HoR Logo kl CD-Review:

Glorious Bankrobbers

The Glorious Sound Of Rock'N'Roll

Logo Home-of-Rock
Startseite > CD-Reviews > Glorious Bankrobbers > The Glorious Sound Of Rock'N'Roll

The Glorious Sound Of Rock'N'Roll
The Glorious Sound Of Rock'N'Roll, Swedmetal Records, 2007
Olle Hillborg Vocals
Jonas Petersson Guitar
Lake Bass, Slide Guitar
Oden Drums, Tamburine
Gäste:
Robert Dahlqvist Guitar (Hairdown, Crazy Sioux & Mum I'm A Loser)
Anders "Boba" Lindström Piano & Organ (Dynamite Sex Dose, Rodeo & Blood Shed Twist)
Pelham Additional Vocals (Young Alcoholic #1)
Produziert von: Chris Laney Länge: 45 Min 53 Sek Medium: CD
1. Spitfire7. Young Alcoholic #2
2. Hair Down8. Ridin' Down The Highway
3. Young Alcoholic #19. B.I.T.C.H.
4. Crazy Sioux10. Too Much To Touch
5. Dynamite Sex Dose11. Mum I'm A Loser
6. Rodeo12. Blood Shed Twist

Die schlechte Nachricht: Wir werden nicht jünger und plagen uns mehr und mehr mit diversen Zipperlein.
Die gute Nachricht: Schaut man im TV entsprechende Verbraucherinformationen, wird man ausgiebigst zum Thema "Morgensteifigkeit" aufgeklärt und beraten.
Das ungelöste Rätsel: Was, in Hugh Hefners Namen, haben diese Anbieter zweifelhafter Pharmazeutika gegen Morgensteifigkeit? Für den Abend bieten sie schließlich genau die gegenteilige Wirkung an. Man weiß schon kaum mehr was man einwerfen soll. Upper, Downer, Placebos, der Kunde ist überfordert.
Die Lösung: Legt morgens ein paar Bier in den Kühlschrank, raubt tagsüber gemütlich eine Bank aus und joggt den Häschern durch den Stadtpark auf und davon, macht euch ein leckeres Abendessen, raucht hinterher vielleicht ein lustiges Zigarettchen, nehmt ein kühles Bier nach dem nächsten aus dem Kühlschrank und hört dazu die schwedische Band GLORIOUS BANKROBBERS. Euer stets bemühter Dr. Boogie garantiert höchstes Wohlbefinden bei gleichzeitiger Komplettabsenz jeglicher Hüft- und sonstiger Gelenksteifigkeit. Falls Mrs. Longleg zufällig im Haus sein sollte, kann sie sich ja um eventuell auftretende Reststeifigkeiten kümmern. Get down & boogie!

Eigenen Angaben gemäß ist diese Band zweifacher Inhaber des Schwedischen Rekords im Bierverbrauch bei Konzerten. Fuck, bei solchen Rekordversuchen müsste man einmal im Leben dabei sein - es könnte ein Europa- wenn nicht gar Weltrekord werden. Allerdings stammen diese Rekorde aus den Achtzigern und das gibt zu Denken. GLORIOUS BANKROBBERS? 1983 gegründet, drei Plattenveröffentlichungen aus den Jahren 1984, '89 und '91? Holy shit, die haben wir ja vollkommen übersehen, oder?
Wer diese Band kennt, ist ein Glücklicher. Wer diese Band mag, ist ein Held und darf sich ein Freibier abholen.
"The Glorious Sound Of Rock'N'Roll" ist nichts anderes als eine low down dirty mean Rock & Roll Sensation. Ihr habt verstanden? Sen-sa-tion!
Folgendes, Damen und Herren. Falls hier jemand im Raum ist, der auf die Herren Schmidt und Schmidtlein hört und möglicherweise gar deren verkommenen Musikgeschmack teilt, falls derjenige dann noch mit wahllos aus unserem Fundus herausgegriffenen Namen wie HANOI ROCKS, REBELENE, BLACK CROWES (1990-'92), DIAMOND DOGS, QUIREBOYS, THE FOUR HORSEMEN oder, man darf die Leichen im Keller nicht verschweigen, GUNS 'N ROSES etwas anfangen kann. come on brother, shake a leg.
Und nun denkt mal kurz über diese Namen nach und kommt zu dem Ergebnis, dass die allermeisten von denen im Jahr 1983 noch gar nicht sonderlich präsent waren. Und dann fangt an zu begreifen, dass wir es bei den GLORIOUS BANKROBBERS mit Pionieren zu tun haben. Und wir haben nix mitgekriegt. Jetzt aber los, sonst schicken wir euch die Morgensteifigkeit per Email zu.

