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Biographie:
Creedence Clearwater RevivalBesser als die Beatles?(Teil 7: Das Ende mit "Mardi Gras", Soloaktivitäten) |
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Zu Jahresbeginn 1972 trafen sich die verbliebenen drei Musiker in der "Factory" um ein weiteres Album einzuspielen. Abhängig davon wessen Version man zu den nun folgenden Aufnahmen Glauben schenken mochte, hieß es entweder "John gab grollend den Forderungen Stus und Dougs nach größerem musikalischen Einfluss nach und ließ jeden der beiden jeweils drei Songs schreiben und singen" oder "John stellte ihnen ein Ultimatum. Entweder würde er die Gruppe ebenfalls verlassen oder seine Bandkollegen hätten für zwei Drittel des Songmaterials zu sorgen."
Bevor die Resultate ihren Fans präsentiert wurden, absolvierten CCR im Februar '72 eine Tour durch Australien und Japan. Einen Monat später erschien die letzte Single der Band, Someday Never Comes / Tearin' Up The Country, und führte bereits deutlich zur ersten Enttäuschung.
"Mardi Gras" kam im April 1972 in die Läden. Über Kritiker ließ sich stets trefflich streiten, doch selbst den treuesten Fans musste die Scheibe als Katastrophe erscheinen. Die letzte Single aus dem Vorjahr, deren Tracks Sweet Hitch-Hiker / Door To Door wie bei CREEDENCE gewohnt auf der folgenden Langspielplatte auftauchten, war eigentlich noch mit das Beste was "Mardi Gras" zu bieten hatte. Die Kompositionen Cooks und Cliffords erreichten in keinem Moment das Niveau derer Fogertys. Vor allem, sie klangen zu keiner Sekunde nach CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL. Sicher, Johns Stimme hatte die Songs bis dato geprägt, doch dieser Umstand alleine genügte nicht um die Lieder seiner Kollegen zu disqualifizieren. Stus Door To Door hatte zu Erscheinen von "Mardi Gras" bereits satte neun Monate auf dem Buckel und lebte neben einem noch halbwegs erträglichen Gesang des Bassisten vor allem von Johns rockig gespielter Gitarre. Das restliche Songmaterial musste als misslungene Versuche zweier im Schatten eines Genies stehender Neider angesehen werden die nicht zu merken schienen, dass sie zumindest als John Fogertys zweifellos hervorragende Rhythmusgruppe weiterhin unter dem Banner CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL noch einige Jahre erfolgreiche Platten hätten veröffentlichen können. So ging das aus ihren Federn stammende Gemisch aus Country-"Gesülze" (Need Someone To Hold), Schunkellied (Sail Away) oder unerträglichen Gesangsversuchen Doug Cliffords (What Are You Gonna Do) in keinem Moment über Anfänger-Niveau hinaus. Die Bezeichnung "Amateure" wäre zumindest phasenweise eine Beleidigung solcher gewesen. War es da ein Wunder, dass im Musical Express ein vernichtender Verriss von "Mardi Gras" mit der Feststellung abschloss, die LP wäre das schlechteste Album einer etablierten Rock-Band gewesen welches der rezensierende Kritiker jemals gehört habe? Als das Ausmaß des Desasters absehbar wurde, fühlten sich Cook und Clifford missverstanden. Plötzlich war die Rede davon, dass die beiden mit der von ihnen angestrebten Demokratie vor allem die Entlastung Fogertys von den weitreichenden Aufgaben des Managers gemeint hätten. John sollte wie durch eine Frischzellenkur neue Kräfte tanken können und mehr Raum zu seiner künstlerischen Entfaltung bekommen. Zum Ende hin spielte es keine Rolle mehr, wer an was schuld gewesen sein würde oder wessen Version stimmte. John wirkte lustlos und schien mehr an einer Solo-Karriere interessiert, während Stu und Doug nach Ausreden suchten, um von der Mittelmäßigkeit ihrer Beiträge abzulenken. Die Ende Mai 1972 beendete "Mardi Gras-Spring-Tour" wurde allgemein als schlecht bis katastrophal kritisiert.
