Meint man. Ist aber nicht.

Betrachtet man mal die Banddichte in Bezug zu Bevölkerung, Berggipfelhöhen und Anzahl von BSE-Rindviechern, dann erkennt der Mathematiker schnell, dass die Schweiz im Vergleich zu D-Land (von Exoten wie Frankreich, Italien oder Spanien ganz abgesehen) eine tolle Szene hat. Und vor allem treue Fans, die ihren Bands auch in Zeiten von Post Grunge, Neo Punk, D.J. Bobo und anderen ansteckenden Krankheiten zu Konzerten nachreisen, CDs kaufen und sich nichts um Modetrends scheissen.

Eine dieser Bands ist HANG LOOSE.
Ich habe vor einigen Wochen eine CD von ihnen bei WOM für DM 4,99 entdeckt, hab' sie mir aufgrund des Covers und der Songtitel gekauft und war anschließend platt.

Der Reihe nach. 1991 gründen 5 Leute die Band. Davon sind heute noch dabei: Sänger Roger, Bassist Dany und Drummer Paedu. Gar nicht deprimiert vom Suizid eines gewissen Herrn Cobain klopft man einen 5-Tracker ein. Titel wie Barroom Boogie oder Runaway zeigen die Richtung deutlich an. Good Time Rock & Roll.
Erste Auftritte (u.a. im Vorprogramm der BLUES BAND und der MAMAS BOYS; kennt die noch jemand?) und viele Gigs in den tiefen Schluchten der West-, Ost- und Zentralschweiz bringen der Band einen akzeptablen nationalen Bekanntheitsgrad. Und 1994 die erste komplette CD "Contrast". Wieder Konzerte, Vorprogramm-Auftritte (KROKUS, SLADE), Festivals usw.

1995 kommt die erste, mir vorliegende, CD "Radical Scavenger". Wie gesagt, zum Very-Nice-Preis von DM 4,99 bei WOM gefunden. An sich eine Frechheit.
Der erste Track, Summertime Shuffle (was ein Titel im eiskalten Februar) shuffelt (!) locker und groovend daher. Auffällig ist sofort der Sänger. Angenehm kratzige Stimme, kein sinnloses Gekreische, kein aufgesetztes Gehechel. Klasse Nummer zum sofortigen Mitwippen. Muß allen STATUS QUO-Fans gefallen. Hübsche knackige Gitarren auch.

Two Pretenders passt in die 80er-LOVERBOY-Schublade. Guter Rocksong zum (in der Disco) tanzen. Gleiches gilt auch für den Titelsong Radical Scavengers, Music (mit AC/DC-Introriff und Mitsingrefrain) und die radiotaugliche Nummer Angel To Me.

Ausserdem auf der Platte: Die sehr hübsche Akustiknummer Have A Drink On Me, die keyboardlastige Ballade You und eine zweite akustische Ballade, Shoreline.

Meine Favoriten auf der CD: Klar, der Summertime Shuffle.
Der fetzige Rocker Come Alive. Geht super ab.
Don't Wanna Get Along ist zwar eine eher langsame Nummer, aber der Gesang (Lead und Backings) ist ganz stark.
See Me Burn ist die härteste Nummer auf der Scheibe. Drückt mächtig aus den Boxen. Fette Gitarren, dezentes Keyboard und richtige Power-Drums.
Subsitute ist eine Überraschung. Ich hatte eigentlich eine Version der Who-Nummer erwartet. Denkste. HANG LOOSE covern das Popliedchen gleichen Namens. CLOUT hieß die Mädelband aus den 70ern (glaube ich). Das Cover ist ganz klasse gelungen. Locker, swingend und mit knackigen Gitarren rockt und rollt es dahin. Perfekter Partyfeger.

Als Abschluß gibt es eine zweite Coverversion. Every Young Mans Dream von NAZARETH. Logisch, McCafferty kräht heftiger. Dafür ist die HANG LOOSE-Fassung lockerer. Macht richtig Spaß.

