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Atomic Rooster

Nice'N'Greasy

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Nice'N'Greasy
Nice'N'Greasy, Castle Music/Sanctuary Records, 2004 (1973)
Johnny Mandela Lead Guitar
Rick Parnell Drums & Percussion
Chris Farlowe Vocals
Vincent Crane Hammond Organ, Electric Piano, Piano, ARP Synthesizer, String & Bass Arrangements
John DuCann Guitar (The Devil's Answer & Throw Your Life Away)
Produziert von: Vincent Crane Länge: 59 Min 04 Sek Medium: CD
1. All Across The Country8. Satan's Wheel
2. Save MeBonus Tracks:
3. Voodoo In You9. What You Gonna Do
4. Goodbye Planet Earth10. Moods (non-album b-side)
5. Take One To Toke1980 Reunion Tracks:
6. Can't Find A Reason11. The Devil's Answer (live)
7. Ear In The Snow12. Throw Your Life Away

Meine erste Begegnung mit ATOMIC ROOSTER fand im Jahr 1980 und ihrer gleichnamigen LP statt. Das war ein Hammerteil, knallhart, düster und bedrohlich wie sonst nur BLACK SABBATH und dennoch voll mit Boogie und Rock & Roll und überdies auch noch ohne Bass eingespielt, nur Gitarre, Keyboards und Drums. Sozusagen der vertonte Aleister Crowley - Mainman und Keyboarder Vincent Crane war auch Zeit seines Lebens an schwarzer Magie interessiert.
Die Platte wurde von der großen EMI veröffentlicht und ich wusste damals nicht, dass diese Band ATOMIC ROOSTER alles schon hinter sich hatte, dass dieser (Comeback) Longplayer nicht die geringste Chance auf Erfolg hatte (soweit ich mich erinnern kann, war nicht in einer einzigen deutschen Musikzeitung eine LP-Besprechung zu finden) und die Band bzw. ihre Mitglieder nur wenige Monate später bereits in der völligen Obskurität versinken sollte.

Mein zweiter Versuch mit der Band war dummerweise ihre erste LP von 1970, ebenfalls "Atomic Rooster" betitelt, und die ist für einen jungen Menschen der gerade intensiv um Bon Scott trauert nicht die richtige Ablenkung. Völlig wirres und irres Gedudel um einen offensichtlich durchgedrehten Keyboarder und den außer Rand und Band geratenen Carl Palmer am Schlagzeug. Krank und bereits damals (also 1980) hoffnungslos veraltet. Mein Wissen um die Band beschränkte sich immer noch mehr oder weniger auf die Tatsache, dass Vincent Crane den Hit Fire von Arthur Brown, dem "God of Hellfire", geschrieben hatte.

Später, mit dem Beginn des CD-Zeitalters, wurden die alten Platten der Band in regelmäßigen Abständen (und grausigem Sound zumeist) immer und immer wieder veröffentlicht doch irgendwann achtet man wegen Reizüberflutung nicht mehr auf die 5,99 Sonderangebote am Ramschtisch.
Dass sich Vincent Crane 1989 das Leben mit einer riesigen Menge Tabletten nahm, war den Gazetten höchstens eine Randnotiz wert.

Seit ein paar Jahren hat sich das Castle Music Label der alten Platten angenommen und veröffentlicht sie remastert mit Bonus Tracks und ausführlichen Linernotes nach und nach neu. Diesmal ist das fünfte Album "Nice'N'Greasy" dran und, Schande, ich kannte die Platte bisher nicht. Peinsam für einen, der über Musik reden und schreiben will.

Hard Facts: Die Band war wieder einmal umbesetzt, an der Gitarre erschien ein gewisser Johnny Mandala (später unter dem Namen John Goodsal bei BRAND X), den Gesang hatte der große Chris Farlowe bereits seit dem Vorgängeralbum übernommen und Drummer Ric Parnell hinterließ auf "Nice'N'Greasy" ganz unüberhörbare Spuren mit seinem vom Jazz beeinflussten Spiel.
Von den Kritikern wurde die LP hemmungslos zerrissen (kann man wunderbar in alten Artikeln und Büchern oder im Internet nachlesen - das ist die harte Recherchearbeit des unwissenden Schreiberlings...), die Verkäufe waren lausig, ATOMIC ROOSTER/Vincent Crane hatten sich ins Aus geschossen. "Satanic Bluesrock" war 1973 nicht mehr angesagt und nach dem folgenden Totalflop "Assortment" (1974) war endgültig Schluss - bis 1980 eben.