Statt einer, vielleicht noch einmal die Wende einläutenden, neuen CREEDENCE-Single erschien unter dem Namen THE BLUE RIDGE RANGERS (Featuring John C. Fogerty) die erste Solo-Single des Bandleaders: Blue Ridge Mountain Blues. 1994 wurde das CD-Box-Set "Woodstock - Three Days Of Peace And Music" auf den Plattenmarkt gebracht. CREEDENCE tauchten also doch noch im Rahmen einer Woodstock-Veröffentlichung auf. Commotion, Green River, Ninety-Nine And A Half und I Put A Spell On You hatten dem Vinyl getrotzt, dem Silberling fielen sie zum Opfer. Eine der größten Rockbands aller Zeiten hatte sich sang- und klanglos aufgelöst. Klammerte man "Mardi Gras" aus, blieben immer noch sechs herausragende Alben und fünfzehn (*) in den Top 10 notierte Songtitel übrig, die ihre Karriere so herausragend und ungewöhnlich werden ließen. Zu einer Wiedervereinigung sollte es nie mehr kommen, auch wenn es bereits 1974 so aussah. Zur Produktion von Tom Fogertys drittem Soloalbum "Zephyr National" trafen sich alle Mitglieder von CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL im Studio und begleiteten ihn als Session-Musiker. Auffallend auch, dass Tom sich in einigen Stücken der Thematik des amerikanischen Südens näherte und damit dem was CCR so berühmt hatte werden lassen. Tom Fogerty starb 1990. Als offizielle Todesursache wurden die Folgen einer Tuberkulose genannt. Im Laufe seiner Karriere als Solokünstler blieben großartige Erfolge aus. Weder als Sänger noch mit seiner Band RUBY oder als Produzent kam er jemals in die Nähe des Erfolgs von CREEDENCE oder seines Bruders John. Seine Hoffnung auf eine Wiedervereinigung CCRs wurden durch die Streitereien und Prozesse zwischen seinem Bruder John und Saul Zaentz (auf dessen Seite sich Tom, Stu und Doug aus wirtschaftlichen Interessen geschlagen hatten) zunichte gemacht. Stu Cook und Doug Clifford arbeiteten häufig gemeinsam zusammen. SOUTHERN PACIFIC, THE SIR DOUGLAS QUINTET oder THE DON HARRISON BAND, sie alle brachten keine nennenswerten oder an frühere Tage erinnernden Erfolge. Seit Mitte der neunziger Jahre touren sie unter dem Namen CREEDENCE CLEARWATER REVISITED mit drei weiteren Musikern auch durch die deutschen Lande und verdienen sich die Rente durch das Nachspielen der alten CCR-Klassiker. Spätestens hier zeigt sich ihr Unvermögen, Songs zu schreiben die denen John Fogertys ebenbürtig sind. Während ein RINGO STARR & HIS ALL-STAR BAND keineswegs nur im Fundus von Lennon/McCartney plündern oder BILL WYMAN'S RHYTHM KINGS auch ohne Jagger/Richards begeistern können, verkommt die ehemalige CCR-Rhythm-Section mit ihren Begleitern zu einer Oldie-Kapelle, mag die Stimmung im - den "guten alten Zeiten" nachweinenden - Publikum zuweilen auch noch so freude(trunken?) sein.
John Fogerty erzielte mit seinem ersten Album "The Blue Ridge Rangers" längst nicht den vielleicht erwarteten Erfolg. Zwar kletterte die an CREEDENCE erinnernde Single Jambalaya noch bis auf Platz 16 der "Billboard"-Charts und übertraf damit die letzte 45er seiner ex-Band, aber für den erfolgsverwöhnten Siebenundzwanzigjährigen konnte das nicht zufriedenstellend sein.
Der zweite Longplayer "John Fogerty" enthielt mit Rockin' All Over The World einen Song den STATUS QUO einige Jahre später zu ihrer Hymne machten, während Fogerty zunehmend in der Käufergunst absackte.
Es folgte eine lange Pause mit vielen Selbstzweifeln, Prozessen und jahrelanger alleiniger Studioarbeit, ehe 1984 mit "Centerfield" ein besonders in den USA sich sehr gut verkaufendes Album erschien. Der darauf enthaltene Hit The Old Man Down The Road sollte Fogerty in einen jahrelangen Prozess mit Saul Zaentz verwickeln, der ihm vorwarf, bei Johns eigenem Stück (sprich bei sich selbst!) Run Through The Jungle abgeschrieben zu haben. Während "Eye Of The Zombie" 1986 total floppte, tauchte John Fogerty 1997 erneut erfolgreich auf. "Blue Moon Swamp" erinnerte endlich wieder an CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL. Nicht nur ein oder zwei Songs, nein, ein ganzes Album lang konnte man sich an Tracks im CCR-Stil erfreuen. Zwar moderner klingend, aber der alte Spirit war plötzlich wieder da. Nach einer Pause von fast sieben Jahren veröffentlichte John mit "Deja Vu All Over Again" ein sicherlich ambitioniertes, aber keinesfalls an "Blue Moon Swamp" anknüpfendes Album. EPILOG Die Lücke welche CCR hinterließen, konnte nie mehr geschlossen werden. Zwar erinnerten immer wieder Songs diverser Acts an die große amerikanische Rock('n'Roll)-Band, der unnachahmliche Sound wurde jedoch selbst von John Fogerty später auf "Blue Moon Swamp" nicht mehr hundertprozentig erreicht. Bereits 1971 landeten die HOLLIES mit Long Cool Woman einen Riesenhit, den John scherzhaft als "besten CREEDENCE-Song aller Zeiten" bezeichnete. Zu jener Zeit schien der Plattenkäufermarkt noch regelrecht nach CCR zu lechzen, zwanzig Jahre später tat sich eine Band wie die BRANDOS mit ihren an die Kalifornier erinnernden Tracks bereits erheblich schwerer. Je öfter ich die Alben beim Entstehen dieser Story gehört habe, je mehr kamen die Erinnerungen an längst vergangene Tage zurück. Jeder mag für sich etwas mit den Songs der Gruppe verbinden, und es werden nicht immer die Geschichten von Mark Twain sein. Ich erinnere mich an einen regnerischen Sommertag in einer kleinen Bergbaustadt am Rande des Ruhrgebiets. Es ist Kirmes, der Großvater begleitet mich, und aus einem von Motorrädern umstellten Raupen-Karussell tönt Musik herüber die ich nie zuvor gehört hatte und danach nie mehr vergessen sollte. Hey Tonight...
Quellen: Zeichen:
Jürgen Ruland, (Artikelliste), 20.08.2005
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