HoR Logo kl

Artikel:

Logo Lizard

Im Studio

Logo Home-of-Rock

Fotos:
Adelina Schmidtlein

Der Klick auf ein Bildchen zeigt es in voller Größe in einem neuen Browserfenster.

Achim
Soundmann Achim - 58 KB
Othi
Studiochef Otheinrich Clauder - 40 KB
Ralf Mende
Ralf Mende - 54 KB
Christoph Berner
Musste auch raus: Christoph Berner - 66 KB
Lizard
Eine Band im Stress - 41 KB
Lizard
Feierabend - 53 KB
Ebersbach, OTHIs Tonstudio, 01.03.2003

Georg Bayer

Als vor 2 Jahren "Southern Steel" veröffentlicht wurde, hatten wir die zweifellos beste CD einer europäischen Southern Rock Band, bis dahin, in den Händen.
Weg vom halbgaren Recycling amerikanischer Vorbilder, keine rumpelnde Produktion im Billigverfahren und vor allem eine Band, die zum damaligen Zeitpunkt, die tighteste und handwerklich beste Europas war.

"Southern Steel" lief gut. Die neue Plattenfirma Halycon tat viel, die Band promotete die CD und die Konzerte und Tourneen (u.a. mit DOC HOLLIDAY) erledigten den Rest. Sogar beim Sweden Rock Festival gab es im letzten Jahr nur positive Reaktionen und anschließend erfreuliche CD-Verkäufe.

Zwei Jahre sind lang und es ist viel in der Szene passiert. Halycon hat leider - trotz guter Erfolge - den Labelbetrieb wieder eingestellt, es gibt etliche neue Bands, die auch Southern Rock machen, doch die Situation in der Branche hat sich generell nicht verbessert.
LIZARD allerdings sind nicht aufzuhalten und haben unverdrossen neue Songs geschrieben, sich eine neue Firma gesucht und sind jetzt im Studio.
Wir hatten die Gelegenheit, die Band dort zu besuchen und in die neuen Songs reinzuhören.

Klaus Brosowski

Das Studio:
Das OTHIs Studio ist in Ebersbach, zwischen Esslingen und Göppingen, 20 Minuten von Stuttgart entfernt. Es ist ein schönes und großes Studio mit hervorragenden Arbeitsbedingungen und schönen Relaxräumen für die Bands. Boss Otheinrich Clauder fabriziert außerdem eine angenehme Atmosphäre (und starken Kaffee) für die Musiker und Techniker.
Dieses Studio sollte man sich als Band mal anschauen. Alle, die ihre letzten Aufnahmen in stinkigen Kabuffs gemacht haben, finden hier vielleicht eine Alternative.

LIZARD sind nicht DEF LEPPARD. Die kompletten 13 Basictracks (also Schlagzeug, Bass, Gitarren und Keyboard) hat die Band in nur 4 Tagen live eingespielt. Bei unserem Besuch wurden gerade die beiden letzten Nummern erledigt.
Wer schon mal die Möglichkeit hatte, sich eine künftige CD in diesem Stadium anzuhören, wird sich gefragt haben, wie man aus solchen Fragmenten und Katastrophen jemals eine einigermaßen vernünftige Platte herstellen kann. Am Beispiel Dieter Bohlen sieht man, dass mit viel Technik alles möglich ist...

Hier liegt der Fall ganz anders. An diesen Bändern werden sich keine Heerscharen von Tontechnikern dumm und dämlich verdienen, denn es gibt daran nicht mehr viel zu tun. Legionen von Bands würden solche Aufnahmen - nach einem hingeschluderten Mix - als amtliches Produkt verkaufen.
Ich bilde mir auf meine Ohren eine ganze Menge ein, aber trotz heftiger Bemühungen konnte ich kaum Unsauberkeiten erlauschen. Wenn dann aber trotzdem Soundmann Achim und Gitarrist Christoph Berner noch vermeintliche Fehler entdecken, werden diese ruckzuck ausgemerzt. Einmal anhören, einmal "trocken" mitspielen und dann aufgenommen und fertig. In Sonderfällen will man noch eine Version für Vergleichszwecke. Dann ist aber Schluss.

Helmut Kipp

Jetzt hilft natürlich die größte Perfektion nichts, wenn man keine Songs zur Verfügung hat, die auf dem Endprodukt richtig funktionieren. Um das kommende Album von LIZARD braucht man sich diesbezüglich keine Sorgen zu machen.
Ich hielt "Southern Steel" seinerzeit für den Gipfel. Die neuen Songs sind aber nochmals ein Quantensprung!

Ein Problem wird sich der neuen Plattenfirma stellen. Denn als reine Southern Rock Band kann man LIZARD künftig nicht mehr vermarkten. Natürlich sind alle Insignien klassischen Südstaatenrocks nach wie vor im Überfluss vertreten. Tonnenweise Double Leads, Orgel, die eine oder andere Allman-Reminiszenz, aber letztendlich reden wir "nur noch" über Rock. Powerrock, Bluesrock, Southernrock, Classicrock, wie man es auch immer bezeichnen will.
Mir fiel diese Entwicklung zur Lockerheit und zum entspannten Umgang mit allen möglichen Einflüssen bereits beim letzten Konzert in Esslingen auf und die Rohversionen bestätigen diesen Eindruck.

Weitere Auffälligkeit: Die Band rockt "härter" denn je. Die Midtempo-Stücke sind unheimlich packend und intensiv, Bass und Drums powern mächtig nach vorne, die Rocker rocken brachial und die beiden akustischen Nummern sind magisch. Alle gehörten Songs sind aufwändigst durcharrangiert, mit haarsträubend vielen Finessen versetzt. Kurz: In den einzelnen Songs passiert mehr als auf manchen kompletten Platten.

Volker Dörfler

Keine Plattenproduktion ohne Skandal:
LIZARD setzen die Gitarristen vor die Tür!
Würde die BILD schreiben, wenn sie sich für Rock & Roll interessieren würde. In diesem Fall handelt es sich einfach nur um ein soundtechnisches Problem bei einer der akustischen Nummern. Christoph Berner und Volker Dörfler müssen ihre Parts außerhalb des Aufnahmeraums einspielen. Voneinander getrennt, ohne Sichtkontakt, nur mit Kopfhörer und akustischer Gitarre bzw. Dobro. Aber auch hier: Zwei, drei Takes und das Ding sitzt. Überhaupt kann an der Gitarrenfront nicht mehr viel mehr kommen. Außer im Zirkus.

Ein ganz besonderes Schmankerl wird sich auf der CD wiederfinden. Bring Me Some Water, mein Lieblingslied vom 93er Kult-Album "Line Up" der BORDERLINE Besetzung mit Micky Moody, Bernie Marsden und DOC HOLLIDAY um Bruce Brookshire. Die CD krankte damals nur am etwas dünnen Sound. LIZARD haben die Nummer nun noch mal aufgegriffen und der künftige Käufer darf sich auf das ultimative Brett freuen. Gewaltig.

Leider wird die Veröffentlichung des Albums noch etwas auf sich warten lassen. Ende März kommen die Vocals und der eine oder andere Beitrag eines sehr bekannten Gastmusikers (Initialen BB), dann wird gemischt, zwischendurch noch live gespielt und hoffentlich im Juni/Juli ist das Ding fertig.
Tipp: Geht doch derweil zu den Konzerten! Da spielen sie bereits einige der neuen Nummern.

Dank an Georg und die Jungs und an Othi.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.03.2003

Bilder: Adelina Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.03.2003

Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

 
© Home of Rock 2001 - 2008, Impressum