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| Live At Montreux 1996, Eagle Vision, 2006 |
| Ian Gillan |
Vocals |
| Roger Glover |
Bass |
| Ian Paice |
Drums |
| Steve Morse |
Guitar |
| Jon Lord |
Keyboards |
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Länge: ca. 122 Min |
Medium: DVD |
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| 1996: | 9. Hey Cisco |
| 1. Fireball | 10. Speed King |
| 2. Ted The Mechanic | 11. Smoke On The Water |
| 3. Pictures Of Home | Bonus Tracks 2000: |
| 4. Black Night | 1. Sixty Nine |
| 5. Cascades: I'm Not Your Lover Now | 2. Perfect Strangers |
| 6. Woman From Tokyo | 3. When A Blind Man Cries |
| 7. No One Came | 4. Lazy |
| 8. When A Blind Man Cries | 5. Highway Star |
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Ich habe großen Respekt vor Musikern, die irgendwann sagen "Schluss, ich mag nicht mehr". Ich habe auch großen Respekt vor Musikern, die sich ein Aufhören einfach nicht leisten können und weitermachen müssen. Genauso wie vor den Alten, die vor lauter Freude am Spielen einfach nicht aufhören wollen. Weniger Respekt habe ich vor denen, die sich bis zum bitteren Ende, ohne Not und mit schwindender Kreativität immer wieder auf die Bühne schleppen, damit der Kontostand noch mal um ein Milliönchen expandiert. Das Volk berappt derweil kurzerhand 40 Euro für ein T-Shirt und dreistellige Eintrittpreise.
Jon Lord, das Orgel-Genie von DEEP PURPLE, gehört zur erstgenannten Kategorie. Zugegeben, die Kohle brauchte der wirklich nicht mehr, aber sein Entschluss, nach so vielen Jahrzehnten seine Band 2002 zu verlassen und in Rente zu gehen bevor jemand lacht, ist aller Ehren wert. Konserve sei Dank, jetzt kann man sich Lord noch mal in voller Spielfreude ansehen und -hören, mittels der DVD vom 96er Auftritt in Montreux nämlich. Da war er auch schon immerhin 55, aber wenn er sich mit Steve Morse grinsend duelliert und nach seinem gelungenen Solo kurz die Faust ballt, kann man sehen und spüren, dass hier ein Vollblutmusiker am Werk war, der zufällig auch noch die genau richtige Musik machte, um sich selbst, mich und Millionen andere von jüngster Jugend an zu begeistern.
Nun habe ich bereits verschiedentlich am Publikum des Montreux Jazz Festival herumgemäkelt. Entschuldigung! Bei den wenigen Schnitten ins Publikum sieht man viele junge und noch mehr enthusiastische Fans, die einfach nur Bock auf Hard Rock hatten und reichlich abgingen. Kein Wunder, denn DEEP PURPLE boten auch einen wirklich vollfetten Set. Das kommt optisch und vor allem akustisch im 5.1 Sound auf DVD noch viel besser im Wohnzimmer an, als auf der kürzlich besprochenen CD.
Auch wenn man, wie ich, nicht unbedingt ein visueller Mensch ist und eigentlich auf Wackelbilder verzichten kann, "Live At Montreux 1996" ist den Erwerb auf DVD auf jeden Fall wert. Der Sound ist besser und die Kameraführung ist altersgerecht unhektisch, klar und passend zur Musik. Macht Spaß.
Der Spaß beginnt mit dem furiosen Fireball. Welch zwei brandgefährliche Kernkraftwerke PURPLE auf der Bühne in Betrieb nehmen, bekommt man in Form von Ian Paice und Roger Glover um die Ohren gehauen. Ian, noch deutlich schlanker als heutzutage, legt vor, Roger feuert nach. Das geht über das gesamt Konzert so, aber zum Einstieg ist man von der Power zuerst völlig geplättet. Diese beiden machen die Band viel mehr zu einem Faszinosum, als es Blackmore je getan hat. Bei dem hat man eigentlich immer nur auf den nächsten Aussetzer gewartet - dass er begnadet Gitarre spielen kann (konnte) ist eh klar. Das kann Steve Morse allerdings auch und macht nebenher auch noch den Strahlemann. Ganz ehrlich: Mir ist das deutlich lieber als die muffige Art des anderen.
