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Furious George

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Furious George
Furious George, Mascot Records, 2004
George Lynch Lead & Slide Guitar
Kelly Keeling Vocals, Keyboards
Jeff Martin Drums
Gunter Nezhoda Bass
Kevin Curry Rhythm Guitar
Mark Robertson Organ (Dancing Madly Backwards & Stormbringer)
Produziert von: Mike Varney & George Lynch Länge: 61 Min 20 Sek Medium: CD
1. Space Station #57. Bridge Of Sighs
2. Sins A Good Man's Brother8. Precious And Grace
3. All Along The Watchtower9. I Ain't Superstitious
4. Stormbringer10. One Way Or Another
5. I Want You (She's So Heavy)11. You Shook Me
6. Blood Of The Sun12. Dancing Madly Backwards

Doch, es fällt schon auf. Dieser Trend zurück zu den Wurzeln. Wieder hat Mike Varney, der Erfinder von etwa 7.000 Gitarrenhelden, seine Finger im Spiel. Wieder ist es eine reine Cover-CD. Wieder haben wir es mit einem früher mal halbwegs bekannten Namen zu tun, dessen Karriere sich seit ca. 1990 im stetigen Sink- und Irrflug befand.
Nach der QUIET RIOT-Kreische Kevin DuBrow, Gitarrengott Steve Morse (der aber selbstverständlich in einer ganz anderen Liga spielt) und diversen anderen Steinzeitrockern, kommt uns diesmal Herr George Lynch mit einer Sammlung seiner angeblichen Lieblingsnummern aus der Frühgeschichte des Rock & Roll. Lynch dürfte den Friseurinnen unter Euch noch bekannt sein, immerhin war er mal Gitarrist der Gard-Haarstudio Hausband DOKKEN und hat sich seit seinem Abgang dort mit verschiedenen Projekten, u.a. der Kollaboration mit DOKKEN-Kollege Jeff Pilson, über Wasser gehalten.

Noch etwas fällt auf. Plötzlich hat eine eigentlich längst vergessene Band ein kleines Revival: MONTROSE! Wer deren 73er Debut nicht in die ewigen Hardrock-Top-10 einreiht, ist für diese Welt sowieso verloren. Mein Liebling Sammy Hagar ist bis heute dick im Geschäft, doch Bandgründer Ronnie Montrose schien längst der Obskurität anheim gefallen zu sein. Plötzlich tauchte er neulich beim Sweden Rock Festival und beim Arrow Classic Rock Festival in Holland auf. Und auch auf "Furious George" findet man wieder einen Song von ihm, Space Station #5. George Lynch bezeichnet MONTROSE als einen seiner Haupteinflüsse. Da fragt man sich doch, warum er später mit DOKKEN so dermaßen affektierten Kram gemacht hat.

Jetzt aber zu "Furious George". Der Star dieser CD ist nicht George Lynch! Der gehört nämlich seit jeher zu den Gitarristen, denen man als Zuhörer ab und an ganz gerne die Arme mit Handschellen an den Marshall Amp fesseln möchte, damit sie nicht so viel Firlefanz in Tonform absondern können. Auch diesmal geht der Dudel-Gaul manchmal mit ihm durch, jedoch wird er durch die Songstrukturen (wir reden hier nämlich von klassischem Hardrock!) glücklicherweise fast immer eingebremst.
Der Star dieser CD ist ganz eindeutig Sänger Kelly Keeling! Keine Ahnung was mit dem passiert ist, bei Michael Schenker konnte ich ihn nicht leiden, mit BLUE MURDER wurde ich nie warm und seine sonstigen Sangesbeiträge auf vielen anderen Platten haben mich auch nie 100% überzeugt. Aber seine Leistung auf "Furious George" ist schlicht großartig. Wer bei besagtem Space Station #5 nicht abkackt, Stormbringer so sensationell shoutet und bei ZZ TOPs Precious And Grace mindestens so viel Staub, Whiskey und Schweröl in der Kehle hat wie Billy Gibbons damals, der bekommt den "Home of Rock Singer Award" am goldenen Mikrofonkabel. Toll!

Den Begriff "Rationelle Spielweise" kennt Lynch nicht. Er ist und bleibt ein Dauergniedler und manchmal gelingt im das bei der Umsetzung der Klassiker auf dieser CD auch ganz gut. You Shook Me und die bereits genannten Titel sind solche positiven Beispiele. Immer wenn es in Richtung Hendrix (bzw. Robin Trower) geht, greift man unwillkürlich zu den Handschellen und wünscht sich den Richter mitsamt Henker herbei. Dabei beginnt All Along The Watchtower recht entspannt mit Akustikgitarre und eigentlich eher in der Tradition von Dylan oder SPIRIT. Aber dann hat jemand nicht aufgepasst und schon legt er los wie ein Berserker.
Durch die Space Station rifft er sich brillant, doch bei Blood Of The Sun von der heutigen Selbstkarikatur Leslie West scheitert er. Vor 35 Jahren waren MOUNTAIN allerdings eine Macht. Gleiches gilt für One Way Or Another von CACTUS. Trotzdem, Lynch macht diese Kultsongs nicht kaputt, er zeigt nur seine eigenen Grenzen auf. Kelly Keeling taucht übrigens auf einigen Soloplatten von CACTUS/VANILLA FUDGE Drummer Carmine Appice ebenfalls auf.
Sogar I Want You (She's So Heavy) von Lennon/McCartney kommt in seiner altmodischen Bluesrock-Heavyness sehr ansprechend.

Recht witzig sind Lynchs Anmerkungen zu den einzelnen Songs. So sagt er beispielsweise über Leslie West, dass dieser ein Beispiel für "weniger ist mehr" gewesen sei. Ja ja, warum beherzigt er dann diesen Leitspruch nicht selbst?
Abschließend kündigt er weitere "roots based" Platten an, schließlich hat er noch andere Vorbilder wie z.B. Roy Buchanan, QUEEN, SAVOY BROWN und viele mehr. Das ist schön, bleibt nur die bereits oben gestellte Frage "warum dann jemals DOKKEN?"
Fakt bleibt, "Furious George" ist eine feine CD mit teilweise wirklich originellen Songs geworden.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.07.2004

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