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Fury In The Slaughterhouse

Don't Look Back

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SPV
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All Music Guide (englisch)

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Don't Look Back
Don't Look Back, SPV, 2008
Kai Wingenfelder Vocals
Christof Stein-Schneider Guitar
Rainer Schumann Drums
Christian Decker Bass
Gero Drnek Keyboards, Guitars, Mandolin
Thorsten Wingenfelder Guitar
Länge: 69 Min 30 Sek (CD) & ca. 128 Min (DVD) Medium: CD & DVD
CD - The Songs:
1. Congratulations9. Redemption Song (live, Jamaica 1999)
2. Jericho10. You'll Never be Alone
3. Girl Without A Name11. Under A Neon Sun
4. Tinseltown Love Declaration No. 112. All Dressed Up And Nowhere To Go
5. Starless13. Dear Prudence
6. Different (feat. Prez. Brown)14. Time To Wonder (live & akustisch 2006)
7. Black And GoldBonus:
8. Down To Atlantis3 Hidden Tracks
DVD - The Videos 1988-2008:
1. Kick It Out (1987)13. Hello And Goodbye (1996)
2. Won't Forget These days (1990)14. Bring Me Home (1997)
3. Rain Will Fall (1991)15. Brilliant Thieves (1997)
4. Should Have Known Better (1991)16. Riding On A Dead Horse (1997)
5. Cut Myself Into Pieces (1991)17. One Way Deadend Street (1998)
6. Trapped Today, Trapped Tomorrow (1991)18. Are You Real (2000)
7. Radio Orchid (1993)19. Angels And Saints (2002)
8. Every Generation (1993)20. Midnight Rider (2002)
9. Dead And Gone (1993)21. Fly Sadness Fly (2002)
10. Dancing in The Sunshine Of The Dark (1995)22. Goodbye So Long (2004)
11. Down There (1995)23. When A Kid Gets A Kid (2004)
12. Milk And Honey (1995)24. Homesick (2006)

So unaufdringlich und letztlich unspektakulär die Karriere verlief, so geschmackvoll und wenig aufgeregt verlassen FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE nach 20 Jahren die Koppel und gehen in Ruhestand bzw. wohl eher in Richtung Solokarrieren.
Vermutlich wird den meisten Menschen das Fehlen der Hannoveraner erst auffallen, wenn in drei, vier Jahren kein qualitativ adäquater Nachschub, keine neuen CDs, keine Konzerte mehr stattgefunden haben und die (deutsche) Musikszene noch mehr verödet ist. FURY gibt es bald nicht mehr, man darf darüber ein wenig melancholisch werden, auch wenn man beileibe nicht mit allen Stationen der Band einverstanden war. Vielleicht verlieren wir soeben die letzte Band, die Pop, Rock und Intelligenz ohne erhobenen Zeigefinger so gut verbinden konnte. Aber zuerst freuen wir uns über die Abschieds-CD/DVD "Don't Look Back".

Was immer die Beweggründe für die Demission sind, die Blöße eines weiteren banalen Best Of Albums geben sich die Furies nicht, lieber haben sie aus den Archiven Raritäten und B-Seiten ausgegraben und sich gar auf der inkludierten DVD mit ein paar alten Videos der Lächerlichkeit preisgegeben. Viele haben es über die Jahre unterschätzt, die sechs Männer haben Humor und scheuen sich nicht, bizarre Bilder u. a. vom Bizarre Festival (damals noch auf der Loreley) zu zeigen. Oder das Sylt-Wüsten-Video zu Won't Forget, von Jim Rakete doch arg zu einem Predigerfilm à la Bono verschnitten. Der Ästhetik von Rakete kann man manchmal eh nur schwer folgen, er holte die kleine Kapelle aus Hannover aber später tatsächlich in die Wüste von Arizona und schuf für den Übersong Should Have Known Better ein wunderbares Ambiente.
When I'm Dead And Gone bewirkte vor gut 15 Jahren inmitten der internationalen Grunge-Tristesse erstmals einen wirklich interessierten Blick der schon damals für Zeitgeist zu alten Beobachter auf FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE. Der Oldie von Tom McGuinness und Hughie Flint (geschrieben natürlich von Benny Gallagher und Graham Lyle) aus dem Jahr 1971 kam dermaßen erfrischend, dass FURY plötzlich ein Thema für ALLE war. Das Ohne-Schnitt-Video dazu macht auch heute noch Spaß.
Es folgte die Zeit der großen Gesten und der großen Budgets, die Videos und der Sound wurden aufwändiger und ambitionierter, das Interesse des Retro-Publikums schwand so schnell wie es gekommen war, und FURY hatte ein Problem mit mindestens einem lahmenden Vorderfuß. Trotzdem kamen musikalische und visuelle Highlights wie Are You Real am Ende der Neunzigerjahre immer noch vor.
Und dann der erste Crash des Musikbusiness. Die Reaktion der Band darauf war cool: Mit Projekten junger Indie-Künstler und großartiger Musik wurde zurückgeschlagen. Es kam u. a. das witzige Video zu Midnight Rider von den ALLMAN BROTHERS dabei heraus.
Dass am Ende der zwei Stunden DVD bei Homesick kaum erträglicher Schwulst daherschwallt sei verziehen.

Ungewöhnlich, dass zuerst der so genannte Bonus-Teil einer Veröffentlichung besprochen wird, aber in diesem Fall berechtigt, weil 20 Jahre deutscher Musik(video)geschichte damit verbunden sind. Über die CD wird sich ohnehin fast jeder bedingungslos freuen, weil sie ein Sammelsurium wenig bis nie gehörter Popperlen ist und vor allem in ihren fröhlichen/rockigen Momenten einfach nur mitreißend ist.
FURY waren immer auf eine spröde Art sexy, passend dazu ist das Artwork von "Don't Look Back", mit der völlig deplatziert wirkenden Schönen in Stöckelschuhen vor einem offenbar über die Ufer getretenen Fluss mitsamt völlig unerotischem Schiff im Hintergrund. Solche Bilder kann man wirken lassen, man kann sich seinen Teil dazu denken, man kann aber auch abwinken und sie zum Designerquatsch erklären. Das kann man bei Songs wie Tinseltown Love Declaration No. 1 oder Starless ebenfalls, unerhört sollten sie aber keinesfalls bleiben, da hat die Band eine kluge Entscheidung getroffen.
Fast überraschend erscheint die Groove-Fähigkeit der Niedersachsen in Different und das Gefühl im sensationellen Redemption Song, der 1999 auf Jamaica live aufgenommen wurde. Möglicherweise hat man Kai Wingenfelder nie besser gehört. Auf keinen Fall aber mit weniger Pathos, der hier von purer Leidenschaft ersetzt wird.

Baba, Furies, das ist ein Abschied mit genau so viel Stil, wie man ihn von Euch erwartet hat. Dear Prudence ist übrigens auch ganz vorzüglich gelungen. Und die Hidden Tracks sind eine "fuckin' good idea".

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.04.2008

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