Betrachtet man "Nice'N'Greasy" heute, nach über 30 Jahren also, ganz unvoreingenommen, kann man nur zu einem einzigen Schluss kommen: Irgend etwas muss schiefgelaufen sein damals. An der qualitativen Umsetzung kann es nicht gelegen haben, bleibt eigentlich nur die zerrissene Persönlichkeit Vincent Crane als Sündenbock.
Die Musik ist satt orgelgetränkter bluesiger Heavyrock - oder das was man 1973 als Heavyrock bezeichnen konnte - mit phantastischem Gesang Farlowes, der zwar musikalisch vollkommen passt, jedoch als "braver" Bluesmann irgendwie bieder neben dem "schwarzen Schaf" Crane wirkt. Andererseits erzeugen Nummern wie Voodoo In You oder das furios-verschachtelte Satan's Wheel durchaus heute noch Gänsehaut.
Die Leadgitarre war verhältnismäßig dezent eingesetzt, wenn sie aber aus den Tiefen des Universums hervorkam, ließ Mandala keinen Wunsch offen. Er erinnert leicht an Kim Simmonds von SAVOY BROWN.
Apropos Satan's Wheel. Viel mehr Rhythmuswechsel in knapp 7 Minuten sind kaum möglich.

Leider war das Album nicht sehr geschickt aufgebaut. Ein traditioneller Bluesrock wie All Across The Country gleich als Opener, traf 1973 nicht mehr den Zeitgeist. Die über das gesamte Werk verstreuten psychedelischen Einflüsse natürlich ebenfalls nicht. "Nice'N'Greasy" war schon zur Entstehung Anachronismus. Heute sieht es anders aus, man darf sich über die CD ohne Einschränkung freuen.
Welch formidabler Shouter Farlowe war bzw. bis heute ist, zeigt sich in Save Me, das mit Bläsern und funky Groove beinahe als Black Music durchgehen könnte. Eric Burdon und WAR kommen einem in den Sinn - genau wie bei Take One Toke. Sämtliche Songs gingen auf die Kappe von Crane, nur Goodbye Planet Earth stammte von Mandala und war ähnlich vollgepackt mit Soul.

Crane's Können als Klavierspieler müssen Musiklehrer beurteilen. Wenn er zwischendurch allerdings keine langgezogenen Hammond- oder Synthesizertöne von sich gab, sondern sich auf das konventionelle (E-) Piano beschränkte, hat man den Eindruck eines sensiblen und begabten Musikers und Komponisten mit Visionen - auch wenn die wohl nicht selten durch diverse verbotene Substanzen hervorgerufen wurden. Selbst durch die reichlich dick aufgetragenen Streicher und Bläser in Can't Find A Reason scheint Magie hindurch. Verstärkt noch durch Farlowe's berührenden Gesang.

"Nice'N'Greasy" war also ein gutes Album und hat heute historischen Wert. Endgültig kaufenswert wird das Teil durch die vier Bonus Tracks. Die Farlowe-Komposition What You Gonna Do? und die Single B-Seite Moods passen ins damalige Bandkonzept und bluesrocken und halluzinieren kräftig. Dazu gibt es eine Liveaufnahme von 1980. Bei der damaligen Reunion war wieder der bekannteste aller ROOSTER-Gitarristen, John DuCann, mit von der Partie. Zusammen performen sie den größten Hit der Band, The Devil's Answer aus dem Album "Death Walks Behind You" von 1971. Throw Your Life Away stammt vom oben angesprochenen 80er Album "Atomic Rooster". In Härte und Frische fühlt man sich mehr an NWOBHM-Bands wie SAXON denn an altväterlichen Bluesrock erinnert.
DuCann scheint eine ähnlich schwierige Figur wie Crane gewesen zu sein, jedenfalls stieg er schnell wieder aus und besiegelte damit das endgültige Ende der Band. Vincent Crane verdingte sich eine Zeitlang bei den DEXY'S MIDNIGHT RUNNERS bevor er sich '89 final verabschiedete.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.10.2004

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