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BoysVoice

Serenity

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Serenity
Serenity, Escape Music, 2005
Mani Gruber Vocals, Guitars, Keyboards
Jochen Mayer Bass, Vocals
Peter Diezel Guitars
Alex Hoetzinger Drums, Percussion
Gäste:
Carsten Lizard Schulz Backing Vocals
Thorsten Koehne Slide- & Solo Guitar (Only See You There)
Martin Kursawe Solo Guitar (Rocket), Slide Guitar (Open Your Eyes)
Petra Scheeser, Ricarda Kinnen, Tina Frank, Ute Holzapfel Backing Vocals
Produziert von: Mani Gruber & Jochen Mayer Länge: 61 Min 22 Sek Medium: CD
1. Open Your Eyes8. All About You
2. Light's Out9. Only See You There
3. Best Friend's Lover10. Too Late To Love You
4. What You Get11. Rocket
5. Always On My Mind12. Light's Out (Radio Version)
6. On Your Own13. Always On My Mind (Radio Version)
7. Crazy

Mei oh mei, alle kommen sie wieder daher, die irgendwann Gescheiterten und Vergessenen. In diesem Fall sind es "Munich's finest" BOYSVOICE, die stadtbekannten Hardrocker aus dem Jahr 1990.
Was hatte München damals für eine Szene. Bands wie RAILWAY, VICE, eben BOYSVOICE, plus ein gutes halbes Dutzend anderer sprangen in den späten Achtzigern für ein paar Jahre durch die Landschaft. Die meisten hatten grade das ganz große Ding am Start und der Welterfolg war nur eine Frage von Tagen. Doch dann kam Kurti C. mit seinem Schießgewehr und ballerte sich, nein, das war später... Dann kam Kurti C. und zog all den Jüngern der Spandexhose den Boden unter den Füßen weg und somit die Grundlage für immerwährenden Ruhm und Reichtum. Warum ausgerechnet der kleine Halbitaliener John Bongiovi aus New Jersey so stinkend reich geworden ist, entzieht sich der Kenntnis des Chronisten.
BOYSVOICE veröffentlichten ihre erste Platte seinerzeit bei der großen EMI, wurden dann im Zuge der "Umstrukturierungen" gedropt, lieferten noch eine zweite Scheibe, "Dirty Talks", bei einem kleinen Label ab und dann war Schluss mit den Knabenstimmen. Wie dämlich die Industrie schon damals war, zeigen die relativ beeindruckenden Erfolge des ersten Albums und einiger heftig eingesetzter Videoclips und Singles. Da hätte sich etwas draus machen lassen, stattdessen setzte man auf Schrabbelgitarren und Menschen ohne Stimme.
Die Jungs von BOYSVOICE verliefen sich in alle Richtungen, einzelne Namen tauchten immer wieder bei bekannten deutschen Bands oder in diversen Münchner Projekten auf, doch die Herrlichkeit bajuwarischen Hochglanz-Rocks war vorbei.

15 Jahre später, die Witzchen über alberne Klamotten und ganz und gar unmögliche Frisuren aus der Poser-Ära hat man längst vergessen, sind BOYSVOICE wieder da und man freut sich ganz ehrlich, die Band nach so langer Zeit wiederzusehen.
Besonders viel hat sich nicht geändert, heute heißt die Musik halt Melodic Rock, die Gesichter sind etwas erwachsener geworden, die Stretchhosen sind profanen Jeans gewichen, aber ansonsten schwelgen BOYSVOICE nach wie vor in exzellent arrangierten Gesangspassagen und mittelharten Gitarreneinlagen. Sänger und Gitarrist Mani Gruber ist nach wie vor fähig, richtig süchtig machende Melodien zu schreiben, der Balladenanteil ist immer noch um gefühlte 1 pro CD zu hoch, könnte aber jederzeit im Radio einschlagen, die Rocker gehen dafür gradewegs ins Bein. Alles wie früher. Fast.

Als grober Anhaltspunkt seien BONFIRE und die SCORPIONS (die "guten" SCORPIONS sind gemeint, nicht die Krampfkapelle von heute) genannt. Irgendwo in diesem Bereich können sich BOYSVOICE heute platzieren, überragen aber die Hannoveraner, wenn es ums Thema "unpeinliche Balladen" geht, und schlagen die Ingolstädter mit frischen Rocksongs wie Best Friend's Lover, das mit einem kernigen Funk-Groove daherkommt, oder dem Ohrwurm Rocket.
Sehr schön passt die einige Male eingesetzte Slidegitarre, dem ganz harten Metalhead dürfte der eine oder andere Nanana-Chor zu viel sein, dafür drückt die gesamte Produktion erfrischend ins Ohr und Gruber und Peter Diezel lassen an den Gitarren schön die Funken fliegen. Schwermetall wird da zwar nicht geschweißt, aber im Präzisionslöten verdient "Serenity" den Meisterbrief. Der Gesang ist ohnehin outstanding.

Jetzt fehlen nur noch ein paar Konzerte (vielleicht im Theatron im August?) und es wäre wieder alles wie damals. Good to have you back!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 05.06.2005

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