Aus dem Booklet grinsen vier gut gelaunte Vögel, denen man den Bock auf Rock sofort ansieht. Die singen dann Sachen wie "Hey babe I was the best in the class, now babe I'm a pain in the ass" und knallen dazu einen dermaßen hundsgemeinen Heavy-Boogie aus den Röhrenverstärkern, dass die private Top-1.000 Hitsammlung sofort erweitert wird. Uh ja, diese Band ist ganz weit vorn dabei. Das ist Glam, Sleaze, Rock & Roll, Boogie, Hard Rock, nennt es wie ihr wollt, für die Galerie. Steinerweichend rotzig, dennoch Klassen besser als die allermeisten vergleichbaren Bands, durchgehend auf die Rock-relevanten Körperzonen Bauch, Bein, Kehle und primäre Geschlechtsteile zielend und hemmungslos partybezogen. Geiheil!
Welche Band hat jemals ihren langhaarigen Fans eine Hymne geschrieben? Diese kleinkriminellen Riffbomber texten "he's got hair down to his fuckin' knees" und lassen sämtliche noch lebenden Alt-Poser äußerst kurzhaarig dastehen. Solche Nummern sind die ultimative Belastungsprobe für jeden Turnschuh.
Große Stadion-Riffs in Crazy Sioux (offensichtlich eine Frau, die sämtliche Konzerte bei einer Tour in Amerika 1990 verfolgte), Powerhouse-Rock & Roll, die Hard Rock Variante der FACES gepaart mit den Refrains von MÖTLEY POISON und dabei kein Kaputtnickgehabe wie es Axl und seine Satelliten gerne zeigten. Das hier ist einfach frischer, wilder, Eltern zur Weißglut treibender Partystoff. Okay, heute treiben eher die Eltern ihre Kinder damit in den Wahnsinn, aber den Bälgern sollen ruhig auch mal die Grenzen von Ulknudeln wie 50 Cent aufgezeigt werden. Hier wird nicht gestammelt, hier wird gerammelt. Wenn einer eurer Spößlinge errät, vor wem die BANKROBBERS bei Too Much To Touch den Pony lüften, könnt ihr ja ein Gutbildchen verteilen.
Rodeo ist die ewig nicht mehr gehörte AEROSMITH-Vollbedienung, Olle Hillborg gibt dabei einen überwältigenden Tyler und zur Perry/Whitford-Sause schmettern Harp und Piano. Schweden und Piano kann eigentlich nur zwei Namen bedeuten. Anders Lindström (Boba Fett) von den HELLACOPTERS oder Henrik "Honk" Widèn von den DIAMOND DOGS. Der Duke of Honk ist diesmal nicht dabei (dafür aber der DOGS-Gitarrist Robert Dahlqvist), also hämmert Boba in die Tasten.
Für den ganz hervorragenden Sound sorgte Chris Laney, den man u.a. vom ZAN CLAN und Randy Piper's ANIMAL kennt.
Zugegeben, manche Texte und Titel sind pädagogisch vielleicht nicht ganz wertvoll, aber wir sind an Stoiber, Peter Hartz und BenQ gewöhnt, da macht ein Young Alcoholic und eine B.I.T.C.H. den Fisch nicht mehr stinkender. Und wer hat was gegen Riding Down The Highway? Was da quietscht sind nicht die Bremsen, da slidet die Gitarre mit 100 durch die Kurven.

Die GLORIOUS BANKROBBERS sind zu boogie für Sleaze, zu heavy für Retro-Rock, zu geil für Schweden alleine. Genau wegen solchen Straßenkötern sind wir seit gefühlten Jahrhunderten im Dienste des Rock & Roll unterwegs, machen wir also bitte nicht noch mal den gleichen Fehler wie vor zwanzig Jahren und ignorieren diese göttliche Haudraufkapelle. Deswegen die Zusammenfassung: Das hier ist wirklich "The Glorious Sound Of Rock'N'Roll" und eine Sensation!
So, jetzt wird SLADE "Alive" aufgelegt. Die konnten eine ähnliche Power erzeugen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 25.01.2007

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:
Startseite > CD-Reviews > Glorious Bankrobbers > The Glorious Sound Of Rock'N'Roll

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum