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Legacy

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Legacy
Legacy, Wacken Records/SPV, 2008
Kim McAuliffe Rhythm Guitar, Vocals
Enid Williams Bass, Vocals
Denise Dufort Drums
Jackie Chambers Lead Guitar
Gäste:
J.J. French Guitar (Spend Spend Spend)
Neil Murray Bass (Whole New World & Legend)
Phil Campbell Lead Guitar (Whole New World & Just Another Day)
Fast Eddie Clarke Guitar (Metropolis)
Eddie Ojeda Guitar (Don't Mess Around)
Lemmy Bass, Vocals & Triangle (Don't Talk To Me)
Ronnie James Dio Vocals (I Spy - Dio/IommiMix)
Tony Iommi Lead Guitar (I Spy - Dio/IommiMix)
Kelly Johnson Percussion (her ashes)(Everything's The Same)
Produziert von: NAME Länge: 99 Min 99 Sek Medium: CD
1. Everything's The Same9. Metropolis
2. From The Other Side10. Don't Mess Around
3. I Spy (Girlschool Mix)11. Zeitgeist
4. Spend Spend Spend12. Don't Talk To Me
5. Whole New WorldBonus Tracks:
6. Just Another Day13. I Spy (Dio/Iommi Mix)
7. Legend14. Emergency
8. Still Waters15. London

Man kann Enid Williams, Kim McAuliffe, Denise Dufort und Jackie Chambers kaum genug für ihr Durchhaltevermögen bewundern. Es sind nun 30 Jahre, die GIRLSCHOOL es durch alle Umbesetzungen, Aus- und Wiedereinstiege und Businesskatastrophen geschafft haben. Hats off!
Noch viel mehr bestaunenswert ist die nie versiegte Lust der, nun ja, Mädels am Rock & Roll, die sie auch auf ihrem zigsten Studioalbum an den Tag legen und dabei keine Angst vor den verächtlichen Lachern der Machofraktion zeigen. Warum auch, wie viele Kerle gibt es denn, die drei Jahrzehnte Hard Rock ohne größere Peinlichkeiten überstanden haben?
Das hat sich wohl auch die üppige Gästeschar auf "Legacy" gedacht und bereitwillig Gitarren, Bässe und Stimmen beigetragen. Herr Kilmister ist gar zu seinem ursprünglichen Instrument zurückgekehrt: der Triangel. Respekt, Lemmy, so viele Jahre nach der Orffschen Musikschule back to the roots...

Bleibt nur noch die Frage nach der Halbwertzeit von "Legacy", denn man darf sicher ungestraft behaupten, dass GIRLSCHOOL seit dem Kommerzversuch "Play Dirty" kein einziges zu 100% überzeugendes Album mehr eingespielt haben. Es mangelte letztlich immer am Songwriting, auch wenn Power und Leidenschaft stimmten, was live über all die Zeit regelmäßig nachgewiesen wurde.
Und tatsächlich, auch "Legacy" weist Songs auf, die man gerne nicht gehört hätte. Es ist nicht die Produktion, nicht die Heavyness, in die insgesamt 15 Nummern haben sich schlicht ein paar Langweiler eingeschlichen.
Der Einstieg Everything's The Same gestaltet sich noch gewohnt simpel und kopfüber krawallend, auch From The Other Side haut in die gleiche Kerbe, aber I Spy (im "Girlschool Mix") geht vor allem gesanglich gar nicht, und ödet an. Später kommt die Nummer mit Tony Iommi und Ronnie James Dio (derzeit Heaven & Hell) nochmals, deutlich besser und druckvoller, auch wenn Dio irgendwie seltsam klingt.
Spend Spend Spend ist danach das heimliche Highlight der CD. Cooler Party-Rock mit Glamfaktor, hochgeilem Gesang und J.J. French von TWISTED SISTER an der leicht übertriebenen Quietschegitarre. Doch dann geht's irgendwie bergab. Was helfen Leute wie Neil Murray und Phil Campbell, wenn die Songs einfach nicht stimmen. Das ist auch produktionstechnisch nicht sooo dolle, dass man wegen den - fraglos namhaften - Gästen in Ekstase verfallen müsste. Dass Murray Bass spielen kann, weiß man seit 30 Jahren, er hat das auch schon bei echten Hits getan.
Still Waters krankt an der Diskrepanz zwischen dem zwanghaft gewollten Metalsound und dem gelungenen Pop-Gesang, der ein etwas dezenter geklopftes Lied absolut veredelt hätte, Debbie Harry lässt grüßen. Aber so passt es nicht zusammen, obwohl es längst mal wieder Zeit wäre für einen freundlichen Popsong der Ladies.
Metropolis zerrt Fast Eddie Clarke nach Jahren wieder ans Tageslicht, kommt aber über eine gelungene Coverversion nicht hinaus, dennoch spielt der traurige Loser immer noch eine ansehnliche Gitarre und Denise haut aber auch so was von in die Basstrommel...
Eddie Ojeda, ebenfalls von TWISTED SISTER, hätte man anstatt Don't Mess Around eine phantasievollere Nummer für sein Solo gewünscht, und Zeitgeist mit seinem überaus einfältigen Deutschsprech ("Du bist nicht allein") geht bestenfalls als halbwegs gelungener Neue-Deutsche-Härte-Versuch durch, bleibt aber auf halbem Weg als normale GIRLSCHOOL-Nummer hängen.
Don't Talk To Me ist dann mal eine typische MOTÖRHEAD-Nummer, bringt aber bis auf den besagten "Pliiiing" von Lemmys Triangel überhaupt keine neuen Erkenntnisse.

Wie gesagt, alle Hochachtung vor der Lebensleistung der Damen, aber "Legacy" hätte ein paar mehr hochkarätige Songs verdient gehabt. Wahlweise auch ein paar hochkarätige Gäste und eher unwichtige Songs weniger. Wenn man den Titel "Legacy" wörtlich nimmt, wäre es das Vermächtnis dieser Band. So unspektakulär sollte es nicht enden, GIRLSCHOOL haben bestimmt noch mehr drauf. Davon abgesehen ist der "Gag" mit dem Percussionbeitrag der verstorbenen Kelly Johnson bei Everything's The Same grenzwertig. "Her ashes" muss britischer Humor sein.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste),22.10.2008

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