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The Strat Pack - Live In Concert

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The Strat Pack - Live In Concert
The Strat Pack - Live In Concert, Eagle Vision, 2005
House Band:
Phil Palmer (musical director) Guitar
Pino Paladino Bass
Ian Thomas Drums
Wix Wickens Keyboards
Steve Balsamo, Margo Buchanan, Helen McRobbie, Cassandra Nicole Malaise Backing Vocals
House Band's Special Guests: Paul Carrack, Andy Fairweather-Low, Ben Marvin
Länge: ca. 155 Min Medium: DVD
1. Peggy Sue - The Crickets, Albert Lee & Brian May17. Angel - Jamie Cullum
2. Maybe Baby18. Stronger Than Me - Amy Winehouse
3. I Fought The Law19. Muddy Water Blues - Paul Rodgers
4. Oh Boy20. Drinking - Paul Rodgers featuring Jasmine & Steve Rodgers
5. That'll Be The Day21. Alright Now - Paul Rodgers & Brian May
6. Darts - Hank Marvin & Ben Marvin22. Can't Get Enough - Paul Rodgers & Joe Walsh
7. The Rise And Fall Of Flingel Bunt23. Funk 49 - Joe Walsh
8. Sleepwalk24. Life's Been Good
9. Apache25. Life In The Fast Lane
10. I'm On My Way - Theresa Andersson26. Rocky Mountain Way
11. Country Boy - Albert Lee & Theresa Andersson27. 6 PM - Phil Manzanera
12. How Long - Mike Rutherford & Paul Carrack28. Marooned - David Gilmore
13. All Along The Watchtower29. Coming Back
14. While My Guitar Gently Weeps30. Sorrow
15. I Can't Dance31. Ooh La La - Ronnie Wood
16. Red House - Gary Moore32. Stay With Me - All Star Line Up

Im Herbst 2004 war es soweit: Das 50. Jubiläum der Fender Stratocaster stand an und gefeiert wurde in der Londoner Wembley Arena.
Wenn so ein Event ansteht, schart sich gern eine illustre Schar an Gästen zusammen. Inwieweit die dann einen wirklichen Bezug zum Anlass haben, ist hier und da fragwürdig, aber wenn's ums Feiern geht, lässt man Fünfe auch mal gerade sein.
Vor einigen Jahren wurde an gleicher Stätte das 100. Jubiläum von Gibson Guitars gefeiert und ich als alter Les Paul und ES 335 Player durfte da natürlich nicht fehlen (vor, nicht auf der Bühne!). Da tummelten sich denn auch diverseste Größen und ich kann mich noch gut an das - vermeintlich stundenlange - Gedudel von Slash und Zakk Wylde erinnern. Mann, da brauchteste schon gute Nerven.
Da in England war damals wie hier natürlich auch Brian May mit dabei, obwohl der weder ein typischer Gibson- noch ein bekannter Fender-Endorser ist. Selbstverständlich war damals auch der unvermeidliche Paul Rodgers mit von der Partie. Aber wisst ihr was? Der und, für mich sogar noch mehr, der Australier Jimmy Barnes waren das Salz in der Suppe! Nur Gitarrengefrickel is' halt auch nix - man braucht Songs und dazu wiederum jemand der sie passend singt.
Ob dieser Zusammenschnitt das Konzert vom letzten Jahr jetzt repräsentativ rüberbringt, vermag ich nicht zu sagen, aber unterhaltsam ist es alldieweil.

