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Live At The Blues Warehouse

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Live At The Blues Warehouse
Live At The Blues Warehouse, Varese Sarabande Records, 2009
Charlie Huhn Vocals & Guitar
Bryan Bassett Guitar
Craig MacGregor Bass
Roger Earl Drums
Gast:
Lefty (Sugar Lips) Lefkowitz Harmonica
Produziert von: Foghat Länge: 56 Min 12 Sek (Music) Medium: CD
1. Fool For The City6. Chateau Lafitte '59 Boogie
2. Home In My Hand7. I Just Want To Make Love To You
3. Drivin' Wheel8. Slow Ride
4. Mumbo JumboBonus:
5. My BabeInterviews

Wir nehmen zur Kenntnis, dass wir uns im Jahr 2009 befinden. ALLE nehmen das zur Kenntnis. Nur Roger Earl nicht. Der alte Schlagzeuger von FOGHAT will und will nicht aufhören mit dem O-bama-lama-ding-dong-crash-boom-bang-Lärm. Sogar einen eigenen FOGHAT-Wein gibt es inzwischen. Ob das etwas mit dem Sprichwort vom Wein und dem Alter zu tun hat wissen wir nicht, die Flaschen sehen mit dem Logo und dem "Fool For The City"-Angler Roger Earl jedenfalls zum niederknien gut aus.
In diesem von seltsamen Ereignissen geprägten Jahr 2009 gibt es eine neue Live-CD von FOGHAT. Es ist eine Live-im-Studio Aufnahme, gemacht für eine Radioshow auf Long Island, Earls New Yorker Heimatinsel. Kann "Live At The Blues Warehouse" gegen die allseits bekannte "King Biscuit Flower Hour" mit Ausschnitten aus den Jahren 1974 und '76, die Bootlegs von z. B. Westwood One, die überwältigende CD "Road Cases" von 1996 oder gar gegen das Monster "Live" aus dem Jahr 1977 bestehen? Letzteres wäre vermessen und ist von Earl und seinen Kollegen vermutlich nicht angepeilt, denn "Live At The Blues Warehouse" wurde ohne Publikum eingespielt, also in der denkbar schlechtesten Situation für eine Band, die seit ihrer Gründung 1971 vom Enthusiasmus des Publikums lebt. Natürlich sind die vier Männer erfahren genug um auch ohne Anfeuerung ordentlich Gas zu geben. Aber tun sie es?

Vorab sei gesagt, dass die Setlist eine Enttäuschung ist, weil die acht ausgesuchten Songs, von Mumbo Jumbo abgesehen, eine reine Best-Of-Show darstellen und samt und sonders schon in Livefassungen zu hören waren. Aber damit muss man sich längst bei allen Classic-Rockern abfinden, es wird einfach die übliche Jukebox abgespielt und das Publikum will auch gar keine Überraschungen (hierzulande dieser Tage bei den beiden Konzerten der LYNYRD SKYNYRD-Resterampe zu bestaunen - Hauptsache Sweet Home Alabama und Free Bird, ist doch egal wer das spielt).
Dass "Live At The Blues Warehouse" tatsächlich live eingespielt ist, kann man direkt im ersten Riffing-Segment von Fool For The City an der leichten Schräglage der Rhythmusgitarre von Charlie Huhn hören. Das ist nicht schlimm, spätestens nach einer Minute ist die Band tight wie eh und je, es geht nach vorne, immer weiter, immer wilder. Da ist keine Rentnerband am Werk, Bryan Bassett und Charlie Huhn lassen es fast sechs Minuten rauschen und der zurückgeholte Craig MacGregor leistet staunenswerte Tieftonarbeit. Es war eine gute Entscheidung, MacGregor zum zweiten Mal nach 1975 für Tony Stevens einzuwechseln. Sein Druck lässt einem sogar zuhause noch die Hosenbeine flattern, man höre zum Beweis die sensationelle Version von Home In My Hand (laut!). Überhaupt kommen die beträchtlich angejahrten Songs durch die Bank in der für FOGHAT typischen Dichtigkeit und Intensität, nicht mal in der Höchstgeschwindigkeit lassen sich nennenswerte Verschleißerscheinungen ausmachen, es rockt damals wie heute gleich packend. Diese Band ist eben ein Drivin' Wheel, auch wenn der Einstieg in My Babe nicht ganz so klirrend metallisch wie früher ausfällt und der Boogie etwas subtiler versteckt ist, aber dafür drischt Roger Earl wie besessen auf seine Trommeln ein. Gar nichts mehr subtil ist beim Chateau Lafitte '59 Boogie. Eine 11 Minuten "all night long" Boogie-Schussfahrt für die echten Connaisseure. Auch nach 35 Jahren wird man von dieser Dampfwalze noch platt gebügelt.

Einmal mehr völlig überzeugend ist Charlie Huhn als Sänger. Mit seinen inzwischen wieder ziemlich langen Haaren sieht er prima aus und gesanglich gibt es nach Lonesome Dave definitiv keinen besseren als ihn für FOGHAT. Charlie macht das virtuelle Publikum vor dem Radio bzw. der Stereoanlage nicht nur an, er macht es heiß. So heiß, dass man beim Gitarrenunwetter von I Just Want To Make Love To You vergisst, dass man genau dieses Lied eigentlich nicht mehr hören wollte, weil es auf wirklich jeder Livescheibe auftaucht. Aber diese Power, liebe Güte…
Ebenso unvermeidlich ist Slow Ride, und ebenso beeindruckend toben die Altmeister durch die letzten neun Minuten von "Live At The Blues Warehouse". Doch anstatt der fälligen Zugabe in Form von beispielsweise Step Outside, Blue Spruce Woman, Drive Me Home, Easy Money oder Jump That Train kommen mehr oder minder humorige Interviewschnippel, die man auch als Stream auf der Homepage hätte platzieren können. Es wären noch fast 25 Minuten Platz für ein paar Juwelen gewesen, deswegen ist diese Platte ein Muss nur für FOGHAT-Fans, andernfalls wäre es ein Zwangskauf für alle Rocker zwischen 12 und 78 Jahren geworden.
Eine große Zukunftshoffnung ist FOGHAT naturgemäß nicht mehr (die Plattenfirma ordnet die CD gar unter "Vintage/Oldies" ein), aber wer die Band einmal geliebt hat, wird nicht mehr von ihr loskommen. Darauf einen Château Lafite-Rothschild. Oder ein Bier, falls man gerade das Kleingeld für den Bonzen-Tropfen nicht zur Hand hat.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.06.2009

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