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Wake Of The Flood, From The Mars Hotel & Blues For Allah

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Wake Of The Flood
From The Mars Hotel
Blues For Allah
Wake Of The Flood, From The Mars Hotel & Blues For Allah, Rhino Records, 2006 (1973, 1974 & 1975)
Jerry Garcia Guitars, Vocals
Bob Weir Guitars, Vocals
Phil Lesh Bass, Vocals
Keith Godchaux Keyboards, Vocals
Donna Godchaux Vocals
Bill Kreuzman Drums, Percussion
Mickey Hart Drums, Percussions (auf "Blues For Allah")
Gäste:
Bill Atwood Trumpet ("Wake Of The Flood")
Vassar Clements Violin ("Wake Of The Flood")
Joe Ellis Trumpet ("Wake Of The Flood")
Martin Fierro Alto & Tenor Saxophone ("Wake Of The Flood")
Sarah Fulcher Vocals ("Wake Of The Flood")
Matthew Kelly Harmonica ("Wake Of The Flood")
Frank Morin Tenor Saxophone ("Wake Of The Flood")
Pat O'Hara Trombone ("Wake Of The Flood")
Doug Sahm 12-String-Guitar ("Wake Of The Flood")
Benny Velarde Timbales ("Wake Of The Flood")
Ned Lagin Synthesizer (Unbroken Chain - "From The Mars Hotel")
John McFee Pedal Steel (Pride Of Cucamonga - "From The Mars Hotel")
Steven Schuster Reeds & Flute ("Blues For Allah")
"Wake Of The Flood": 
1. Mississippi Half-Step Uptown Toodeloo- Part II (Let It Grow)
2. Let Me Sing Your Blues AwayBonus Tracks:
3. Row Jimmy8. Eyes Of The World (Live)
4. Stella Blue9. Weather Report Suite (Studio Acoustic Demo)
5. Here Comes Sunshine- Prelude
6. Eyes Of The World- Part I
7. Weather Report Suite- Part II (Let It Grow)
- Prelude10. China Doll (Studio Outtake)
- Part I
Produziert von: Grateful Dead Länge: 79 Min 26 Sek Medium: CD
"From The Mars Hotel": 
1. U.S. BluesBonus Tracks:
2. China Doll9. Loose Lucy (Studio Outtake)
3. Unbroken Chain10. Scarlet Begonias (Live)
4. Loose Lucy11. Money Money (Live)
5. Scarlet Begonias12. Wave That Flag (Live)
6. Pride Of Cucamonga13. Let It Rock (Live)
7. Money Money14. Pride Of Cucamonga (Studio Acoustic Demo)
8. Ship Of Fools15. Unbroken Chain (Studio Acoustic Demo)
Produziert von: Grateful Dead Länge: 75 Min 34 Sek Medium: CD
"Blues For Allah": 
1. Help On The Way- Sand Castles & Glass Camels
- Slipknot!- Unusual Occurences In The Desert
2. Franklin's TowerBonus Tracks:
3. King Solomon's Marbles8. Groove #1 (Instrumental Studio Outtake)
- Part I: Stronger Than Dirt9. Groove #2 (Instrumental Studio Outtake)
- Part II: Milkin' The Turkey10. Distorto (Instrumental Studio Outtake)
4. The Music Never Stopped11. A To E Flat Jam (Instrumental Studio Outtake)
5. Crazy Fingers12. Proto 18 Proper (Instrumental Studio Outtake)
6. Sage & Spirit13. Hollywood Cantata (Studio Outtake)
7. Blues For Allah
Produziert von: Grateful Dead Länge: 79 Min 11 Sek Medium: CD

1973 war, genau wie die meisten dieser frühen Jahre, wieder ein Schlüsseljahr für GRATEFUL DEAD. Nach der 72er Europatour und dem zu erwartenden Trinkertod von Ron "Pigpen" McKernan im März 73 begab sich die Band auf den Weg in die völlige Autarkie. Grateful Dead Records wurden gegründet und damit war, bis 1977 und dem Album "Terrapin Station", die Abhängigkeit von Plattenfirmen beendet. G.D. stiegen ins Business ein, vom Vertrieb, der eigenen Bookingfirma bis hin zu einer Reiseagentur hielt die Band alle Fäden selbst in der Hand und bewegte viel Geld. Im Juli des gleichen Jahres spielten DEAD das wohl größte Rockkonzert aller Zeiten. Zusammen mit den ALLMAN BROTHERS wurden auf der Rennstrecke von Watkins Glen geschätzte 600.000 Menschen mehr oder weniger gut beschallt. Der Band wurde dieses LSD-Megaevent mit ca. 100.000 Dollar vergoldet.
Es spricht für die enorme Kreativität der maßgebenden Köpfe in der Gruppe, dass noch im gleichen Jahr das erste Studioalbum seit "American Beauty" von 1970 eingespielt wurde. Und zwar auch noch eines, das in vielen Belangen die wohl bis dahin beste der bisherigen Studioarbeiten darstellte. "Wake Of The Flood", ursprünglich am 15. Oktober 1973 veröffentlicht, liegt jetzt mitsamt Bonus Tracks als HDCD Wiederveröffentlichung in bekannt brillanter Rhino Records Qualität vor.

