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Milliontown
Milliontown, InsideOut Music/SPV, 2006
Jem Godfrey Vocals & Keyboards
John Mitchell Guitar & Vocals
John Jowitt Bass
Andy Edwards Drums
John Boyes Guitar
Produziert von: Jem Godfrey Länge: 59 Min 06 Sek Medium: CD
1. Hyperventilate4. The Other Me
2. No Me No You5. Black Light Machine
3. Snowman6. Milliontown

Das nenne ich mal eine Rolle rückwärts: Während viele ambitionierte Musiker, gerade auch aus dem Prog-Bereich, gelegentlich Muckerjobs im Popbereich annehmen, um sich ihre Brötchen zu verdienen, geht Jem Godfrey bei seinem Projekt FROST* den umgekehrten Weg. Im richtigen, mitunter wahrscheinlich etwas frustrierenden Leben erfolgreicher Produzent von Acts wie Ronan Keating oder ATOMIC KITTEN, wollte er der Welt auch mal etwas andere Töne schenken und komponierte, arrangierte und produzierte fleißig für das Erstlingswerk "Milliontown".
Dazu verstärkte er FROST noch mit dem so ziemlich besten, was die britische Neoprog-Szene hergibt, nämlich Drummer Andy Edwards und Bassist John Jowitt von IQ sowie Sänger und Gitarrist John Mitchell (u.a. KINO und ARENA). Insofern weiß man schon, wohin der Hase läuft bei diesem Projekt: melodisch, durchaus druckvoll und in gewisser Hinsicht stadionkompatibel zwischen Prog und AOR pendelnd.

Mitunter haut das ganz gut hin, man merkt Godfrey durchaus ein gewisses Händchen für packende Hooklines an, bei Hyperventilate und No Me No You funktioniert das durchaus. Man merkt, dass Godfrey die "90125" Scheibe von YES im Hinterkopf hatte. Gelegentlich ist das aber doch etwas zu seicht arrangiert (aufgrund Godfreys Wurzeln?), Black Light Machine klingt doch fast ein wenig nach Prog-Muzak, wenn auch natürlich auf durchaus ordentlichem handwerklichen Niveau.
Ausgerechnet der klassische "Prog-Dinosaurier" Milliontown mit seinen über zwanzig Minuten überzeugt mich doch am meisten mit dem nötigen Druck und einigen spielerischen Finessen.

Alles in allem ist FROST* sicherlich nicht übel für den Neo-Prog-Fan, doch irgendwie bleibt man ein wenig ratlos und leicht unbefriedigt zurück. Das Kunstprodukt kann die Entstehung am Reißbrett nicht leugnen, es wirkt doch alles sehr artifiziell und nicht organisch gewachsen. Unterhaltsam ist "Milliontown" durchaus, aber nicht von hohem Nährwert oder gar in Erinnerung bleibender Substanz.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 26.07.2006

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