Klasse Scheibe, sehr gut produziert vom Drummer Pädu Ziswiler. Macht richtig Vergnügen, so was mal wieder zu hören.

1997 und 1998 folgen wieder zahllose Auftritte (bis heute hat die Bands mehr als 500 absolviert, d.h., selbst der Alm-Öhi und das Heidi müssen die Band inzwischen kennen). Eine weitere CD, "Above The Law", läuft in der Schweiz wieder sehr gut. Man tritt sogar im Fernsehen auf. Aber im Rest der Welt kennt man HANG LOOSE immer noch nicht.

2000 wird eine Live-CD veröffentlicht. "Straightaway Live". Die liegt mir vor und sie hat und kann was. Mal von dem hübschen Cover-Model mit Engelsflügeln abgesehen (Kann mir jemand zu der Frau einen Kontakt herstellen? Danke).

Fast 70 Minuten rockt, rollt und groovt sich die Band durch einen Querschnitt der ersten 9 Jahre HANG LOOSE. Auffällig ist der hervorragende Sound, die Klasse-Produktion, die gute Stimmung im Publikum und die für germanische Ohren witzigen Zwischenansagen in schwyzerdeutsch. Aufgenommen bei 3 Konzerten, von denen ich (außer Luzern) nicht weiß, wo die Städte genau sind. Menznau und Niederbipp hab ich echt nie vorher gehört.

Jede Menge herausragende Songs. Work (geschrieben von Vic Vergeat!), One Nite (absoluter Ohrwurm), natürlich der Summertime Shuffle, Miss 'Em At All von der "Above The Law"-CD. Auch das wieder ein 100%iger Hit. Wären wir in einer anderen Welt zu einer anderen Zeit...
Got Me All Over kommt etwas funky rüber. Tanzmusik für Rockfans.

Wenn ein Sänger einen Song mit den Worten "Saufts was rein mag" ankündigt, zieht es mich sofort zum Kühlschrank. Have A Drink On Me ist auch live eine starke Feuerzeugschwenknummer. Mit To The Top geht's nahtlos so weiter.
Das Iggy Pop-Cover Real Wild One hämmert super. Allerdings klingt Iggy einfach gemeiner. Macht aber nichts, weil die Nummer schön hart rockt. Genau wie Come Alive.
Drift Away (eine Nummer von Marc Storace und Vic Vergeat) bringt anschließend wieder verbrannte Finger vom Feuerzeug halten.
Sandy Beach ist wiedermal eine hübsche Sommer-Pop-Nummer.

Eine wirklich sehr gelungene Version von Lola beendet den regulären Set. An so einem Lied merkt man, dass die Musiker wirklich gut sind. Was es von Lola für schlimme Coverversuche gibt, braucht man nicht erwähnen. Dieses Lied wird von allen Hochzeitskapellen dieser Erde verhunzt. Ähnlich wie Sweet Home Alabama. HANG LOOSE machen das aber richtig klasse.
Die Rausschmeisser-Pianoballade Prayers bildet den Schluß einer vergnüglichen Live-CD.

Wer auf lockeren Rock & Roll und Boogie, fetzigen Hardrock, angenehm zu hörenden Rock-Pop und schmalzfreie Balladen steht, sollte die CDs von HANG LOOSE mal antesten. Ich kategorisiere die Musik mal in die Abteilung STATUS QUO, GREAT WHITE, GOTTHARD, KROKUS ein.

Ob man die CDs regulär in den (deutschen) Läden findet weiß ich nicht. Aber auf Plattenbörsen, dem einen oder anderen Second Hand-Laden oder bei einem Mailorder sollten sie zu kriegen sein. Oder man schreibt die Band einfach selber an.

Aber die Story geht weiter. HANG LOOSE haben soeben eine neue CD rausgebracht. "Perfect World" findet ihr auf der nächsten Seite.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.04.2001

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