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High & Mighty

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High & Mighty
High & Mighty, Blue Rose Records, 2006
Warren Haynes Guitars, Vocals
Matt Abts Drums
Andy Hess Bass
Danny Louis Keyboards
Produziert von: Gordie Johnson Länge: 72 Min 02 Sek Medium: CD
1. Mr. High & Mighty8. Nothing Again
2. Brand New Angel9. Million Miles From Yesterday
3. So Weak, So Strong10. Brighter Days
4. Streamline Woman11. Endless Parade
5. Child Of The EarthBonus Track:
6. Like Flies12. 3 String George
7. Unring The Bell

Warren Haynes gehört zu den ganz wenigen Künstlern, die in Fankreisen als absolut unantastbare Ikone gelten. Kritik wird nicht geduldet und mit beinahe irrationaler Hingabe an den Meister wird jeder Zweifler gegeißelt.
An der Livereputation des Ausnahmemusikers ist selbstverständlich nicht zu rütteln - Haynes und GOV'T MULE sind auf der Bühne eine kaum zu übertreffende Macht, ganz egal welche der täglich wechselnden Songs gespielt werden. Die CDs bieten ein anderes Bild: Beileibe nicht alle der bisherigen 11 offiziellen Veröffentlichungen sind beschwerdefrei zu genießen, zu oft verstieg sich das Genie Haynes in Klangeskapaden jenseits jeder Songstruktur, zu oft wurde zugunsten abgefahrener, wenngleich absolut durchkomponierter Jam-Kolosse auf Eingängigkeit, ja, sogar auf Rock-konforme Melodien verzichtet. Das mag Stockhausen für intelligente Stromgitarrenfreaks sein, Musik für eine entspannte Gartensession bei Kerzenschein und Wein ist es nicht.
Im Jahr 2006 ist Warren Haynes etwas gelungen, das in die Annalen als "Beste GOV'T MULE CD aller Zeiten" eingehen wird. Rockmusik zum Zuhören und nicht zum Ab- oder Durchdrehen, Songs und keine Techniktrips. Blue Rose Records haben einen Glücksgriff getan.
Unweigerlich wird von anderer Seite der Vorwurf der kommerziellen Anbiederung kommen. Das hat aber keinen Sinn, GOV'T MULE sind ohnehin eine gut verkaufende Band, und mit "High & Mighty" wird sich eine weitere - sehr große - Zielgruppe erschließen lassen: Die Legion "normaler" Rocker mit Hang zu Power, Groove und extraordinären Instrumentalleistungen.

"High & Mighty" ist bereits mit dem Opener und Titelsong nicht mehr aus den Top 5 des Jahres zu verdrängen. Ein Kracher, direkt der FREE-Schule entsprungen, Haynes mit entfesseltem Gesang, der Sound bewusst trocken und frei von Produktionsfirlefanz. Neben Soulshine und vor Bad Little Doggie vermutlich der beste Haynes-Song überhaupt.
Selbstverständlich darf man neben dieser Gitarrengewaltleistung Matt Abts, Danny Louis und Andy Hess nicht vergessen. Dies ist aber ohnehin kaum möglich, zu mächtig drückt die gesamte Band den Mr. High & Mighty dem Hörer in den Schädel.
Zu Hess, Louis und Abts gibt es insgesamt wenig zu sagen, außer: Großartig. Andy Hess wird mehr und mehr zu einem der imposantesten Bassisten, Danny Louis bedient seine Keyboards überraschend dezent und dennoch prägend, Matt Abts ist sicherlich kein Swing-Gott, aber einer der technisch besten Drummer der Neuzeit und unermüdlicher Percussionist mit Kilos und Gefühl in den Extremitäten.
Für den erwähnten Sound ist diesmal übrigens ein neuer Mann im MULE-Umfeld verantwortlich. Gordie Johnson, den aufmerksame Booklet-Leser vielleicht als Bassisten auf Chris Robinsons (BLACK CROWES) erster Soloplatte und von seiner Cheftätigkeit bei den hierzulande leider unbekannten kanadischen Bluesrockern BIG SUGAR kennen. "High & Mighty" klingt warm und tief, weit entfernt vom zeitweiligen Hightech-Sound früherer CDs (und erscheint folgerichtig auch als 180-Gramm Doppel-Vinyl). Haynes hatte den Produzentenwechsel im Interview letztes Jahr angekündigt und er hat gut getan.

Es ist nicht nötig jeden einzelnen Songs zu erwähnen, zu bündig ist "High & Mighty" im Gesamten geworden. Dass völlig unterschiedliche Stile zu Gehör kommen ist unerheblich. So strömt beispielsweise der Reggae Unring The Bell zwischen psychedelischen Sixties-Orgeltönen, nicht unähnlich denen eines Jon Lord, wie ein freundlicher Fluss dahin, Million Miles From Yesterday mutiert zu einer wunderschön souligen Südstaaten-Ballade (für die Haynes von Gregg Allman mutmaßlich gehasst wird), zwischendurch nutzt der Vielspieler Haynes das wundervolle Stilmittel der Reduktion, d. h., er hält sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zurück und lässt den Songs Luft zum Atmen und Danny Louis Platz zur Expression. Eine glänzende Idee, die auch den Smooth-Blues Endless Parade extrem aufwertet. Erst gegen Ende tritt die Gitarre in einen virtuellen Wettstreit mit Carlos Santana. Der "Sieger" ist nicht in Mexiko geboren...
Raum für Jam ist natürlich auch noch. Der "Bonus Track" 3 String George scheint so einer zu sein, auch wenn man grundsätzlich bei GOV'T MULE bezweifeln darf, ob es überhaupt echte Jams gibt, also quasi ungeprobte und "einfach" drauflosgespielte Überraschungseier. Wer einmal einen Soundcheck oder eine Probestunde dieser Band gesehen hat, wird verstehen was gemeint ist.
Damit die Freunde der härteren Abteilung nicht meinen, dass "High & Mighty" ein Balladen- und Blues-Album geworden ist: Es wird gerockt wie selten zuvor, keine Bange. Neben dem erwähnten Übersong Mr. High & Mighty (Warren singt hier übrigens verdammt nah an der Tonlage eines Sammy Hagar) ist noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Heavynummern zu finden. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Parallelen zu LED ZEPPELIN, einem, nun ja, geläuterten Hendrix oder modernen MOUNTAIN - Herrschaften, denkt mal nach, wie lange es die alle nicht mehr gibt und freut Euch über dieses Meisterwerk!

