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Last Time

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Last Time
Last Time, Eigenvertrieb, 2005
Ean Evans Guitars, Bass, Radioman, Background Vocals
Bobby Capps Lead Vocals, Keyboards, Raps
Greg Morrow Drums
"Dr. John" Simpson Keyboards
Gordon Mote Organ, Strings
Hoyt Allen Background Vocals
Gäste:
Rickey Medlocke Lead Guitar (Why)
Todd Harrell Bass (Stand Or Fall, Walk)
Tim Cabe Guitar (Hole In My Head)
Todde Lawton Bass (Dead Is Rising)
Produziert von: Ben Fowler & EvansCapps Länge: 45 Min 30 Sek Medium: CD
1. Hell If I Know7. Why
2. Dead Is Rising8. Walk
3. Innocence9. Mississippi
4. Follow The Morning Sun10. Anything Goes
5. For Somethin' Or Nothin'11. Hole In My Head
6. Stand Or Fall

Eine schwierige CD-Besprechung. Absichtlich habe ich mir dafür einige Monate und viele Hördurchgänge Zeit gelassen. Jedoch, wirkliche Aufklärung hat das Innehalten nicht gebracht. Immer noch wanke ich zwischen Hochachtung, Unverständnis und Zweifel.

Hinter EVANSCAPPS verbergen sich Ean Evans und Bobby Capps. In einschlägigen Kreisen sind die beiden als Bassist bei LYNYRD SKYNYRD und Keyboarder von 38 SPECIAL bekannt. Diese wiederum sind durchaus NICHT für besondere Innovationsfreude bekannt, verkörpern vielmehr den archetypischen, in den Siebzigern stehen gebliebenen Kleinbürgerrock der amerikanischen Provinz und ergehen sich seit vielen Jahren als ihre eigenen Nachlassverwalter. Zugegeben, Evans und Capps sind erst seit wenigen Jahren in diese Bands involviert und deutlich jünger als ihre Chefs, dennoch ordnen sie sich pflichtbewusst dem südstaatlichen Cowboyhut-Image ihrer Brötchengeber unter und bekommen qua Arbeitsvertrag überhaupt nicht die Möglichkeit, irgend etwas Innovatives zum 98. Aufguss Van Zant'scher Vergangenheitsbewältigung beizutragen.
Wohlgemerkt, ich liebe LYNYRD SKYNYRD und 38 SPECIAL ohne Wenn und Aber. Den beiden Bands jedoch für die Zukunft wegweisende Bedeutung zuzuschreiben, wäre ausgemachter Blödsinn.

Nun haben sich Evans und Capps aufgemacht und die gemeinsame CD "Last Time" eingespielt. Alle Songs selbst geschrieben, die Schlüsselpositionen Gesang, Gitarre, Keyboards und Bass eigenhändig besetzt und einige Hilfsmusikanten ins Studio geholt, darunter auch Rick Medlocke als Gitarrist für den Song Why.
Was ist nun "Last Time" geworden? Ein ambitioniertes Soloprojekt und künstlerischer Befreiungsschlag zweier unterforderter, frustrierter, gelangweilter Lohnsklaven? Oder der Versuch, eigene Ideen in einem Spaßprojekt jenseits der, laut Covertext, hochverehrten Stammbands unterzubringen?
Ich weiß es nicht.

Mit Skynyrd oder 38 hat die Musik auf "Last Time" absolut nichts zu tun. Ganz anderes Thema. Deren Fans werden sich nach dem Genuss dieser CD auch ratlos am Kopf kratzen und, so sie nicht über gehörigen Entdeckergeist verfügen, einen Fehlkauf bedauern. Möglicherweise sogar Angst um die künftigen Ergüsse ihrer Helden haben, denn sollten unsere "Working Man Heroes" tatsächlich irgendwann in diese Bereiche abrutschen, ist good old Dixieland endgültig abgebrannt.
EVANSCAPPS produzieren nämlich mit Hilfe von Altmeister Ben Fowler astreinen Alternative Rock der Generation 3 DOORS DOWN (denen auch ausdrücklich gedankt wird). Ups, wie konnte das passieren?

Die positiven Eigenschaften des Longplayers sind eindeutig in den technischen Bereichen zu finden. Produktion und Musiker sind zweifelsfrei vom Besten. Medlocke beispielsweise überzeugt bei seinem Gastauftritt mit grandioser Gitarrenarbeit, ist aber keinesfalls als ehemaliger Leader von BLACKFOOT und heutiger Animateur bei L.S. zu identifizieren. Bobby Capps singt ohne Fehl und Tadel und Ean Evans beweist sich auch als hervorragender Gitarrist. Dicker Pluspunkt.
Fragwürdig ist und bleibt jedoch das Songwriting. Die beiden Ausreisser lavieren zwischen Anspruch und Anbiederung und gehen dabei seltsame Kompromisse ein. Auf der einen Seite wird wirklich frischer und beizeiten düsterer NuRock mit Melodie geboten (Hell If I Know, Dead Is Rising, Follow The Morning Sun), auf der anderen wird dann doch auf kommerziell verwertbare Radiotauglichkeit geachtet (Innocence, Walk) oder gar belanglos gelangweilt, wie in For Somethin' Or Nothin', Hole In My Head oder Anything Goes. Eine schöne Abwechslung bietet Mississippi. Im Grunde klassischer Rock, allerdings fein aufgepeppt mit Rap, sehr tief tönendem Bass und Tribal-Drums, jedoch konterkariert von einer "normalen" Gitarre mitsamt dezenter Slide.
"Last Time" fehlt eine greifbare Konsequenz. Man kann die CD nicht lieben oder hassen, sie polarisiert nicht, kratzt leider immer nur an der Oberfläche. Evans und Capps hätten wesentlich mehr Möglichkeiten gehabt, hätten deutlich drastischer durchgreifen müssen, um die Kundschaft zu erschrecken und verstören. Nun weiß man natürlich nicht, ob sie das überhaupt wollten, jedoch scheint eine CD zwischen Baum und Borke, also zwischen Tradition und Moderne, letztendlich überflüssig. Bestes Beispiel ist wiederum Rick Medlocke und der Song Why. Rickey hat bekanntlich einen Hang zu neuzeitlichen Tönen, lässt auch eine entsprechende Gitarrenbreitseite ab, aber der Song an sich ist viel zu bieder und elterntauglich. Chance vertan, a.) den Altmeister wirklich zu fordern und b.) neue Käuferschichten anzusprechen.

Beileibe kein schlechtes Werk, aber immer noch wanke ich zwischen Hochachtung, Unverständnis und Zweifel...

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.10.2005

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