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CD-Review:
Atomic RoosterNice'N'Greasy |
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Meine erste Begegnung mit ATOMIC ROOSTER fand im Jahr 1980 und ihrer gleichnamigen LP statt. Das war ein Hammerteil, knallhart, düster und bedrohlich wie sonst nur BLACK SABBATH und dennoch voll mit Boogie und Rock & Roll und überdies auch noch ohne Bass eingespielt, nur Gitarre, Keyboards und Drums. Sozusagen der vertonte Aleister Crowley - Mainman und Keyboarder Vincent Crane war auch Zeit seines Lebens an schwarzer Magie interessiert. Mein zweiter Versuch mit der Band war dummerweise ihre erste LP von 1970, ebenfalls "Atomic Rooster" betitelt, und die ist für einen jungen Menschen der gerade intensiv um Bon Scott trauert nicht die richtige Ablenkung. Völlig wirres und irres Gedudel um einen offensichtlich durchgedrehten Keyboarder und den außer Rand und Band geratenen Carl Palmer am Schlagzeug. Krank und bereits damals (also 1980) hoffnungslos veraltet. Mein Wissen um die Band beschränkte sich immer noch mehr oder weniger auf die Tatsache, dass Vincent Crane den Hit Fire von Arthur Brown, dem "God of Hellfire", geschrieben hatte. Später, mit dem Beginn des CD-Zeitalters, wurden die alten Platten der Band in regelmäßigen Abständen (und grausigem Sound zumeist) immer und immer wieder veröffentlicht doch irgendwann achtet man wegen Reizüberflutung nicht mehr auf die 5,99 Sonderangebote am Ramschtisch. Seit ein paar Jahren hat sich das Castle Music Label der alten Platten angenommen und veröffentlicht sie remastert mit Bonus Tracks und ausführlichen Linernotes nach und nach neu. Diesmal ist das fünfte Album "Nice'N'Greasy" dran und, Schande, ich kannte die Platte bisher nicht. Peinsam für einen, der über Musik reden und schreiben will. Hard Facts: Die Band war wieder einmal umbesetzt, an der Gitarre erschien ein gewisser Johnny Mandala (später unter dem Namen John Goodsal bei BRAND X), den Gesang hatte der große Chris Farlowe bereits seit dem Vorgängeralbum übernommen und Drummer Ric Parnell hinterließ auf "Nice'N'Greasy" ganz unüberhörbare Spuren mit seinem vom Jazz beeinflussten Spiel. Betrachtet man "Nice'N'Greasy" heute, nach über 30 Jahren also, ganz unvoreingenommen, kann man nur zu einem einzigen Schluss kommen: Irgend etwas muss schiefgelaufen sein damals. An der qualitativen Umsetzung kann es nicht gelegen haben, bleibt eigentlich nur die zerrissene Persönlichkeit Vincent Crane als Sündenbock. Leider war das Album nicht sehr geschickt aufgebaut. Ein traditioneller Bluesrock wie All Across The Country gleich als Opener, traf 1973 nicht mehr den Zeitgeist. Die über das gesamte Werk verstreuten psychedelischen Einflüsse natürlich ebenfalls nicht. "Nice'N'Greasy" war schon zur Entstehung Anachronismus. Heute sieht es anders aus, man darf sich über die CD ohne Einschränkung freuen. Crane's Können als Klavierspieler müssen Musiklehrer beurteilen. Wenn er zwischendurch allerdings keine langgezogenen Hammond- oder Synthesizertöne von sich gab, sondern sich auf das konventionelle (E-) Piano beschränkte, hat man den Eindruck eines sensiblen und begabten Musikers und Komponisten mit Visionen - auch wenn die wohl nicht selten durch diverse verbotene Substanzen hervorgerufen wurden. Selbst durch die reichlich dick aufgetragenen Streicher und Bläser in Can't Find A Reason scheint Magie hindurch. Verstärkt noch durch Farlowe's berührenden Gesang. "Nice'N'Greasy" war also ein gutes Album und hat heute historischen Wert. Endgültig kaufenswert wird das Teil durch die vier Bonus Tracks. Die Farlowe-Komposition What You Gonna Do? und die Single B-Seite Moods passen ins damalige Bandkonzept und bluesrocken und halluzinieren kräftig. Dazu gibt es eine Liveaufnahme von 1980. Bei der damaligen Reunion war wieder der bekannteste aller ROOSTER-Gitarristen, John DuCann, mit von der Partie. Zusammen performen sie den größten Hit der Band, The Devil's Answer aus dem Album "Death Walks Behind You" von 1971. Throw Your Life Away stammt vom oben angesprochenen 80er Album "Atomic Rooster". In Härte und Frische fühlt man sich mehr an NWOBHM-Bands wie SAXON denn an altväterlichen Bluesrock erinnert. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 22.10.2004
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