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Power Supply -
Die Budgie History

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Budgie
"Budgie", 1971
Squawk
"Squawk", 1972
Never Turn Your Back On A Friend
"Never Turn Your Back On A Friend", 1973
In For The Kill
"In For The Kill", 1974
Bandolier
"Bandolier", 1975
If I Were Brittanie I'd Waive The Rules
"If I Were Brittanie I'd Waive The Rules", 1976
Impeckable
"Impeckable", 1978
If Swallowed Do Not Induce Vomiting
"If Swallowed Do Not Induce Vomiting (EP)", 1980
Power Supply
"Power Supply", 1980
Nightflight
"Nightflight", 1981
Deliver Us From Evil
"Deliver Us From Evil", 1982
We Came, We Saw....
"We Came, We Saw.... (Live at The Reading Festival 1980 & 1982)"
Life In San Antonio
"Life In San Antonio", 2002

BUDGIE haben bereits in den 70ern konstant Alben veröffentlicht, die heute oft als "Kult" bezeichnet werden. An dieser Stelle seien als Beispiel nur die von METALLICA gecoverten Tracks Breadfan (original erschienen 1973 auf dem Album "Never Turn Your Back On A Friend") und Crash Course In Brain Surgery (1974, "In For The Kill") genannt. Ebenfalls legendär sind die teils ungewöhnlichen Songtitel wie Hot As A Docker's Armpit, Panzer Division Destroyed oder Nude Disintegrating Parachutist Woman.
Die Veröffentlichungen dieses Zeitraums enthalten teilweise recht sperriges Material, dessen Reiz sich dem Hörer oft erst nach vielen Durchläufen auftut. Ob dazu allerdings jeder bereit ist sei dahingestellt.

Die Besetzung jener Jahre hatte sich zum Ende der Jahrzehnts bis auf Burke Shelley (Bass & Vocals) verabschiedet und bestand 1980 weiterhin aus Steve Williams (Drums) sowie "Big" John Thomas (Guitar, Slide & Vocals), der mit Shelley zusammen nahezu das komplette Songwriting übernahm. Der Labelwechsel zu RCA und das neue Komponistenteam brachten frischen Wind in die Gruppe und führten zu Veröffentlichungen, die seinerzeit leider im Strudel der vielen NWOBHM-Acts (IRON MAIDEN, SAXON, DEF LEPPARD) oder der auf ihrem Zenit stehenden AC/DC untergingen. Wahrscheinlich sind "Power Supply", "Nightflight" und "Deliver Us From Evil" heute nur noch eingefleischten Heavies bekannt, denn selbst zum Zeitpunkt ihres Erscheinens waren diese Scheiben keine Verkaufsrenner, sieht man von Platzierungen in den unteren Regionen der britischen Charts ab.
Über das "warum" lässt sich da nur spekulieren, vermutlich gab es viele Gründe. Promotion, Aussehen und Outfit (spielt nahezu immer eine Rolle, auch wenn's keiner gerne zugibt) der Bandmitglieder, das "zwischen den Stühlen sitzen" BUDGIE's und ihren Songs zum damaligen Zeitpunkt, fehlende Touraktivitäten (zumindest auf dem europäischen Kontinent) oder mangelndes Medieninteresse. Was immer es auch gewesen sein mag, der Durchbruch erfolgte nicht. Die Alben der Jahre 1980-82 klingen jedenfalls bis heute nach wie vor so frisch, dass sie an dieser Stelle noch einmal ans Licht geholt werden sollen.