Die CD beinhaltet drei bis heute unumstrittene Schlüsselsongs: Mississippi Half-Step Uptown Toodeloo, Stella Blue und die episch angelegte Weather Report Suite. Die beiden ersten von Robert Hunter und Jerry Garcia geschriebenen Nummern waren über viele Jahre wichtige Bestandteile im Liverepertoire, Bob Weirs Weather Report Suite hingegen fand nur verhältnismäßig selten den Weg auf die Bühne. Die dreiteilige Suite entwickelt aus heutiger Sicht allerdings auch erst mit der bisher unveröffentlichten akustischen Version ihren vollen Reiz, die ursprüngliche orchestrierte Fassung plätschert im Vergleich blass und blutleer über die 12 Minuten. Der dem Prelude folgende Part I wurde von Weir zusammen mit dem Folksänger Eric Andersen verfasst und gehört zu den eindrucksvollsten akustischen Stücken der DEAD-Historie.
Insgesamt war "Wake Of The Flood" ein niveauvolles Album, das sich aber kompositorisch größtenteils auf der sicheren Seite bewegte, nur relativ wenige echte Experimente offenbarte und vorwiegend gemäßigte bis melancholische Nummern abseits gewohnter Jam-Strukturen bot. So ist beispielsweise Here Comes Sunshine wohl nicht ganz zufällig durchaus in verwandtschaftliche Nähe zu einem ähnlichen betitelten Stück eines gewissen George Harrison zu rücken. Wirklich ins jammen kommen GRATEFUL DEAD eigentlich erst beim live aufgenommenen Bonus Track Eyes Of The World. Garcia schwingt sich hier zu einigen bemerkenswerten Gitarrenfiguren auf und die gesamten 17 Minuten grooven entspannt und angenehm dahin.
Angesichts des überwältigenden Sounds und der lobenswerten Bonus Tracks ist "Wake Of The Flood" ein sicherer Einkaufstipp.

Obwohl sich "Wake Of The Flood" vorzüglich verkaufte, geriet die Band in finanzielle Schwierigkeiten. Unter anderem wurden tausende illegal hergestellte Alben von Einzelhändlern retourniert und dem bandeigenen Label in Rechnung gestellt, was natürlich zu einem finanziellen Totaldesaster führte. Außerdem verschlang die monströse "Wall of Sound" mit ihren 641 Lautsprechern Unsummen und das gesamte Unternehmen musste mehr als 300 Menschen ernähren. Die Band gab sich derweil exzessiv allen möglichen Drogen hin, glaubt man den Liner Notes war es vornehmlich Kokain, und in diesem Tohuwabohu entstand die nächste LP, retrospektiv nicht unzynisch "From The Mars Hotel" betitelt und passend illustriert.
Trotzdem schaffte Garcia zusammen mit Texter Robert Hunter wieder drei All-Time-Classics. U.S. Blues, China Doll (wie die meisten Songs bereits live erprobt und als Outtake auf "Wake Of The Flood" enthalten) und Ship Of Fools gehören bis heute zu den Standards eines jeden Deadheads. Und, das ist keinesfalls zu vernachlässigen, "From The Mars Hotel" erhielt dank neuester Studiotechnik den bis dato besten Sound aller DEAD-Platten. Allerdings auch äußerst fragwürdige Experimente mit neumodischen Synthesizern. Außerdem hatte Donna Godchaux ihre vorjährige Zurückhaltung abgelegt und - nervte teilweise beträchtlich (was sich auf der hier enthaltenen Liveversion von Scarlet Begonias bis knapp vor Körperverletzung steigert).
Bob Weir steuerte den fetzigen und ansonsten belanglosen Rock'n'Roller Money Money bei und Phil Lesh durfte sich mit Unbroken Chain der Schwermut hingeben und bei Pride Of Cucamonga seiner Country-Leidenschaft frönen. Der Rest war Garcia, und zwar in letztendlich wegweisender Form; mit kleineren Ausnahmen (siehe unten) prägte "From The Mars Hotel" den Gruppensound über viele Jahre stärker als wohl ursprünglich vermutet und beabsichtigt.
Die Bonus Tracks sind Outtakes, Akustik- oder Liveversionen der regulären Tracks, nur Chuck Berrys Let It Rock und Garcias Wave That Flag kommen tatsächlich als Neuigkeiten. Letzteres ist allerdings ein lange Zeit verschollenes Juwelchen.
Auch hier gilt: Die oft unterschätzte Platte ist in dieser Neuauflage ein Muss.

