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Absolutely Live @ Blues Garage II

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Absolutely Live @ Blues Garage II
Absolutely Live @ Blues Garage II, Wallbreaker Live Recording, 2006
Produziert von: Eckhard Gallus Länge: 69 Min 39 Sek Medium: CD
1. Angel 'O' Mine - Aynsley Lister6. Are You Experienced - Randy Hansen
2. Isn't Love My Friend - Todd Thibaud7. Devil's Grip - Arthur Brwon
3. Home - Ben Granfelt8. Mama Wilson - Engerling
4. High Tide, High Water - Spencer Davis Group9. Let The Good Times Roll - The Blues Band
5. Woman - Epitaph

Da hat einer seine Nische gefunden - und tut Gutes damit. Der kämpfenden Musikszene, der Blues Garage, sich selbst mit den hoffentlich verdienten paar Kröten, und uns Fans.
Eckhard Gallus war von Februar bis Dezember 2005 mit seinen Mikrofonen wieder im Einsatz und hat 9 Konzerte in der Blues Garage zu Hannover mitgeschnitten und den Extrakt auf den zweiten Blues Garagen Sampler gepackt. Diesmal pünktlich zum siebten Jubiläum des Clubs und mit einer Mischung, die vielleicht auf den ersten Blick etwas weniger spektakulär erscheint als Volume I, aber bei näherer Betrachtung einen Reiz entwickelt, der überhaupt nicht zu überschätzen ist: Feeling all over!

Der Wallbreaker gibt den Bands keine Chance zum Verstecken, zum Tricksen und Täuschen, what you hear is what happened. Von der Bühne in die Boxen in die Konserve, das ist das Rezept, und ein Suppenkasper würde sich mit seinen Fehlern peinsam bekleckern. Aber die sucht man bei den ausgewählten Acts vergeblich, nur Class-A Kapellen durften auf "Absolutely Live @ Blues Garage II".
Da wäre zum Beispiel Aynsley Lister, den man zwar manchmal schütteln könnte wegen seiner immer noch nicht vollständig vollzogenen Emanzipation vom "boring old farts" Blues-Publikum, der aber jederzeit in der Lage ist, Songperlen wie Angel 'O' Mine zu schreiben. Lister gibt die Gitarre direkt an Todd Thibaud weiter... Halt! Da steht Oktober und Juni 2005 als Aufnahmedatum? Geschickt gemacht, Herr Gallus! Keine Ausblendungen zwischen den Titeln, man hat tatsächlich den Eindruck, hier spielten alle am gleichen Abend, ohne Pausen und Soundchecks, direkt nacheinander.
Thibaud also. Der ist natürlich seit vielen Jahren emanzipiert und macht(e) mit HARDPAN und solo bei Blue Rose Records regelmäßig feine Platten. Letztes Jahr hatte er wieder Jabe Beyer an der zweiten Gitarre dabei und mit Isn't Love My Friend vom Album "Northern Skies" schüttet er das Publikum mit Emotion regelrecht zu.
Zu meiner Überraschung kann auch Ben Granfelt emotional berühren. Ich mochte ihn mir solo nach dem Desaster im Vorprogramm von LYNYRD SKYNYRD vor Jahren nie mehr anschauen, bei WISHBONE ASH ließ er mich kalt, als Gitarrist ist er natürlich weltklasse, als Sänger lausig, und Home kommt toll. Bei seiner nächsten Tour bekommt er deswegen eine neue Chance.
Die hätte ich gerne selbst von Spencer Davis. High Tide, High Water ist schon auf dem famosen "Official Bootleg 2006" und dort ist alles zur SPENCER DAVIS GROUP im neuen Jahrtausend gesagt.
Offensichtlich noch lange nicht alles gesagt ist zu EPITAPH. Trotz dem inzwischen beinahe biblischen Alter der Band um Cliff Jackson, dampft es immer noch gewaltig, jedenfalls wenn es nach dieser gewaltigen Version von Woman geht. Hoffentlich geht die Band nicht im, für mich dubiosen, Krautrock-Revival-Hype baden und rockt weiterhin so frisch.
Der Höhepunkt der CD ist sicherlich Mama Wilson von ENGERLING. Leider nimmt man im Westen die Band fast nur noch als Begleitkapelle von Mitch Ryder wahr und vergisst darüber die einzigartige Blues-Power dieser Urgesteine. Boddi Bodag versteh ich zwar kaum bei diesem Tribute to Alan Wilson (CANNED HEAT), aber in den fast 11 Minuten geht die Post sowas von ab, dass man geneigt ist zu sagen: Blues und Boogie werden uns niemals verlassen. Ganz groß.

Es sind drei Bands auf "Absolutely Live @ Blues Garage II", die mir ein wenig Bauchschmerzen bereiten. Randy Hansen, weil er in einem Universum lebt, das so weit von der Realität entfernt ist wie Jimi Hendrix vom ewigen Leben, Arthur Brown, weil er nun wirklich ein Relikt der Sixties ist und mir persönlich keineswegs "The Crazy World Of Arthur Brown" vermitteln kann, und, leider, die BLUES BAND, von deren einstiger Power heute nur noch ein Bruchteil übrig ist.
Randy Hansen ist ohne Zweifel Kult und das darf er ruhig sein. Mir ist es schlicht zu viel Hendrix und zu wenig eigene Identität. Oder ist es gar keine Identität? Anyway, als Gitarrist ist er ein Naturschauspiel und scheint die alten Jünger nach wie vor zu begeistern.
Devil's Grip von Arthur Brown stammt wohl von 1967 oder 68. Auch wenn der vermeintlich durchgeknallte Brown immer noch verblüffende Töne von sich gibt, mir ist das mindestens drei Schritte zu tief in der Vergangenheit.
Und schließlich die BLUES BAND. Als von 1979 bis 82 in schneller Reihenfolge die ersten vier Platten der supersympathischen Band erschienen, hatte der Rhythm & Blues, neben DR. FEELGOOD natürlich, wieder ein Gesicht. Alle liebten die Engländer und wir durften sie bei vielen Konzerten erleben und ein paar Liter dabei ausschwitzen und gleichzeitig nachfüllen. Gut gelaunt sind die Herren auch heute noch, Let The Good Times Roll bringt das Publikum auch augenscheinlich immer noch in Wallung, mir bleibt aber nur der Eindruck einer in Würde gealterten Bluesband, die heute genau das darstellt wogegen sie vor 25 Jahren mit aller Macht Dylans Maggie's Farm gestellt haben: Establishment.

Happy Birthday, Blues Garage & Herzlichen Glückwunsch und Dank für diese CD, Wallbreaker!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 17.04.2006

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