Ein abschließendes Wort sei noch erlaubt. Warren Haynes liefert seine besten Arbeiten, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, nicht für die ALLMAN BROTHERS ab. Der Unterschied zwischen beispielsweise "Hittin' The Note" und dieser CD ist so augenfällig, dass ein weiterer Verbleib Haynes' bei den Brothers ernsthaft in Frage gestellt werden kann. Macht es denn noch Sinn, wenn anderswo die Kreativität sprüht und die Veteranen zweitklassige Songs veröffentlichen (müssen)?

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 02.08.2006

Wenn man, wie ich, seine musikalische Sozialisation in den frühen bis mittleren Siebzigern durchlebte und somit Gitarrenhelden wie Jimmy Page, Paul Kossoff, Rory Gallagher, Johnny Winter, Jeff Beck, Ritchie Blackmore, Robin Trower, Duane Allman und Dickey Betts auf seinem persönlichen Altar anbetete, fällt es ganz, ganz leicht einen Axeman wie Warren Haynes zu lieben. Tief verwurzelt in den Siebzigern präsentiert Haynes mit seiner wahnsinnig gut harmonierenden Band seit jeher ein flammendes Potpourrie aus Erinnerungen dieses musikalisch sehr fruchtbaren Jahrzehnts.

Im Grunde hat der geschätzte Kollege Fred Schmidtlein in seinem obenstehenden Review Anfang August bereits alles Wissenswerte, alle Eckdaten und Querverweise zur Musik auf GOV'T MULEs neuem Album "High & Mighty" resümiert.
Durchweg famose oder zumindest gute Alben gelangen Haynes und seinen Kumpanen bisher aber eher selten. Immer waren es drei oder vier Hammersongs pro Album, die sich dann auch als Killertracks in seinen umwerfenden Konzerten wiederfanden. Fred nannte z. B. schon Bad Little Doggie und Soulshine, mir fielen da noch Thorazine Shuffle, Slackjaw Jezebel und Beautifully Broken ein, so dass sich schon eine gehörige Anzahl geiler Titel angesammelt hat. Fakt ist aber, dass Haynes, ganz abgesehen von seinen unbestritten meisterlichen gitarristischen Fähigkeiten, zu selten ein glückliches Händchen beim Songwriting besaß, will sagen Titel schrieb, die außer grandioser Saitenarbeit auch auf eine gehaltvolle und dauerhafte Songstruktur verweisen konnten. Man kann sich schließlich nicht über die Länge eines kompletten Albums nur an Haynes' sahnigem Gitarrenton ergötzen oder Matt Abts ebenso wuchtiges wie filigranes Schlagzeugspiel bestaunen, mal ganz abgesehen von der superben Kompetenz des Bassisten Andy Hess und Tastendrückers Danny Louis. Das war seit jeher alles stimmig und groovte ohne Ende, und für Jam- oder reine Gitarrenfreaks mag es ausreichend gewesen sein. Doch ein Studioalbum ohne großartige Hänger oder Lückenbüsser fehlte bislang in GOV'T MULEs Historie.

"High & Mighty" ist nun so ein Album. 12 Songs, kein Ausfall. Natürlich findet sich auch hier etwas zu mäkeln. Nothing Again mag etwas gewöhnlich klingen, guter Standard, mehr nicht. Der Reggae-Song Unring The Bell krankt an der etwas zu steifen Umsetzung dieses kaum nachzuahmenden jamaikanischen Einheitstaktes, wobei Matt Abts und Andy Hess einfach nicht diese federnde Leichtigkeit innewohnt, um einen Reggae-Song hell strahlen zu lassen. Hätte man möglicherweise auch weglassen können, diesen Track. Geschenkt.
Bei Brighter Days hat sich der gute Warren zwar etwas zu offenkundig vom Slide-Lick aus LED ZEPs In My Time Of Dying inspirieren lassen, doch sowas verzeiht man ihm natürlich auch. Ist halt auch nur ein LED ZEP-Fan, der Gute...
Der Rest ist grandios bis gut und haut mich insbesondere bei ersten vier Songs derartig aus dem Sessel, dass ich anfänglich glaubte, ich könne es hier mit einem Album des Jahres zu tun haben. Dies zwar nicht ganz, verehrte Herrschaften, aber dennoch bleibt die Erkenntnis, dass Warren mit So Weak, So Strong eine seine vorzüglichsten Balladen geschrieben hat, immer in Andenken an ZEPPELINs "The Song Remains The Same"-Phase und mit dem Bonus-Track 3 String George ein kolossales Groove-Monster im Stile von BOOKER T. & THE M.G's geschaffen hat.
Hut ab, GOV'T MULE! Wir freuen uns auf die Deutschland-Tour.

Frank Ipach, (Artikelliste), 07.09.2006


 
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