An "From The Mars Hotel" schloss sich noch eine desolate Europareise an und die Band beschloss daraufhin eine Tourpause einzulegen. Bereits im Januar 75 arbeitete man allerdings schon an neuen Songs, einige, darunter auch der Titelsong der nächsten LP, wurden bei den wenigen (Benefiz) Konzerten in diesem Jahr bereits live vorgestellt.
Ich kaufte mir "Blues For Allah" im März 1981 zusammen mit einigen anderen damals schon im "Nice Price" erhältlichen Scheiben, also kurz vor dem Auftritt im Rockpalast am 29.03., man wollte schließlich wissen was auf einen in dieser Nacht zukam. Die LP war über viele Jahre ein klassischer Fehlkauf, entsprach überhaupt nicht den mir bis dahin bekannten DEAD-Sounds und langweilte bzw. regte in Teilen mit seinen Sprüngen und atonalen Collagen richtiggehend auf. Unterm Strich blieben nur das wunderschöne Franklin's Tower und Bob Weirs The Music Never Stopped im Gedächtnis, der Rest verschwand im Regal.
25 Jahre später, 30 ½ Jahre nach der Erstveröffentlichung, sieht das alles anders aus. "Blues For Allah" ist zwar immer noch schwer verdaulich, zeigt aber eine Band, die sich auf einem Regenerationstrip befand und offensichtlich aus therapeutischen Gründen beim Songwriting viel mehr an psychedelische LPs wie "Aoxomoxoa" von 1969 denn an das futuristische "From The Mars Hotel" dachte. Ob zufällig oder nicht, auch die Texte von Robert Hunter passten in das retrospektive Bild der Platte. Man konnte eigentlich sagen: Die Hippies waren zurück.
Dem Medium CD und der Möglichkeit von Bonus Tracks sei Dank, zum ersten Mal erscheint "Blues For Allah" auch für Normalkonsumenten geeignet, denn in der jetzigen Gesamtheit von fast 80 Minuten erschließt sich der Gedankenkosmos der damaligen Band wesentlich deutlicher als bei der dreiviertelstündigen LP. Es war nicht geistiger Dünnpfiff sondern freier Jam auf höchstem Niveau, was die Band damals "verbrach". Natürlich sind jazzige Improvisationen in Überlänge reine Geschmackssache, natürlich ist das zwölfminütige Titelstück in seinen drei Teilen eher Anstrengung als entspannter Groove und natürlich mag nicht jeder Godchauxs Fingerübungen auf dem Rhodes Piano, die manchmal eher an einen bekifften und außer Kontrolle geratenen Herbie Hancock als an GRATEFUL DEAD erinnern. Aber die Band war wesentlich mehr "zusammen" als im Jahr davor, was sich nicht zuletzt im verteilten Songwriting niederschlug. Der eigentlich benötigte Hit war natürlich nicht dabei, die LP verkaufte sich auch nicht sonderlich gut, die Band hatte erstmals vor Aufnahmebeginn keine fertigen Stücke - und genau so klang das Ergebnis nach vier Wochen in Bob Weirs Studio dann auch.
Deadheads werden mich aus Überzeugung hassen, konventionelle Rockhörer vermutlich verstehen: "Blues For Allah" brauchte diese langen drei Dekaden, um endlich von einem unanhörbaren zu einem höchst spannenden Album zu werden.

Im Jahr darauf erschien die vierte und letzte LP in Eigenregie, das bis heute umstrittene Livealbum "Steal Your Face". Kurze Zeit später unterschrieb die Band einen Deal mit Arista Records und entledigte sich der anstrengenden Verpflichtungen als Plattenlabel.
Ein weiteres Stück Archivarbeit wurde nun von Rhino Records mit den drei Studioalben abgeschlossen. Die schönen Digipacks, gute bis hervorragende Liner Notes und natürlich der famose HDCD Sound rechtfertigen wie schon bei den vorhergegangenen Veröffentlichungen die Erst- oder Neuanschaffung bedingungslos.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 26.04.2006

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