Power Supply

"Power Supply", die erste Veröffentlichung der 80er-Trilogie, erschien 1980. In jenen Tagen suchte man überall nach News, es gab keine dementsprechenden Medien, und in einem Katalog (GOVI) erfuhr ich erstmals von der Existenz besagter Langrille. Etwa zeitgleich lief auf dem britischen Soldatensender BFBS "Tony Jasper's HM-Show", in welcher der Song Heavy Revolution vorgestellt wurde. Ein Track, der mir nie mehr aus dem Kopf gehen sollte. Der markante Gesang und das Monsterriff blieben für immer in meinem Schädel hängen.
Ohne vorher reinzuhören, nur aufgrund des einen mir bekannten Songs kaufte ich die Scheibe und hatte wie sich daheim herausstellte einen Meilenstein in der Plastiktüte. Kaum war die Nadel erstmals in der Rille (der Longplayer klingt bis heute phantastisch, ein Paradebeispiel für Vinyl) glaubte meinereiner seinen Ohren nicht zu trauen. Forearm Smash kam sofort wie eine gestochene rechte Gerade daher. Ein absoluter Hammer gleich zu Beginn mit 2 (!) Soli im Song, eine echte Rarität, dabei aber stets ein straighter Rhythmus (Drummer = wie 'ne Maschine, permanent schnurstracks geradeaus). Über Hellbender (schleppend, aber heavy as shit) zum Knaller Heavy Revolution (der Gesang ist geradezu begnadet für die HM/HR-Szene) und anschließend Gunslinger. Der Track beginnt verhalten akustisch und steigert sich zu einem regelrechten Gewitter (hier merkt man deutlich die Siebzigerwurzeln, verbunden mit einem Mix aus AC/DC und NWOBHM).
Weiter geht es mit dem vielleicht schwächsten Albumtrack Power Supply (straighter Rocker) zum Midtempo-Kracher Secrets In My Head. Eine ultraheavy Gitarre, welche einen recht simplen Grundrhythmus spielt und zum Ende hin einen Groove entwickelt, das des Bangers Head nur noch wackelt.
Time To Remember (leicht spacig, wieder Richtung Seventies), abschließend dann das schlicht gehaltene, jedoch ungemein wirksam stampfende Crime Against The World (ein absoluter Live-Kracher, wie man auf dem mehr als 15 Jahre später erschienenen Livemitschnitten "Reading '80 & '82" hören kann).
"Power Supply" wird wohl stets einer meiner Faves bleiben, vielleicht sogar mein Absoluter. Der Sound dieser Scheibe bleibt bis heute unerreicht. Die Simplizität der Songs wird immer wieder unterbrochen durch Soli, welche sich stets dem Song an sich unterordnen. Der Rhythmus ist "ständig geradeaus" (einfach, aber hier passt es > voll auf den Punkt!). Das Cover ist schlicht gehalten, eine Zeichnung mit dem auf fast allen Alben vertretenem Phantasievogel als Musiker auf einer imaginären Bühne. Hier passt es voll zur Mucke, und das Photo auf der Albumrückseite habe ich mir garantiert schon hundert Mal angeschaut. Ein Livepic, das genau den Inhalt von "Power Supply" widerspiegelt: Volle Power geradeaus!!!!

Eine Randbemerkung: Wenn ich daran denke dass BUDGIE Special Guests bei Ozzy Osbourne's damaliger "Blizzard Of Ozz"-Tour waren bedaure ich nicht älter zu sein. Wahrscheinlich wäre ich übern Kanal gepaddelt um dieses Package zu sehen.

If Swallowed Do Not Induce Vomiting

Gleichfalls 1980 veröffentlichten BUDGIE eine Maxi Single mit weiterem Material. Die Maxi enthält mit Wildfire einen echten Knaller (straight, aber schweineheavy) und das recht lange Panzer Division Destroyed, einen Banger, der allein schon die Kohle wert ist.
High School Girls und besonders Lies Of Jim fallen leider im Niveau ab, stellen nicht mehr als Füllmaterial dar.

Nightflight

"Nightflight" aus dem Jahre 1981 klingt auf den ersten Eindruck hin enttäuschend. Die einzelnen Songs haben nicht auf Anhieb diese Wahnsinnspower des Vorgängers, wo bereits der Titel aussagte wo es lang ging. Doch man lasse sich da nicht täuschen, dieses Album wächst und macht mit der Zeit regelrecht süchtig. Die Songs scheinen mit jedem Hördurchgang zu wachsen. War "Power Supply" vielleicht eher ein Fall für die tolerante AC/DC-Fraktion und real headbangin' stuff, so spricht "Nightflight" eventuell eher Anhänger von LED ZEPPELIN an.
Diese Scheibe klingt sperriger und weniger zugänglich, schon der Opener I Turned To Stone beginnt eher verhalten, um dann in seinem Verlauf mächtig loszulegen. John Thomas' Gitarrenarbeit ist hier neben der unglaublichen Stimme Burke Shelley's erneut prägend. Diese beiden Musiker halte ich bis heute für restlos unterschätzt, wenn man sich mal so in der großen weiten Rockwelt umschaut.
Keeping A Rendezvous oder Reaper Of The Glory wirken anfangs eher belanglos, aber ihre verhaltene Power nimmt dich nach jeder Runde mehr gefangen. She Used Me Up ist wieder ein straighter Midtempo-Rocker, der auch live sicher für Bewegung gesorgt haben wird, wie die Readingaufnahme aus dem Jahre 1982 eindrucksvoll belegt. Apparatus und Superstar sind eher experimentell und zeigen wiederum die Bandbreite BUDGIEs die sich nicht so recht in die damalige Hard'n'Heavyszene einfügen ließen.
"Nightflight" wird komplettiert mit Don't Lay Down And Die (mitreißendes heftiges Solo mittendrin) und Change Your Ways mit seinen schönen verhallenden Gitarren. Über das abschließende kurze Instrumental Untitled Lullaby lässt sich bei 1:16 außer "ganz nett" nicht sehr viel sagen.

