|
|
| Steal Your Face, Rhino Records, 2005 (1976) |
| Jerry Garcia |
Lead Guitar, Vocals |
| Bob Weir |
Rhythm Guitar, Vocals |
| Phil Lesh |
Bass, Vocals |
| Mickey Hart |
Drums |
| Bill Kreuzman |
Drums |
| Keith Godchaux |
Piano |
| Donna Godchaux |
Backing Vocals |
|
Länge: 82 Min 28 Sek |
Medium: Do-CD |
|
 |  |
| CD 1: | |
| 1. The Promised Land | 5. Mississippi Half-Step Uptown Toodeloo |
| 2. Cold Rain & Snow | 6. Ship Of Fools |
| 3. Around And Around | 7. Beat It On Down The Line |
| 4. Stella Blue | |
| CD 2: | |
| 1. Big River | 5. Sugaree |
| 2. Black-Throated Wind | 6. It Must Have Been The Roses |
| 3. U.S. Blues | 7. Casey Jones |
| 4. El Paso | |
 |
Die 5-CD Box "The Grateful Dead Movie Soundtrack" wird geliebt, der zugehörige Film sowieso, die 1976 veröffentlichte Doppel-LP "Steal Your Face" hingegen verachtet. Beide wurden gleichzeitig, im Oktober 1974 im Winterland in San Francisco aufgenommen, beide mit dem gleichen Equipment, das nicht nur unglaublich teuer sondern auch unglaublich gut war. An was liegt es, dass "Steal Your Face" so unleidlich bewertet wurde? Ganz einfach: An der Songauswahl, am miserablen Sound der damaligen Platte und an der offensichtlichen Missstimmung in der Band - so gehetzt klangen GRATEFUL DEAD nie vorher und meines Wissens nie nachher. Nicht ohne Grund waren danach (der Aufnahme, nicht der Veröffentlichung) für längere Zeit keine Touraktivitäten unter dem Namen GRATEFUL DEAD zu vermelden. Die LP fand auch innerhalb der Band keine ungeteilte Zustimmung.
Warum wird nun ausgerechnet dieses "Missgeschick" zum wiederholten Male auf den Markt geworfen? Ganz einfach: Erstens weil die Deadheads treue Konsumenten sind und zweitens bekommt "Steal Your Face" durch den heute möglichen HDCD-Sound ein wenigstens halbwegs anhörbares Antlitz. Aber ändert das etwas an den Songs und der Band?
Plumpen Bauern-Rock & Roll wie in Chuck Berrys The Promised Land und Around And Around (dennoch ein über viele Jahre gespieltes Stück) hätte man von GRATEFUL DEAD eigentlich nicht erwartet. Nun war Jerry Garcia bekanntlich kein verkappter Ted Nugent und konnte solchen Schlagern in keinem Moment richtig Gummi geben. Entsprechend unbeholfen und auf Straßenfestniveau stolperten er und seine Kollegen durch diese Interpretationen. Da weder Garcia noch Bob Weir stimmlich unbedingt nach Bob Seger klangen, wurde der Tölpel-Effekt noch verstärkt. Wenigstens klimperte der vorvorjährige Neuzugang Keith Godchaux, der den zu Tode gesoffenen Ron "Pigpen" McKernan ersetzte, ein anständiges Boogiepiano dazu. Etwas besser war da schon die Umsetzung von Johnny Cashs Big River. Das konnte Weir singen und war außerdem echte "Bauernmusik" (s.a. El Paso). Zur Band gepasst hat es dennoch nicht.
Doch die Band fand auch auf diesem Outtake-Sammelsurium noch zu sich. So schleicht sich Stella Blue nach Anfangsschwierigkeiten in seiner ganzen Schönheit ins Ohr. Genau wie Mississippi Half-Step Uptown Toodeloo, das ebenfalls vom 73er-Album "Wake Of The Flood" stammt. Ship Of Fools, an sich ein wunderbarer Titel vom 74er "The Grateful Dead From The Mars Hotel", leidet sehr unter der mangelhaften Aufnahmequalität des Gesangs und ein wenig unter dem schiefen Chor von Donna Godchaux, bleibt aber dennoch eine tolle Nummer.
Beat It On Down The Line kann einigermaßen als Rock'n'Roller überzeugen, allerdings deutlich weniger als auf der allerersten Platte der Band von 1967. Der Autor Jesse Fuller starb übrigens ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung dieser LP - im nicht mehr des plötzlichen Kindstods verdächtigen Alter von 80 Jahren.
Bob Weir hatte sich inzwischen deutlich emanzipiert, sang mehr und so kam auch sein Black-Throated Wind, ursprünglich auf seinem Soloausflug "Ace" von 1972, auf diese Liveplatte. Oder hatte Garcia einfach keinen Bock? Jedenfalls ist auch der allseits bekannte U.S. Blues einmal mehr vertreten und kommt gut. Anmerkung am Rande: Fragt doch bei Gelegenheit Dan Baird, ob er nicht Lust hat den U.S. Blues zu spielen. Der hat das nämlich drauf.
Mit Sugaree hat sogar ein neuer Song seinen Platz gefunden und It Must Have Been The Roses ist in einer wahrhaftig wundervollen Version vertreten (was auch Donna nicht verhindern konnte). Casey Jones, der Lokführer, kommt nie ins Rollen, das Original von "Workingman's Dead" bleibt unerreicht und damit holpern GRATEFUL DEAD aus dem Album.
Oft wird gesagt, GRATEFUL DEAD kann man nur lieben oder hassen. Das stimmt nicht, man kann sie auch ganz schnöde mögen, denn kaum eine andere Band konnte so toll und anschließend so ungenießbar sein. "Steal Your Face" ist genau so ein Fall: Bei weitem nicht wirklich großartig, aber auch nicht gänzlich verheerend. Neueinsteigern verschafft die Scheibe ein Bild (ein kleines wenigstens), Kennern rundet sie die Sammlung an einer Ecke ab. Wenn's der Wahrheitsfindung dient, sollte man sich diese Neuauflage besorgen und nicht auf die alten Releases zurückgreifen. Die Coverausstattung ist allerdings sehr spärlich, da erreichen Rhino Records nicht ihren gewohnten Standard.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|