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| Grand Union, Rise Above Records, 2009 |
| Bill Steer |
Guitar, Vocals |
| Ludwig Witt |
Drums, Percussion |
| Smok Smoczkiewicz |
Bass |
| Produziert von: Bill Steer |
Länge: 41 Min 19 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Blue Flame | 7. Wild Honey |
| 2. Jack The Lad | 8. Gold Label |
| 3. Lonely Road | 9. Worried Mind (Duster Bennett) |
| 4. Fool For You (James Taylor) | 10. See The Light |
| 5. Silent Stranger | 11. Four Day Creep (Ida Cox - Humble Pie) |
| 6. Release Me | 12. Caledonia |
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1971: Ein Besuch in Marburg. Man erobert gerade die Popmusik für sich, und wenn man schon mal die Gelegenheit hat, muss ein Besuch im Plattenladen sein. Einmal die LPs durchsuchen. Cool mit dem Finger eine nach der anderen nach vorne kippen (denn man kennt ja kaum was, alles böhmische Dörfer, aber das kann man natürlich nicht zeigen). Also kipp-kipp-kipp… Moment mal, was ist denn das? Schwarzes Cover, fühlt sich etwas komisch an. HUMBLE PIE - "Performance: Rockin' The Fillmore". Geil (obwohl das damals keiner sagte). Rumdrehen, Tracklist lesen, vielleicht kennt man ja was… nein. Mhm, Four Day Creep, Stone Cold Fever, I Walk on Gilded Splinters… klingt alles komisch. Oh, man kann sich das sogar anhören, also. Ansage: "Humble Pie !' Yeah …yeeah... yeah... awright", brüllt da einer mit Wahnsinnsstimme ins Mikro. "Awright… AWRIGHT!" Und los geht's mit den ersten elektrisierenden Powerchords vom Four Day Creep. Die Haare stehen zu Berge, von jetzt bis zum Ende der Doppel-LP. Heiligtum!
2009: Neue CD von Billy Steers Trio FIREBIRD, einer seiner drei Bands. Rumdrehen, Tracklist lesen, vielleicht kennt man was - WAS? Four Day Creep - die covern Four Day Creep? "Niemand hat die Absicht, Four Day Creep zu covern!", und schon ist es passiert.
Aber, man ist ja unbestechlich-unabhängig in seinem Urteil. CD ins Laufwerk und kritisch-scharfäugig zum Four Day Creep vorarbeiten.
Und diese Reise lohnt sich allemal. Steer - einer der Sänger mit einer Stimme immer kurz vorm Umkippen ins Falsett, was den Vokallinien einen ganz wunderbar-hysterischen Anstrich gibt - hat zusammen mit Witt und Smoczkiewicz einen Haufen Bluesrock-Perlen geschaffen, die all das zitieren, was in den 70ern gut und teuer war, aber es in völlig neue Gewänder verpackt. Das atmet wirklich den Geist der 70er, wiederholt aber nicht einfach Riffs und Drumpatterns von damals, sondern erfindet diese neu. Waren seine früheren FIREBIRD-Exkursionen schon dem Classic Blues/Rock nahe, hat sich diese Nähe hier noch verringert, und die Produktion ist noch rauer als vorherige.
Antesten also etwa Release Me mit seiner wunderbaren Slide, packenden Hookline und melodischem Solo. Bei jedem Konzert definitiv ein 'Your turn - I can't hear you' Song, mit wundervoll lyrischem Ausklang.
Wild Honey hat eins dieser direkt den 70ern nachempfundenen Riffs, aber FIREBIRD hat hier was eigenes… Blue Flame ist etwas nahe dran an GOV'T MULE, bevor es dann im Soloteil über einer GRAND FUNK Monoton-Basslinie in ein wildes Wah-Wah Solo umkippt. Oder etwa Gold Label - Billy legt vor, der Bass steigt ein, und zusammen knurren sie sich wunderbarst durch den Song und darüber liegt kontrastreich die Melodie.
Duster Bennetts Worried Mind ist klassischer Blues, und klingt authentisch alt. See The Light hat ein klassisches Bluesriff und -thema: wie krieg ich meine Frau wieder? Und wieder diese melodiöse Slide, die sich erst vorsichtig vortastet, kurz kräftig zupackt, und schon ist der Soloteil vorbei, und schon ist der Song vorbei. Allerdings nicht ohne vorher über einem ganz lange gehaltenen Ton kurz ins zweite Solo einzumünden. Konzertknaller.
Und dann: Four Day Creep. Unsterbliches Riff, und es klingt als wäre es im Fillmore aufgenommen und da ist Billy-Steve Steerriott auf der Bühne. "I want you to love me, make the hair stand on my head". Genau da steht es, Billy. Damit ist die Sache klar, Jerry Shirley und Peter Frampton oder Clem Clemson: Mit dem Mann könnte man HUMBLE PIE wiederbeleben. Und Leadguitarduelle zwischen Billy und Clem… ja, schon gut, man wird ja noch träumen dürfen.
James Taylor hatte sicherlich auch etwas anderes im Sinn, als er Fool For You schrieb, obwohl die Congas das Bluesrockschema etwas auflösen. Das Wechselspiel zwischen Bass und Lead ist allerfeinst.
Zum Ausklang Caledonia, wieder ein klassisches Bluesrock-Riff, das uns dann womöglich das beste Solo schenkt, könnte fast von Robbie Robertson geschrieben sein, aber dessen Song - gleichwohl Ähnlichkeiten vorhanden sind - heißt Caledonia Mission.
Steers Gitarrespiel ist zupackend melodisch, der Song bildet den Rahmen und innerhalb diesem wird agiert; keine Saitenzauberer-Auswüchse. Die Band agiert ebenso kompetent wie er, die Produktion ist schön rau. Keyboards fehlen allerdings diesmal, das ganze ist folglich knackiger als vorherige CDs.
Ein Vergleich mit GOV'T MULE: die Mules sind mir oft zu weinerlich-klagend; außerdem schafft es Haynes noch immer, jedes vernünftige Powerriff zu unterbrechen um irgendwelche vermeintliche der Abwechslung und Songqualität dienenden Einschübe einzubauen, und du willst doch nur das Riff und darüber sein Solo. FIREBIRD sind kein Jota larmoyant und schaffen es zumeist in etwa drei kurzen Minuten, das Maximum aus dem Song rauszuholen, und wenn das Riff knallt, dann wird das eben zelebriert und nicht auf 'Kunst' gebogen. So abgedroschen das klingt, oft endet der Song schon, und du wünschst dir, sie mögen doch ihre Idee noch etwas weiter ausarbeiten.
FIREBIRD-Fans greifen hier zu, Bluesrockliebhaber nehmen die CD mit zur Kasse, GOV'T MULE- und GRAND FUNK und HUMBLE PIE-Genießer reißen das an sich, Rockmusikliebhaber allgemein führen diese CD ihrer Sammlung zu. Hab' ich jemanden vergessen?
Urteil Four Day Creep: Die dürfen das!
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