Deliver Us From Evil

"Deliver Us From Evil" erschien ein knappes Jahr später. War 1982 doch eher brachialer Heavy Metal angesagt (MAIDENs "The Number Of The Beast", PRIESTs "Screaming For Vengeance", das für SCORPS-Verhältnisse heftige "Blackout"), so klangen BUDGIE erschreckend brav.
Wer FOREIGNERS "4" oder die späteren URIAH HEEP mag, hat da wohl eher gute Karten. In einer damaligen Kritik war von "weder Fisch noch Fleisch" die Rede, und auf Anhieb mag das auch zutreffen. Die Band hatte sicherlich Probleme mit dem "richtigen" Weg, das zeigt auch das Fehlen des Bandmaskottchen (jaja Leute, lange vor Eddie gab's das schon...) auf dem Cover und die Hinzunahme des Keyboarders Duncan Mackay (der allerdings nur namentlich erwähnt wurde und auf dem Gruppenfoto durch Abwesenheit glänzt).
Schon der Opener Bored With Russia zeigt an, dass man sich wohl weiter öffnen wollte, denn hier handelt es sich nach Jahren um eine Fremdkomposition. Der Sound klingt weicher, die Keyboards setzen jetzt neben den zurückhaltenden Gitarren Akzente. Klar ist John Thomas auch hier immer noch prägend, doch es ist eben ein weiterer Schritt und hat mit den beiden Vorgängern wenig Gemeinsamkeiten. Wenn, dann jene wie "Nightflight" : "Deliver Us From Evil" wächst erst mit fortschreitender Zeit!! Truth Drug oder Flowers In The Attic seien da als Beispiele genannt. Klar gibt es auch wieder einen heftigen Rocker (Don't Cry), doch den Höhepunkt bilden wohl die Songs Numero acht bis zehn. Alison ist vergleichbar mit John Lennons Woman, Finger On The Button ein klasse Midtempokracher mit hervorragenden melodischen Vocals und Hold On To Love ein prächtig galoppierender Banger.
"Deliver Us From Evil" ist das letzte Album einer Trilogie, welche man wirklich von Anfang bis Ende durchhören sollte um die Substanz dieser Band mitzubekommen.

We Came, We Saw...

Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige welcher sich einen Live-Mitschnitt des walisischen Trios gewünscht hat, und knappe 15 Jahre später stoße ich beim Stöbern unter B wie BUDGIE auf das Doppelalbum "We Came, We Saw...". Disc1 bietet 7 Songs vom Reading Festival 1980, Disc 2 erneut 7 Songs vom Reading Festival 1982, wobei Forearm Smash, Crime Against The World und Panzer Division Destroyed auf beiden Silberlingen vertreten sind. Schade eigentlich, aber was für eine Freude überhaupt Liveaufnahmen zu ergattern.
Die 80er-Aufnahmen mit einem tollen Publikum klingen rau und ungemein druckvoll, während der 82er-Mitschnitt manchmal ein wenig schwammig herüberkommt, was aber bei weiten nicht bedeuten soll, dass er schlecht oder nicht empfehlenswert ist. Im Gegenteil, man drehe an der Lautstärke, dann rummst es ordentlich.
Disc 1 enthält 3 ältere Songs (Breaking All The House Rules, Napoleon Bona Part One And Two, Breadfan), die allesamt hervorragend zum damals aktuellen Output "Power Supply" passen. Leider wird bei Breadfan ausgeblendet...
Disc 2 bietet starke Versionen von She Used Me Up, Truth Drug und I Turned To Stone, die einen wiederholt an der Gerechtigkeit der Rockmusikwelt zweifeln lassen. Als Beispiel für die ungerechte Welt steht sicherlich die Story, dass METALLICA einen ihrer einstigen Helden (Burke Shelley) im Rahmen der "Justice"-Tour in Cardiff trafen. Der Ausnahmeshouter arbeitete seinerzeit bei den Aufbauarbeiten mit und brach sich dabei einen Daumen als eine Transportbox seine Hand einquetschte.

"Power Supply", "Nightflight" und "Deliver Us From Evil" wurden 1993 von Repertoire Records wiederveröffentlicht. Das Booklet wurde jeweils mit Bildern, kurzer Story und der Auflistung aller Veröffentlichungen aufgepeppt, ist allerdings bei allen Alben gleich.
"Power Supply" enthält 4 Bonus Tracks (die Maxi "Panzer Division Destroyed"), die beiden anderen Alben bieten leider kein zusätzliches Material.
"We Came, We Saw..." (Pilot, New Millenium Communications Ltd., 1997) enthält ebenfalls ein akzeptables Booklet mit einigen Fotos, kurzer Bandhistory und Erinnerungen Burke Shelleys an die Reading Shows.

Seit einiger Zeit geben BUDGIE wieder vereinzelt Konzerte, vornehmlich in Großbritannien, allerdings auch 2003 beim Arrow Rock Festival in Lichtenvoorde (Niederlande). Bis auf Burke Shelley hat die Besetzung allerdings gewechselt.
Empfehlenswert sind eigentlich alle erwähnten Alben, und nach der Home of Rock Punktewertung steht "Power Supply" für eine glatte "1" ebenso wie die Reading-Aufnahme von 1980, während die weiteren Alben ganz fette "ZWEIER" sind.
Im Rahmen der vielen, oft wenig Sinn machenden Reunions stellt sich gewiss nicht nur mir die Frage nach einem neuen Studioalbum. Burke, let it rock!!!!

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 07.06.2004

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