Der erste der die Fender Stratocaster zu seinem Markenzeichen machte (und ihr quasi Starthilfe mit seinem Gitarrenkabel gab) war Buddy Holly. So macht es Sinn und Spaß, wenn hier Buddys alte Band THE CRICKETS diesen Abend eröffnen. Hut ab, was die alten Knaben noch drauf haben! Jerry Allison trommelt den Beat von Peggy Sue noch genauso exakt und mitreißend wie in den 50ern. Ja, gut (Quelle: Franz Beckenbauer), schließlich ist er ja auch der Mann, der Peggy Sue im Juli 1956 geheiratet hat. Auch Joe B. Williams am Kontrabass ist nach wie vor absolut fit an seinem Instrument. Gitarrist Sonny Curtis spielte mit Buddy ja bereits vor den CRICKETS und ist einer der profiliertesten Songschreiber. Mit seinem I Fought The Law hatte zunächst Bobby Fuller und später THE CLASH Riesenhits.
Mit den CRICKETS spielen Brian May und Albert Lee. Beiden ist anzusehen, wie viel Spaß es ihnen macht mit dieser Band zu spielen und sie gehen sehr konzentriert, und keineswegs "mitschrammelnd", zu Werke. Brian May übernimmt den Gesang bei Maybe Baby (lustig, wie klein die Stratocaster in den Händen von diesem Lulatsch aussieht), sowie bei That'll Be The Day und hat hier als einziger auch mal ein richtiges Gitarrensolo zu spielen.
Prompt kommt bei diesem Song auch das alte Freibiergesicht Ronnie Wood mit auf die Bühne geschlappt und sorgt, wie gewohnt, mehr für gute Stimmung denn für musikalische Qualitäten. Das darf man nicht unterschätzen: Solche Typen sind auch wichtig.

Für einen weiteren Höhenflug für die Fender Stratocaster sorgte zweifellos Hank B. Marvin, der sowohl mit den SHADOWS als auch solo neue Möglichkeiten aufzeigte. Selbst heute noch ist man von diesem Sound berührt. Und der puristische Klang von Hanks Spiel stielt dem von seinem Sohnemann Ben mühelos die Schau. Also, das ist schon Klasse, was Hank Marvin da aus der Gitarre für Töne rausholt. Flüchtig betrachtet mag das nach Weichspülermusik klingen, aber diese Variationen und Klänge muss man erst mal hinkriegen und spätestens beim Evergreen Apache ist man genauso begeistert wie die langhaarigen Rocker, die im Publikum applaudieren.
Optisch bietet Theresa Andersson, die zudem ihre Bassistin dabei hat, natürlich schon bedeutend mehr, wenngleich die musikalischen Akzente bei dem (Alt-)Country-Rock Song I'm On My Way vom Gitarristen der "House Band", Phil Palmer, gesetzt werden. Jener agiert sowieso quasi als "graue Eminenz" über nahezu die ganze Show, als Mann der die Fäden zieht und immer zur Stelle ist, wenn mal ein Solo von Nöten ist.
Die Soli bei seiner Paradenummer Country Boy übernimmt Albert Lee schön selber und falls jemand meint, er kennt einen der schnell Gitarre spielen kann - schaut mal hier hin! Der pure Wahnsinn, wie Albert Lee mit absoluter Präzision über das Griffbrett fegt. Da können seine Mitstreiter zwar Beiträge liefern, aber für ungläubiges Kopfschütteln sorgt allein der Meister.
Der Beitrag von Paul Carrack und "Gitarrengott" Mike Rutherford ist ganz nett und unterhaltsam aber viel mehr als das Riff zu I Can't Dance kann man letzterem nicht zu gute halten und Carrack kann bei diesem Lied gegen Phil Collins auch nicht anstinken.
Der alte Mitstreiter von Eric Clapton (wo war der eigentlich an diesem Abend?) Andy Fairweather-Low unterstützt die Band bei All Along The Watchtower und While My Guitar Gently Weeps an der Akustischen. Die Glanzlichter, sprich Soli, liefert allerdings Phil Palmer. Das wiederum inspiriert und gekonnt.
Für ordentlich Lärm, ja so kennt man ihn, sorgt Gary Moore mit Hendrix' Red House. Wie man zu so einem Gesicht kommt, demonstriert Gary eindrucksvoll anhand der Grimassen mit denen er jedes Lick ausgiebig untermalt.
Wo wir schon bei Jimi Hendrix sind, lässt Jamie Cullum seine Version von Angel folgen. Jamie spielt E-Piano und auf einen Gitarristen verzichtet man gleich vollends. Wozu auch? Ist ja nur ein Fender Stratocaster Festival.