Zurück zu Glover und Paice. Viele unserer Leser werden PURPLE schon zigfach live gesehen haben oder wenigstens CDs/Videos/DVDs besitzen. Das Schlagzeug-Bass Getöse der beiden funktionierte immer, dennoch ist man immer wieder begeistert. Bei einem beseelten Konzert wie diesem ist der Effekt noch ein Schippchen größer. Mancher "Spinner" wird sich die DVD im "Karaoke-System" öfter nacheinander anhören und sich nur jeweils auf ein Instrument konzentrieren. Macht Euch auf so manche Überraschung gefasst und passt bei Hey Cisco besonders gut auf! Ich sag nur: Boooooah. Man weiß dann, warum Paice noch Generationen junger Schlagzeuger beeinflussen wird.
Natürlich ist da noch Ian Gillan. Wie schlimm hat man den schon gesehen..., doch seit dem Einstieg von Morse ist er zu dem geworden was er bis heute ist: der charmante Geschichtenerzähler mit einer unverwechselbaren, einmaligen, grandiosen Stimme. 1996 noch mit langen Haaren und Schuhen und etwas moppeliger als heute, hatte er sich und das Publikum im Griff, spielte mit der Band (im Spaß und im Jam) und bot eine phantastisch souveräne Vorstellung. Sogar bei der "italian ballad" Speed King. Hut ab, Herr Ramazotti.
Speed King beinhaltet das oben erwähnte "Duell", ein Solo von Paice, einen ausgiebigen Sessionteil und zeigt, wie inspirierend Morse für die Band seinerzeit war. Schamhaft verstecken musste er sich mit seinem Werdegang sowieso nie, ergo konnte er von Anfang an mehr oder weniger tun und lassen was er wollte. Auch Lord mal schnell ins Solo funken oder gar Coverdales Burn anspielen und dabei ganz besonders fies lachen. Dafür verpasste er auch den ältesten Kamellen eine Frischzellenkur. Oder hat jemand seit "Made In Japan" eine fidelere Version von Woman From Tokyo gehört?
80 Minuten sind für DEEP PURPLE kein langes Konzert und für eine DVD auch nicht. Deswegen gibt es noch fünf Nummern vom Auftritt im Jahr 2000 an gleicher Stelle. Im Prinzip gab es nur ein paar optische Änderungen, vielleicht hat Lord da auch schon mit dem Gedanken an seinen Schaukelstuhl gespielt, hören kann man davon nichts.
Auf der CD waren Sometimes I Feel Like Screaming und Fools als Zugabe, hier gibt es neben dem Lazy-Jam und Highway Star noch mal When A Blind Man Cries (mit modifiziertem Intro und Solo) sowie das mittelalte Perfect Strangers (once a Langweiler, always a Langweiler) und Sixty Nine von "Abandon". Gillan erklärt gleich noch die tiefere Bedeutung des Titels (hätten wir einen FSK18-Bereich, würde ich näher darauf eingehen) und umschifft die ganz hohen Gesangspassagen. Dafür blubbert Glover monströs und Morse spielt mit Handgelenkstütze Dinge die man eigentlich nicht spielen kann. Angeblich soll Blackmore zum 40. Jubiläum des Montreux Festivals in diesem Sommer einmalig zurückkehren. Er darf sich warm anziehen.
"Live At Montreux" ist die beste der vielen bisherigen DVDs dieser Band. Und Smoke On The Water wird für immer ein Killer sein. Basta.
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