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A Decade Of Brazen Abbot

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A Decade Of Brazen Abbot
A Decade Of Brazen Abbot, Frontiers Records, 2004
Nikolo Kotzev Guitar, Vocals
Joe Lynn Turner Vocals, Acoustic Guitar
Lars Pollack Keyboards, Vocals
Wayne Banks Bass, Vocals
Thomas Broman Drums
Produziert von: Nikolo Kotzev Länge: 63 Min 36 Sek Medium: CD
1. Intro8. Keyboard Solo
2. Mr. Earthman9. Can't Let You Go
3. One Life To Live10. I'll Be Free
4. Slip Away11. I Surrender
5. Guilty As Sin Part 112. Drum Solo
6. Guilty As Sin Part 213. Road To Hell
7. Supernatural14. Love Is On Our Side (Acoustic Studio Version)

Bulgarien ist das Land mit den meisten und geschicktesten Geld- und Passfälschern. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks und entsprechendem Import westlicher Gentechnologie kriegen sie auch Hardrockgitarristen ganz gut hin. Nur mit der Namensgebung sollten sie sich noch etwas Mühe geben, Nikolo Kotzev klingt so gar nicht nach einem veritablen Guitarhero, eher nach einem durchschnittlich begabten Fußballer, den Lokomotive Sofia nach Bielefeld verkauft hat.

Unsinn das. Nikolo Kotzev lebt seit 15 Jahren in Finnland und ist mit seinen Bands BALTIMORE und BRAZEN ABBOT längst ein bekannter Name in der europäischen Szene. Seit gut 10 Jahren hat er mit Sängern wie Glenn Hughes, Göran Edman (Malmsteen), Thomas Vikström (CANDLEMASS) und Joe Lynn Turner sowie Formationen mit diversen Mitgliedern von EUROPE und Yngwie Malmsteen's Bands Platten eingespielt. Die waren allesamt nicht schlecht, hatten aber immer diesen leicht aufdringlichen Dudel-Fudel-Flitzefinger-mit-Mietsänger Beigeschmack. Sein letztes Projekt war das in der Presse vielbeachtete Werk "Nikolo Kotzev's Nostradamus" mit Gästen wie Doogie White (ex RAINBOW), Alannah Myles (ex Superstar) oder Sass Jordan (leider nie Star). Rock-Opern sind heutzutage nicht mehr sonderlich angesagt, deswegen legte sich der Staub um die Geschichte recht schnell wieder und es war gut zwei Jahre sehr ruhig um Kotzev (von der untergegangenen "Guilty As Sin" aus dem letzten Jahr abgesehen - es war die letzte Platte für seine alte Plattenfirma und entsprechend war auch die Promotion).
Im Juli 2003 war er - von der hiesigen Öffentlichkeit natürlich unbemerkt - mit Joe Lynn Turner in Bulgarien auf Tour und dabei wurde diese CD bei einem Konzert in Sofia mitgeschnitten. Warum die Veröffentlichung über ein Jahr gedauert hat weiß ich nicht. Vielleicht hat die Produktion der zugehörigen DVD so lange gedauert.

Ende Juli in Sofia - man darf mir glauben, da läuft einem der Schweiß literweise den Rücken runter. Da hilft nur viel Bier - man darf mir glauben, die haben ganz ausgezeichnetes dort - und wer den Hang der Bulgaren zu klassischer Rockmusik und Bier kennt, kann sich die aufgeheizte Atmosphäre im Kulturpalast der Hauptstadt vielleicht vorstellen. Da braucht es nur einen Sänger mit der Fähigkeit eine alte Nummer von RAINBOW ordentlich zu singen, einen Gitarristen, der alle Zaubertricks der guten alten Blackmore-Schule beherrscht und einen Keyboarder, der hinter einem Turm Tasteninstrumente eingezwängt ist und bedeutungsschwangere Töne von sich gibt.
Den Sänger und Tastendrücker hatte er dabei und Gitarre kann er selber spielen, es konnte also nichts schief gehen.

Über Joe Lynn Turner braucht man nicht mehr viel zu erzählen. Der Mann ist in seinen besten Momenten eine Koryphäe, kann aber auch furchtbar banal sein. Mit BRAZEN ABBOT hatte er eine gute Zeit. Kotzev selbst übertreibt es bei diesem Konzert nicht mit Gitarreneinlagen und die Band rockte beseelt. Irgendwie modern, progressiv oder gar revolutionär ist "A Decade Of Brazen Abbot" in keiner Sekunde, das hätte ihnen das Publikum auch nicht abgekauft. Die wollten Classic Rock und den bekamen sie ohne Wenn und Aber. Inklusive Keyboard- und (gähn) Schlagzeugsolo, einer furchtbaren Feuerzeugballade (I'll Be Free) und zwei von Turner schon seinerzeit bei RAINBOW gesungenen Nummern, Can't Let You Go und I Surrender.

Das ist nicht spektakulär, aber eine tadellose Hardrock-CD mit guter Band, toller Stimmung und unter dem Strich zeitloser Musik. Kotzev und sein Baby BRAZEN ABBOT sind sozusagen die legitimen Nachfolger der mehrmals genannten Über-Band. Wer's nicht glaubt, soll sich mal den Dampfhammer Road To Hell überbraten lassen.
Mir hätte diese Show auch Spaß gemacht. Schade, dass ich im Juli 2003 nicht dort war. Aber da war es bei uns auch heiß.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 23.10.2004

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