Bei Amy Winehouse sind dann immerhin wieder zwei Gitarristen mit auf der Bühne, die allerdings in dem jazzigen überwiegend die Wasserträgerrolle haben. Schöne Stimme hat sie ja, die Amy. Schön aber auch, wenn sie mal nicht singt.
Eine schöne Stimme hat zweifellos auch Paul Rodgers und Gitarre hat er ja auch schon immer mal gespielt. Muddy Water Blues gehört zum besten, was er seit den Tagen von FREE und BAD COMPANY geschrieben hat und kommt auch an diesem Abend gut. Ob allein oder im Verbund mit seinen Zöglingen Steve und Jasmine - sein Gesang ist immer noch eine Klasse für sich.
Das mag sich auch Brian May gedacht haben, denn ihre gemeinsame, powervolle Version von Alright Now war der Auslöser für die Idee QUEEN mit Paul Rodgers am Gesang wieder auf die Bühne zu bringen. Brian spielt hier natürlich keine Strat, sondern seine gewohnte Eigenbau-Gitarre.
Pauls Gast für Can't Get Enough ist Joe Walsh. Der kaut seinen Kaugummi zunächst auch noch leidlich interessiert, aber, und jetzt kommt's: Beim zweiten Solo taut er schon etwas auf und als Joe schließlich die Bühne als Chef übernimmt wird's richtig gut! Mann, was haben sie mit dem in den letzten Jahren bei den EAGLES gemacht? Schlaftabletten verabreicht? Der Kerl entwickelt eine Spielfreude, die einen schon bei den ersten Tönen von Funk 49 ansteckt. Macht richtig Spaß, die alte JAMES GANG-Nummer mal wieder zu hören. Joe ist auch gesanglich voll auf der Höhe, was er bei seinem Hit Life's Been Good unterstreicht, und gitarristisch lebt er den Reggae-mäßigen Titel aus, wie wohl schon seit Jahren nicht mehr. Mit Life In The Fast Lane setzt Joe Walsh ein weiteres Glanzlicht und mit Rocky Mountain Way den Höhepunkt dieses Abends. Da wird einem nochmals bewusst, welch toller Performer dieser Mann ist und die Frage stellt sich, ob dessen Talent bei den EAGLES nicht verschwendet wurde. Na ja, mehr Geld hätte er nirgends verdient.
Danach kommt einem Phil Manzanera, wenngleich engagiert, mit seinen Soundspielereien reichlich lahm vor.
Mit David Gilmoure hat man dann immerhin noch jemand am Start, der auch einen ganz eigenen, unverkennbaren Gitarrensound geschaffen hat. Der bringt auch seine eigene abgeschabte Stratocaster mit auf die Bühne (die meisten anderen haben sich offensichtlich im Fender Arsenal bedient) und wenn er auch technisch kein außergewöhnlicher Gitarrist ist, schafft er es doch (wie wenige), Bilder in den Köpfen der Zuhörer zu erzeugen.
Danach ist Partytime angesagt und dazu holt man natürlich Ronnie Wood von der Bar im Backstagebereich. Der krächzt denn auch - von Gesang kann man schwerlich reden -, bewaffnet mit einer Gibson Akustikgitarre, den alten FACES-Hit Ooh La La freudig ins Mikrofon und sorgt für beste Laune auf der Bühne und im Saal. Auch die bekannten Eröffnungsakkorde von Stay With Me drischt Ronnie , jetzt mit Stratocaster, cool wie eh und je und selbst die Slide-Licks sind überwiegend o.k. Den Gesang übernimmt wieder Paul Rodgers und auf der Bühne wird's langsam voll, denn natürlich versammeln sich jetzt alle Gäste des Abends und erfreuen sich am gemeinsamen Herumblödeln, inkl. Mitsingteil und abwechselnden Soli. Da bleibt kein Auge trocken, wenn Ronnie gestikuliert und die Solisten heraus deutet.

Es sind wirklich etliche fantastische Aufnahmen auf dieser DVD, allen voran Joe Walsh. Ton und Bild sind natürlich perfekt und die Kamera schaut den Spielern des öfteren genau auf die Finger bzw. das Griffbrett.
Über 2 ½ Stunden wird also richtig was geboten und weit bessere Unterhaltung geliefert, als ich es erwartet hätte. Damit dürften der Fender Stratocaster weitere 50 Jahre im Rampenlicht gesichert sein.

Ländercode: 0
Ton: DTS: Englisch; DD 5.1 Surround; Dolby Digital Stereo
Bild: 16:9

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 26.12.2005

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