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Master Of The Moon

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Master Of The Moon
Master Of The Moon, Steamhammer/SPV, 2004
Ronnie James Dio Vocals
Rudy Sarzo Bass
Craig Goldy Guitars
Simon Wright Drums
Scott Warren Keyboards
Produziert von: Ronnie James Dio Länge: 46 Min 13 Sek Medium: CD
1. One More For The Road6. The Eyes
2. Master Of The Moon7. Living The Lie
3. The End Of The World8. I Am
4. Shivers9. Death By Love
5. The Man Who Would Be King10. In Dreams

Über neue Platten von Leuten wie Ronnie James Dio, Lemmy oder Rossi & Parfitt zu schreiben ist nicht so furchtbar dankbar. Es geht nicht um die Frage OB sie es können, sondern bestenfalls um die Einstufung des jeweils aktuellen Albums in die Kategorie "Klassiker", "Durchschnitt" oder "Ausrutscher". Irgendwelche Naseweiße reden dann wahlweise von einem grottenschlechten neuen Album, das dem Debut aus dem Jahr 1748 keinesfalls standhalten kann oder sie beten die Band kritiklos an und akzeptieren auch einen rückwärts aufgesagten Kalauer ihres Helden.
Im Falle Ronnie James Dio ist eine wirklich schlechte Platte nicht denkbar. Der Mann hat nunmal eine begnadete Stimme. Auch mit 55 noch (ich halte mich dabei an die offizielle Altersangabe, andere Quellen sprechen von 10 Jahren mehr). Insofern verbietet sich jede Kritik an sich von selbst. Bestenfalls darf der schreibende Klugscheißer feststellen, dass ihm die CD aus irgendwelchen Gründen auch immer nicht gefällt.

"Master Of The Moon" gefällt mir. Reden wir also vom Erstlingswerk der Band XY, weil bei denen kann man noch Neues entdecken.
Ok, gar so einfach machen wir es uns nicht, immerhin ist Herr Padavona eine Legende und wir wollen uns vor ihm verbeugen.

Geschichtsstunde? ELF, RAINBOW, BLACK SABBATH, DIO.
Hausaufgabe: Nennen und analysieren Sie die 10 größten Songs aus der über dreißigjährigen Karriere des Ronnie James Dio. Sekundärliteratur: Jedes halbwegs vollständige Rocklexikon.
Wer bei Man On The Silver Mountain nicht in Ehrfurcht erstarrt, hat leider keine Ahnung von Rock & Roll. Wer angesichts der leicht kindischen Texte und Bühnenproduktionen mit Pappdrachen und Schwertern hämisch grinst, hat auch nix kapiert. So isser halt, der nicht sehr große Ronnie. Und auch beim ungefähr zwölften Album (incl. "Intermission" von '86) unter eigener Flagge schafft er den einen oder anderen Dauerbrenner. Death By Love dürfte so einer werden. Diesmal ist wieder Craig Goldy an der Gitarre, der rifft sich schwerst rockend durch die Nummer und Dio phantasiert und tiriliert darüber wie ein junger Hüpfer. Ähnlich, wenn auch simpler gestrickt und ohne Geisterwesen im Text, rockt der Opener One More For The Road. Alleine mit diesen zwei Songs hat die CD schon gewonnen.

Ebenfalls höchst interessant ist der Titelsong mit seinem Wechsel zwischen Hymne und "modernem" Metal. Kleinere Langweiler wie The End Of The World werden durch den gewaltigen Bass von Rudy Sarzo aufgewertet, dahinter hämmert sich Simon Wright nach genauer AC/DC-4/4-Vorlage einen Wolf (stilechter wäre ein Drache) und Goldy nervt nur manchmal mit übertriebenen Soli, bleibt aber im Großen und Ganzen angenehm zurückhaltend.
Natürlich zitiert Dio auch seine eigene Vergangenheit immer mal wieder gern, so tönt z.B. The Man Who Would Be King verdächtig nach RAINBOW bzw. Blackmore. Heavy-Progressive-Retrorock im besten Sinn. Oder The Eyes im BLACK SABBATH-Düstergewand. Alles völlig korrekt und legitim, das ist eben seine Musik.

Ohne in wilde Jubelschreie auszubrechen, "Master Of The Moon" ist wieder ein tolles Album von DIO geworden, das sich aufgrund seiner gemäßigten back-to-the-roots Ausrichtung in meinen Ohren wohltuend von Lärmattacken wie "Angry Machines" abhebt und seinen Platz irgendwo zwischen "Sacred Heart" und "Heaven And Hell" in meinem Regal finden wird.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.08.2004

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